Münster Unserer Lieben Frau: Insel Lindau - Lindau-bodensee
© Wikimedia Commons | CC-BY-SA
Ziel

Münster Unserer Lieben Frau: Insel Lindau

Lindau-bodensee, Germany

Das barocke Wahrzeichen am Marktplatz

Das Münster Unserer Lieben Frau, historisch als St. Marien oder schlicht Stiftskirche bekannt, ist Lindaus katholische Pfarrkirche. Direkt am Marktplatz auf der Ostseite der Insel steht sie Nase an Nase mit der evangelischen Kirche St. Stephan. Zwei Gotteshäuser auf Tuchfühlung, die Lindaus konfessionelle Doppelseele erzählen: das kaiserliche katholische Damenstift und die reichsstädtische Reformationsgemeinde, friedlich vereint auf engstem Raum.

Im Jahr 2002 erhob der Augsburger Bischof Viktor Josef Dammertz das Haus offiziell zum Münster. Heute bildet das Gebäude das Herz einer aktiven Gemeinde des Bistums Augsburg und steht Besuchern außerhalb der Gottesdienste täglich offen.

Vom mittelalterlichen Damenstift zu Bagnatos Entwurf

Die Wurzeln dieses Ortes reichen zurück bis in die Jahre 810 bis 820, als hier ein bescheidenes Benediktinerinnenkloster entstand. Über die Jahrhunderte mauserte es sich zu einem kaiserlichen Kanonissenstift für adelige Damen, eine Institution, die fast ein ganzes Jahrtausend überdauerte. Die romanische Stiftskirche aus dem 12. Jahrhundert, die einst hier stand, überlebte allerdings den verheerenden Lindauer Stadtbrand von 1728 nicht.

Zwischen 1748 und 1752 setzte Baumeister Johann Caspar Bagnato die heutige barocke Wandpfeilerkirche auf die mittelalterlichen Grundmauern. Finanziert wurde der Neubau zu großen Teilen von der verwitweten Fürstäbtissin Therese Wilhelmine von Pollheim-Winkelhausen, deren Wappen bis heute über dem Chorbogen prangt. Von außen gibt sich das Münster am Marktplatz mit heller Fassade und dezentem Turm fast zurückhaltend. Trittst du jedoch hinein, erwartet dich das volle Barock-Programm: strahlend weißer Stuck, zarte Pastelltöne an der Decke und reich vergoldete Rokoko-Altäre.

Katastrophen und die Rettung im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert entging das Münster gleich zweimal nur knapp dem endgültigen Ruin. 1922 fraß sich ein schwerer Dachstuhlbrand durch das Gebälk und vernichtete die Orgel sowie die originalen Deckenfresken von Giuseppe Appiani aus dem Jahr 1749. Bei der Restaurierung in den Zwanzigerjahren schuf Waldemar Kolmsperger der Ältere die Deckenbilder im Barockstil neu.

Doch das nächste Drama ließ nicht auf sich warten: In den frühen Morgenstunden des 28. September 1987 löste sich plötzlich die gesamte Decke des Langhauses mitsamt ihren Putzfresken vom Holzgebälk und krachte ungebremst in das Kirchenschiff. Die Trümmer zerschlugen das historische Gestühl und die Steinmeyer-Orgel von 1926 schwer. Riesiges Glück im Unglück: Nur Stunden zuvor hatten die Gläubigen die Kirchenbänke nach einer Abendmesse verlassen. Nach fünf Jahren aufwendiger Feinarbeit konnte die Kirche 1992 wieder öffnen und wurde 1993 neu geweiht.

Der Glockenstuhl und die Inselgießer

Im Glockenturm verbirgt sich ein sechsstimmiges Geläut, gestimmt auf die Tonfolge des¹-f¹-g¹-as¹-b¹-des². Vier dieser Glocken wurden 1772 vom Lindauer Meister Johann Heinrich Ernst gegossen, zwei jüngere Schwestern ergänzte Albert Bachert im Jahr 2000 aus Heilbronn. Dazu kommen zwei reine Uhrschlagglocken, die Peter Ernst schon 1751 fertigte.

Johann Heinrich und Peter Ernst entstammten einer echten Dynastie: Die Familie Ernst goss im 18. Jahrhundert Geschütze und Glocken direkt hier auf der Lindauer Insel. Von hier aus belieferten sie die gesamte Bodenseeregion bis weit in den Alpenraum. Und einige ihrer klangvollen Kunstwerke schlagen bis heute über den Dächern der Stadt.

Sakrale Klänge und historische Orgeln

Neben den regulären Gottesdiensten verwandelt sich das Münster regelmäßig in einen Konzertsaal für Chöre und Orgelabende. Gleich zwei spielbereite Instrumente sorgen für den richtigen Ton: auf der Westempore die restaurierte Steinmeyer-Orgel von 1926 und auf der Seitenempore die 1993 erbaute Marienorgel.

FAQ

Wann wurde das Münster Unserer Lieben Frau erbaut?

Die heutige barocke Wandpfeilerkirche wurde zwischen 1748 und 1752 von Baumeister Johann Caspar Bagnato errichtet. Sie ersetzte eine romanische Stiftskirche, die 1728 beim großen Lindauer Stadtbrand zerstört worden war.

Was geschah 1987 mit der Decke des Münsters?

Am frühen Morgen des 28. September 1987 stürzte die Langhausdecke samt ihren Putzfresken in den leeren Kirchenraum. Der Einsturz beschädigte das historische Gestühl und die Steinmeyer-Orgel von 1926 schwer, bevor das Münster zwischen 1987 und 1992 aufwendig restauriert wurde.

Wer goss die Glocken im Turm?

Das Geläut umfasst vier Läuteglocken von 1772 und zwei Uhrschlagglocken von 1751, die von der einheimischen Glockengießerfamilie Ernst direkt auf der Lindauer Insel gegossen wurden, sowie zwei Glocken aus dem Jahr 2000 von Albert Bachert.

More places in Lindau-bodensee