Brömserhof: Rüdesheims Reich der mechanischen Musik - Rudesheim-am-rhein
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Brömserhof: Rüdesheims Reich der mechanischen Musik

Rudesheim-am-rhein, Germany

Architektur und mittelalterliche Ursprünge

In der Oberstraße 29, direkt über dem oberen Ausgang der Drosselgasse, liegt der Brömserhof, ein geschichtsträchtiger Adelssitz, der ursprünglich für die Familie Brömser von Rüdesheim erbaut wurde. Das Areal entwickelte sich auf Grundstücken, die zur mittelalterlichen Brömserburg gehörten. Den Anfang machte um 1310 ein Festes Haus aus Stein, das bis heute den Kern des Nordwestflügels bildet. Als Rüdesheim um 1500 eine neue Stadtbefestigung errichtete, wurde der wehrhafte Hof kurzerhand als innere Eckbastion direkt in die Ringmauer integriert.

Während der Renaissance wuchs das Anwesen beträchtlich. In den 1540er-Jahren ließen Heinrich I. Brömser und seine Frau Apollonia von Ingelheim einen Ostflügel samt Treppenturm anbauen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden die oberen Gemächer mit kunstvollen Renaissance-Wand- und Deckenmalereien verziert, teils finanziert aus dem Erbe von Walpurga von Greiffenclau. 1609 überwachten Johann Reichard Brömser und Margarete von Kronberg den Bau des Mang'schen Hauses an der Ostseite des Innenhofs.

Zeitenwende und die Geburt des Musikkabinetts

Mit dem Erlöschen der männlichen Linie der Brömser im Jahr 1668 ging der Besitz durch die Hände mehrerer Adelsgeschlechter, darunter die Familien von Bettendorf, von Erthal und von Frankenstein. In den 1830er-Jahren verkaufte Sophie von Coudenhoven das Gut in Privathand, und ab den 1850er-Jahren erwarb die Stadt Rüdesheim Teile des Komplexes für kommunale und wohltätige Zwecke.

Nach Kriegsschäden aus dem Zweiten Weltkrieg, Teilabbrüchen und jahrzehntelangem Leerstand bot die Stadt das Anwesen in den 1970er-Jahren dem Sammler Siegfried Wendel an. Zwischen 1974 und 1975 verlegte Wendel seine Privatsammlung hierher. Eigentlich hatte er historische Pendeluhren gesammelt, bis ihm in den 1960er-Jahren ein Ehepaar auf der Rückbank eines VW-Käfers einen antiken Polyphon-Musikautomaten aus Nussbaumholz präsentierte. Diese Begegnung brachte ihn dazu, kurzerhand seine Uhren zu verkaufen und sein Leben ganz der Bewahrung mechanischer Musik zu widmen.

Die Sammlung mechanischer Musikinstrumente

Heute beherbergt der Brömserhof Siegfrieds Mechanisches Musikkabinett, Deutschlands erstes öffentlich zugängliches Museum für selbstspielende Musikinstrumente. Die Sammlung umfasst etwa 350 bis 400 historische Instrumente aus der Zeit vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Zu den bemerkenswertesten Stücken zählt eine Genfer Schnupftabakdose von Charles Bruguier aus dem frühen 19. Jahrhundert. Darin verbirgt sich ein winziger mechanischer Singvogel, der durch eine ovale Klappe auftaucht, mit echten Federflügeln schlägt, mit beweglichem Schnabel trillert und wieder im Gehäuse verschwindet. Ebenfalls zu sehen ist die Hupfeld Phonoliszt-Violina aus dem frühen 20. Jahrhundert: ein Instrument, bei dem ein rotierender Rundbogen drei senkrecht montierte Geigen synchron zu einem automatischen Klavier streicht. Nicht minder kurios ist Bernhard Dufners Puppenorchester, das als größte gebaute Figurenkapelle gilt und 27 mechanische Musikanten vereint. Daneben stehen lieferwagengroße Orchestrien wie das Weber Maesto von 1905, die mit automatischen Violinen, Orgelpfeifen und Schlagwerk ein komplettes Orchester imitieren.

Handwerk und Klangerlebnis

Die Akustik im Brömserhof kommt völlig ohne digitale Verstärker oder Lautsprecher aus. Der Klang erfüllt die gotischen und Renaissance-Gemächer mit ihren dicken Steinmauern ganz unmittelbar, rein angetrieben vom Zusammenspiel mechanischer Zahnräder, zischender Bälge, auf Trommelfelle treffender Filzhämmer und echter Rosshaarbögen auf echten Geigensaiten.

Das Museum betreibt zudem eigene Werkstätten mit historischen Reparaturmaschinen, Werkzeugen, Notenrollen und Lochkarten, mit denen Uhrwerke, Pneumatik- und Lochplattenantriebe restauriert werden. Mitten im Zentrum von Rüdesheim setzt der Brömserhof so einen faszinierenden technisch-kulturellen Kontrast zur ringsum liegenden Kulisse aus Weinbergen, Burgen und Weinlokalen.

FAQ

Was ist der Brömserhof?

Der Brömserhof ist ein ehemaliger Adelssitz aus dem 14. Jahrhundert in Rüdesheim am Rhein, der einst als mittelalterliche Bastion diente und heute Siegfrieds Mechanisches Musikkabinett beherbergt.

Welche Exponate gibt es im Brömserhof zu sehen?

Das Museum zeigt rund 350 bis 400 selbstspielende Musikinstrumente aus dem 18. bis frühen 20. Jahrhundert, darunter Orchestrien, Schnupftabakdosen mit Singvögeln, automatische Geigen und eine 27-köpfige mechanische Puppenkapelle.

Wie kann man die Musiksammlung besichtigen?

Das Museum ist täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Der Einlass erfolgt ausschließlich im Rahmen 45-minütiger Live-Führungen, die in bis zu neun Sprachen angeboten werden und bei denen ausgewählte Instrumente vorgeführt werden.

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