Heidentürmchen: Speyers mittelalterlicher Wehrturm - Speyer
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Heidentürmchen: Speyers mittelalterlicher Wehrturm

Speyer, Germany

Als einsamer, zweigeschossiger Wächter ragt das Heidentürmchen empor, einer der letzten Zeugen eines einst 68 Türme zählenden Verteidigungsrings um Speyer. Du findest diesen mittelalterlichen Wehrturm im Domgarten, unmittelbar östlich des monumentalen Kaiserdoms. Um 1280 bis 1281 erbaut, ist das Bauwerk ein seltener Überlebender der ursprünglichen inneren Stadtbefestigung.

Wächter der Domterrasse

Errichtet zum Schutz der Ostflanke Speyers, sicherte das Heidentürmchen die erhöhte Domterrasse gegen Angriffe aus den Rheinauen ab. Der Turm lag innerhalb des Dom-Immunitätsbezirks. Im Lauf der Jahrhunderte wurden Speyers Wehrmauern weitgehend geschleift, allen voran im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 sowie durch systematische Abrisse im 19. Jahrhundert. Zählte der historische Festungsgürtel einst 21 innere und insgesamt bis zu 68 Wehrtürme, überstand das Heidentürmchen die Zeiten unversehrt, gemeinsam mit dem westlichen Stadttor, dem Altpörtel.

Architektur und Kulisse

Der zweistöckige Bau besteht aus regionalem Bruchsandstein und zeichnet sich durch ziegelgedeckte Kegeldächer, ein schmales mittleres Mauerstück und zwei flankierende runde Treppentürmchen aus. Heute setzt die warme, gelblich-braune Patina des verwitterten Sandsteins einen reizvollen Kontrast zum gepflegten Grün und dem alten Baumbestand des Domgartens. Die ruhige Parkidylle eröffnet dir freie Sichtachsen hinauf zur Ostapsis und den Türmen des romanischen Doms.

Lokale Mythen und der Name „Heidentürmchen“

Hartnäckig hielten sich Mutmaßungen, der Turm sei einst ein Kerker für Ketzer gewesen oder aus heidnischen Römersteinen gemauert worden. Historiker führen die Bezeichnung jedoch schlicht auf das mittelhochdeutsche Wort „Heide“ zurück, unberührtes Heideland oder Sumpfgebiet. Gemeint sind die wilden, morastigen Rheinauen, die sich vor der Flussbegradigung im 19. Jahrhundert direkt unterhalb des Turms erstreckten. Der Volksmund kennt natürlich eine weitaus buntere Version: Angeblich hausten hier einst riesenhafte Heiden, darunter ein Koloss namens Olps.

Ein zweites Leben im Park

Mit der Anlage des öffentlichen Domgartens begann für den Turm ein zweites Kapitel. Ab 1843 diente er vorübergehend als Lapidarium für archäologische Funde der Region, als der nahegelegenen Antikenhalle der Platz ausging. Heute steht das Heidentürmchen unter Denkmalschutz. Mitten im frei zugänglichen Park kannst du seine Fassade das ganze Jahr über umrunden, das Innere bleibt der Öffentlichkeit jedoch verschlossen.

FAQ

Warum heißt es Heidentürmchen?

Allen Legenden über Riesen und Heiden zum Trotz leitet sich der Name vom mittelhochdeutschen Wort „Heide“ für unbesiedeltes Land ab, ein Hinweis auf die sumpfigen Rheinauen, die sich vor der Flussbegradigung im 19. Jahrhundert unterhalb des Turms erstreckten.

Kann man das Heidentürmchen von innen besichtigen?

Von außen kannst du den Turm im frei zugänglichen Domgarten jederzeit bewundern, das Innere ist für die Öffentlichkeit allerdings nicht zugänglich.

Wie alt ist das Heidentürmchen?

Der Turm wurde im späten 13. Jahrhundert, etwa um 1280 bis 1281, als Teil der ursprünglichen mittelalterlichen Stadtbefestigung Speyers errichtet.

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