
Rathaus Speyer: Das historische spätbarocke Rathaus
Schau hinauf zur historischen Fassade des Speyerer Rathauses an der Maximilianstraße, dem bürgerlichen Herz der Stadt. Gelegen an der zentralen Fußgängerachse, die den Kaiserdom mit dem Altpörtel verbindet, bildet dieser weltliche Prachtbau den Mittelpunkt von Speyer.
Wiederaufbau einer Freien Reichsstadt
In seiner Blütezeit als einflussreiche Freie Reichsstadt regierten hier Bürger und Zünfte. Wo heute das Rathaus steht, befanden sich ursprünglich die städtische Kanzlei aus dem 15. Jahrhundert und das Alte Kaufhaus. Im Jahr 1689 legten französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg weite Teile Speyers in Schutt und Asche und zerstörten das mittelalterliche Verwaltungszentrum vollständig.
Beim Wiederaufbau der Stadt war das neue Rathaus eines der ersten großen repräsentativen Profangebäude, die neu entstanden. Die Grundsteinlegung erfolgte am 31. August 1712 mit einer feierlichen Zeremonie, bei der silberne Kellen und Hämmer zum Einsatz kamen. Am 6. Januar 1726 wurde das Gebäude schließlich mit der ersten offiziellen Ratssitzung eingeweiht.
Spätbarocke Architektur
Entworfen vom kurpfälzischen Hofbaumeister Johann Adam Breunig und dem Esslinger Baumeister Johann Jakob Böhrel, gilt der zweigeschossige Bau als Paradebeispiel des Spätbarock, gekrönt von einem hohen Mansardwalmdach.
Die Fassade besticht durch ihren Putz in warmen Rot- und Grautönen, gegliedert von vier Pilastern. Ein Mittelrisalit schließt nach oben mit einem Dreiecksgiebel ab. Darunter öffnet sich ein rundbogiges Portal mit zweiflügeligem Holztor, flankiert von Säulen. Diese tragen einen geschwungenen Balkon über einer muschelförmigen Konsole.
Historisches Archiv und Trausaal
Über Jahrhunderte beherbergte das Erdgeschoss das Stadtarchiv. Gegründet 1726, galt es als das älteste Kommunalarchiv der Pfalz. Bis 1995 war der Bestand auf rund 1.500 Regalmeter angewachsen und zog schließlich in das Gebäude der ehemaligen Pfälzischen Landesbibliothek um.
Nach dem Umzug wurden die frei gewordenen Räume 1998 zum Trausaal umgestaltet. Im Inneren blieb die originale barocke Holzvertäfelung erhalten, ergänzt durch umlaufende, säulengestützte Galerien. Die oberen Ebenen erreichst du über zwei Wendeltreppen mit kunstvoll geschnitzten Balustraden.
Bürgerstolz und Kultur im Hier und Jetzt
Bis heute dient das Gebäude dem Speyerer Stadtrat als Tagungsort. Im Historischen Ratssaal finden offizielle Empfänge für Gäste aus Politik und Kultur statt, aber auch Kammerkonzerte und Vorträge.
Das Portal im Erdgeschoss erfüllt zudem einen ganz praktischen Zweck: Es dient als öffentlicher Durchgang zum Historischen Stadtsaal und zum dahinter gelegenen Kulturhof Flachsgasse. Speyer leistet sich übrigens gleich zwei Rathäuser zur Verwaltung der Stadtgeschäfte. Während dieses historische Gebäude für Feierlichkeiten und Ratssitzungen reserviert ist, läuft die alltägliche Verwaltung im Stadthaus, einem neobarocken Komplex aus dem Jahr 1902 ein Stück weiter die Maximilianstraße hinunter.
FAQ
Wann wurde das Speyerer Rathaus erbaut?
Der Grundstein für das heutige spätbarocke Gebäude wurde am 31. August 1712 mit silbernen Kellen und Hämmern gelegt. Die offizielle Einweihung fand am 6. Januar 1726 statt.
Ist das Speyerer Rathaus ein Renaissancebau?
Nein, das heutige Speyerer Rathaus ist ein rein spätbarocker Bau. Es entstand als Ersatz für das mittelalterliche und von der Renaissance geprägte Verwaltungszentrum aus dem 15. Jahrhundert, das 1689 zerstört worden war.
Wie wird das Erdgeschoss des Speyerer Rathauses heute genutzt?
Das Erdgeschoss, in dem sich einst das älteste Stadtarchiv der Pfalz befand, wurde 1998 in einen Trausaal umgewandelt. Das zentrale Portal dient außerdem als öffentlicher Durchgang zum Kulturviertel Kulturhof Flachsgasse.



