
Neuer Leuchtturm Lindau: Bayerns einziger Leuchtturm
Das Tor zum Bodensee
Auf der Westmole der Lindauer Hafeneinfahrt steht der Neue Leuchtturm, Deutschlands südlichster Leuchtturm und das einzige Seezeichen Bayerns. Zusammen mit dem imposanten Bayerischen Löwen drüben auf der Ostmole rahmt der Turm die schmale Einfahrt zu Bayerns einzigem Zugang zum Bodensee ein. Zwischen 1853 und 1856 errichtet, markiert das Ensemble den historischen Übergang vom mittelalterlichen Lindau zur königlich-bayerischen Infrastruktur des 19. Jahrhunderts, die den Inselhafen in einen florierenden Verkehrsknotenpunkt verwandelte.
Nach den territorialen Neuordnungen von 1805 und 1806 fiel die einstige Reichsstadt Lindau an das Königreich Bayern. Jahrzehnte später erforderte der Bau der Ludwig-Süd-Nord-Bahn eine umfassende Modernisierung des Hafens, der nun als kombinierter Umschlagplatz für Eisenbahn und Dampfschifffahrt dienen sollte. Architekt Eduard Rüber leitete den Bau des neuen Leuchtfeuers, das am 4. Oktober 1856 feierlich in Betrieb ging und den mittelalterlichen Mangturm aus dem 13. Jahrhundert endgültig von seiner Pflicht als primäres Hafenlicht entband.
Architektur und Besonderheiten
Der Neue Leuchtturm erreicht eine stolze Bauhöhe von 33 Metern, gestützt von 1,5 Meter dicken Steinmauern und einem Sockelumfang von 24 Metern. Optisch unverwechselbar durch weiß getünchtes Mauerwerk, eine grüne Kuppel und die rote Brüstung der Aussichtsgalerie, birgt der Turm eine echte Seltenheit für nautische Bauwerke: eine funktionierende mechanische Uhr, direkt in die Fassade integriert.
Im Inneren führen 139 Stufen über fünf Etagen nach oben. Obwohl das Bauwerk selbst nur gut 30 Meter über der Mole emporragt, liegt die sogenannte Feuerhöhe durch den Wasserspiegel des Bodensees auf rund 428 Metern über Normalnull. Damit gehört sein Leuchtfeuer zu den höchstgelegenen in ganz Deutschland.
Die Verwandlung des Hafenfeuers
Als der Turm eröffnet wurde, war das Leuchtturmwesen noch mühsame Handarbeit. Die Wärter hielten offene Ölwannen am Brennen und schlugen Nebelglocken oder bliesen Hörner von Hand, um Schiffe aus österreichischen und schweizerischen Gewässern sicher in den Hafen zu leiten. Im Lauf der Jahrzehnte wich das offene Ölfeuer Petroleum und Gas, bis 1936 der elektrische Strom einzog.
Die Elektrifizierung brachte allerdings eine ungeplante Tücke mit sich: In den 1930er-Jahren strahlte das Drehfeuer nachts zielsicher in die Schlafzimmer der Anwohner an der Uferpromenade und raubte ihnen den Schlaf. Die Behörden reagierten und schirmten den landseitigen Lichtbogen dauerhaft ab, sodass der Schein fortan nur noch aufs Wasser fiel. Mit der Automatisierung Anfang der 1990er-Jahre wurde der Leuchtturmwärter vor Ort schließlich überflüssig. Heute blitzt der automatisierte Parabolspiegel alle drei Sekunden auf, ergänzt durch eine Funksteuerung, mit der sich nähernde Schiffe die Befeuerung aus der Ferne selbst einschalten können.
Der Bayerische Löwe und Hafenanekdoten
Direkt gegenüber auf der anderen Seite der schmalen Hafeneinfahrt thront der Bayerische Löwe, das monumentale Pendant, das Bildhauer Johann von Halbig 1856 vollendete. Aus rund 50 Tonnen honigfarbenem Kelheimer Sandstein gemeißelt, ruht das sechs Meter hohe Raubtier auf einem gestuften Sockel mit den römischen Ziffern MDCCCLVI. Ein altbekannter Lindauer Spott besagt: Während der Löwe stolz nach Süden in Richtung Schweiz und Österreich blickt, streckt er sein Hinterteil ungerührt der bayerischen Landeshauptstadt München entgegen.
Die Hafendenkmäler wechselten in der Moderne mehrfach den Besitzer: von staatlicher Hand zur Deutschen Bahn und schließlich sogar zu den Stadtwerken Konstanz im benachbarten Baden-Württemberg. Erst 2010 einigten sich die Stadt Lindau und der Freistaat Bayern darauf, die Hafenanlagen samt Denkmälern wieder in heimatliche Obhut zu überführen.
Den Leuchtturm besichtigen
Betrieben von der Lindau Tourismus und Kongress GmbH, empfängt der Neue Leuchtturm seit dem Frühjahr 2024 nach umfangreichen Brandschutz- und Elektrik-Upgrades wieder Besucher. Er ist saisonal geöffnet, wobei der Einlass auf maximal 25 Personen gleichzeitig beschränkt ist.
Beim Aufstieg passierst du informative Ausstellungen auf den einzelnen Ebenen, die historische Schifffahrt beleuchten und an das seltene Phänomen der Seegfrörne erinnern, das vollständige Zufrieren des Bodensees. Schautafeln dokumentieren das letzte derartige Ereignis im Winter 1963, als Spaziergänger, Schlittschuhläufer und sogar Leichtflugzeuge die Eisdecke zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich überquerten. Den Abschluss bildet die Aussichtsgalerie unter freiem Himmel mit einem weiten Panoramablick über die Dächer der Lindauer Altstadt, einmanövrierende Fähren und die Silhouette der Alpen.
FAQ
Warum ist der Neue Leuchtturm in Deutschland einmalig?
Er ist der südlichste Leuchtturm Deutschlands und der einzige im gesamten Freistaat Bayern. Eine echte Rarität für nautische Bauwerke ist zudem die funktionierende mechanische Uhr, die direkt in seine Steinfassade eingelassen ist.
Welche Statue steht gegenüber dem Leuchtturm?
Gegenüber dem Leuchtturm auf der Ostmole thront der Bayerische Löwe, eine sechs Meter hohe Skulptur, die Bildhauer Johann von Halbig 1856 aus rund 50 Tonnen Kelheimer Sandstein schuf.
Warum wurde das Leuchtfeuer in den 1930er-Jahren abgeschirmt?
Als der Turm 1936 elektrifiziert wurde, strahlte das rotierende Leuchtfeuer wiederholt direkt in die Schlafzimmerfenster der Häuser an der Uferpromenade. Die Behörden ließen den landseitigen Lichtbogen daraufhin dauerhaft abschirmen.
Kann man den Neuen Leuchtturm in Lindau besichtigen?
Ja, der Leuchtturm ist saisonal zugänglich. Nach Modernisierungsarbeiten im Frühjahr 2024 kannst du die 139 Stufen hinaufsteigen, unterwegs Ausstellungen zur Schifffahrt erkunden und die Aussichtsgalerie unter freiem Himmel besuchen. Der Einlass ist jeweils auf 25 Personen begrenzt.



