Der Judenhof: Speyers mittelalterlicher jüdischer Hof - Speyer
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Der Judenhof: Speyers mittelalterlicher jüdischer Hof

Speyer, Germany

Als stille historische Stein-Enklave bewahrt der Judenhof die Spuren der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde von Speyer. In der Kleinen Pfaffengasse gelegen, bildet dieses archäologische Freilichtdenkmal ein wichtiges historisches Gegengewicht zu den kaiserlichen und bischöflichen Prachtbauten der Stadt. 2021 wurde die Stätte als Teil des transnationalen UNESCO-Welterbes „SchUM-Stätten von Speyer, Worms und Mainz“ gewürdigt, eine Anerkennung ihrer zentralen Rolle als Wiege der europäischen aschkenasischen Kultur.

Ein Zentrum aschkenasischer Gelehrsamkeit

Nach einem wegweisenden Privileg von Bischof Rüdiger Huzmann im Jahr 1084 ließen sich jüdische Familien in Speyer nieder. Der Bischof gewährte der Gemeinde Autonomie und Schutz, um den regionalen Handel anzukurbeln, ein Status, den der römisch-deutsche Kaiser Heinrich IV. 1090 bekräftigte. Im 12. und 13. Jahrhundert bildete Speyer den einflussreichen SchUM-Verbund, ein mittelalterliches hebräisches Akronym für Schpira (Speyer), Warmaisa (Worms) und Magenza (Mainz). Auf dem Hof wirkten bedeutende rabbinische Gelehrte, bekannt als die „Weisen von Speyer“, deren Rechtsgutachten und Traditionen das aschkenasische Judentum in ganz Europa nachhaltig prägten.

Meisterwerke der Baukunst

Der Judenhof umfasst die Mauerreste einer 1104 geweihten romanischen Synagoge, einen angrenzenden Frauenschulbau aus dem 13. Jahrhundert und die archäologischen Fundamente einer Jeschiwa aus dem 14. Jahrhundert. Die Steinelemente und das romanische Mauerwerk des Judenhofs spiegeln die Bauweise des nahen Kaiserdoms verblüffend wider, was stark darauf hinweist, dass Steinmetze der Dombauhütte am Bau beteiligt waren. In den Ruinen durchbrechen schmale, trichterförmige Schallschlitze die steinerne Trennwand, eine geniale Konstruktion, die dafür sorgte, dass der Gesang des Kantors aus dem Hauptbetraum bis in den Frauenanbau getragen wurde.

Die unterirdische Mikwe

Das wohl bedeutendste erhaltene Bauwerk ist das intakte unterirdische Ritualbad, die Mikwe. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts erbaut, ist sie das älteste erhaltene monumentale Ritualbad dieser Art nördlich der Alpen. Eine steile, tonnengewölbte Steintreppe führt rund zehn Meter tief unter das Straßenniveau hinab in einen kühlen, stillen, kreuzgratgewölbten romanischen Badekeller, dessen Becken bis heute mit natürlichem Grundwasser gefüllt ist.

Turbulente Jahrhunderte

Obwohl das direkte Eingreifen des Bischofs die Gemeinde während des Ersten Kreuzzugs 1096 rettete, erlitt die jüdische Bevölkerung Speyers 1196 und während der Pestepidemie 1349 verheerende Pogrome. Nach Vertreibungen Anfang des 16. Jahrhunderts verlor die Synagoge ihre religiöse Funktion und wurde 1529 von der Stadt als Zeughaus zweckentfremdet. Grabsteine des jüdischen Friedhofs wurden geplündert und für städtische Bauten wie Treppenstufen und Brückenpfeiler zweckentfremdet. Das umliegende Wohnviertel brannte schließlich 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg vollständig nieder.

Museum SchPIRA

Heute steht das Areal unter Denkmalschutz und wird in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Verkehrsverein betreut. Der Eingang zum Judenhof führt durch das 2010 eröffnete Museum SchPIRA. Die Ausstellung zeigt ausgegrabene Architekturfragmente, geborgene Grabsteine des mittelalterlichen Friedhofs und einen faszinierenden Münzschatz aus dem 14. Jahrhundert, den sogenannten Schatz von Lingenfeld.

FAQ

Wofür steht das Akronym SchUM?

SchUM ist ein mittelalterliches hebräisches Akronym, das sich aus den Anfangsbuchstaben der drei bedeutenden Rheinstädte zusammensetzt: Schpira (Speyer), Warmaisa (Worms) und Magenza (Mainz).

Wie alt ist die Mikwe im Speyerer Judenhof?

Die monumentale Mikwe wurde Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut und gilt als das älteste erhaltene Ritualbad dieser Art nördlich der Alpen.

Warum erinnert die Architektur des Judenhofs an den Speyerer Dom?

Steinerne Bauelemente und das romanische Mauerwerk im Judenhof weisen verblüffende Parallelen zum Kaiserdom auf. Das deutet stark darauf hin, dass Steinmetze der Dombauhütte sowohl an der Synagoge als auch an der Mikwe mitgebaut haben.

Was gibt es im Museum SchPIRA zu sehen?

Das Museum SchPIRA zeigt ausgegrabene Architekturfragmente, Grabsteine des mittelalterlichen Friedhofs, die einst als städtisches Baumaterial zweckentfremdet wurden, und einen Münzschatz aus dem 14. Jahrhundert, der als Schatz von Lingenfeld bekannt ist.

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