St.-Sylvestri-Kirche Wernigerode: Geschichte und Sehenswertes - Wernigerode
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St.-Sylvestri-Kirche Wernigerode: Geschichte und Sehenswertes

Wernigerode, Germany

Die St.-Sylvestri-Kirche thront auf dem gepflasterten Oberpfarrkirchhof auf dem Klint, direkt hinter dem historischen Rathaus von Wernigerode. Die dreischiffige Basilika bildet das Herzstück des ältesten Stadtviertels und markiert jene felsige Anhöhe, auf der die Stadt einst entstand, bevor sie sich rund um den Marktplatz ausbreitete.

Die Keimzelle von Wernigerode

Der Überlieferung nach geht die früheste christliche Stätte auf dem Klint auf eine Missionskapelle aus dem 9. Jahrhundert zurück, errichtet von Benediktinermönchen des Klosters Corvey unter Abt Warin I. Um 1100 entstand hier eine kreuzförmige, romanische Steinbasilika. Wichtige Elemente dieser frühmittelalterlichen Kirche haben bis heute überdauert, darunter die wuchtigen Steinpfeiler, die das Mittelschiff tragen.

Im Jahr 1265 erhoben die regierenden Grafen die Pfarrei zu einem Kollegiatstift. In dieser Zeit wurde der Chor verlängert, um Platz für das Chorgestühl der Kanoniker zu schaffen, gotische Obergadenfenster wurden eingesetzt und das Patrozinium wechselte vom heiligen Georg zu Papst Silvester I.

Architekturwandel und der Westturm

Die St.-Sylvestri-Kirche vereint romanische, gotische und historistische Elemente des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich besaß der mittelalterliche Bau zwei achteckige Türme. 1727 mussten sie einem barocken Laternenturm weichen. Doch auch der war nicht für die Ewigkeit gebaut: 1869 wurde er abgerissen, um einem umfassenden Umbau zwischen 1880 und 1886 Platz zu machen, dem die Kirche ihren heutigen neugotischen Westturm verdankt.

Bei diesen Arbeiten im späten 19. Jahrhundert zog man erneut eine flache Holzdecke ein, die dem mittelalterlichen Innenraum nachempfunden ist. Diese Deckenkonstruktion verleiht dem Kirchenschiff eine klare, tragende Akustik, die den Raum wie geschaffen für Orgel- und Chorkonzerte macht.

Kunstschätze im Inneren und die versiegelte Gruft

Im Kircheninneren hat sich eine Reihe bedeutender sakraler Kunstwerke erhalten. Blickfang ist ein spätgotischer Schnitzflügelaltar, der um 1480 in Brüssel entstand, begleitet von einem Holzkruzifix aus der Zeit um 1300. Im Glockenstuhl hängen historische, voll funktionsfähige Glocken aus den Jahren 1297 und 1500, die sowohl die Reformation als auch spätere Umbauten überstanden haben.

Unter dem verlängerten Chor liegt die historische Gruft der Grafen von Wernigerode. Während der großen Umbauphase von 1880 bis 1886 wurde der Zugang zur Krypta allerdings komplett zugemauert und ist bis heute versiegelt.

Der Oberpfarrkirchhof und das heutige Gemeindeleben

Der Oberpfarrkirchhof bildet einen lauschigen, fast weltentrückten Platz, eingerahmt von denkmalgeschützten Bauten. Direkt gegenüber den Kirchenportalen steht das Haus Gadenstedt, 1582 über mittelalterlichen Gewölbekellern errichtet. Der Fachwerkbau besitzt historische hölzerne Außenschiebeläden, die einst die wertvollen Butzenscheiben aus Bleiglas schützen sollten.

Heute ist die St.-Sylvestri-Kirche ein lebendiger Ort des Glaubens in der Neuen Evangelischen Kirchengemeinde Wernigerode. Hier finden regelmäßige Sonntagsgottesdienste, Hochzeiten und Konzerte statt. Von Ostern bis in den Herbst steht sie an Wochentagnachmittagen für Besucher offen, betreut von ehrenamtlichen Kirchenführern. Zur Weihnachtszeit verwandelt sie sich in eine stimmungsvoll erleuchtete „Lichterkirche“.

FAQ

Wann ist die St.-Sylvestri-Kirche für Besucher geöffnet?

Die Kirche ist saisonal von Ostern bis in den Herbst an Wochentagnachmittagen geöffnet und wird von ehrenamtlichen Helfern betreut. Zur Weihnachtsmarktzeit im Winter öffnet sie als stimmungsvoll erleuchtete „Lichterkirche“.

Was geschah mit der Gruft der Grafen von Wernigerode?

Die Krypta unter dem Chor, in der sich die historische Grablege der Grafen von Wernigerode befindet, wurde beim Umbau von 1880 bis 1886 komplett zugemauert und ist bis heute versiegelt.

Was sind die ältesten erhaltenen Kunstschätze in der St.-Sylvestri-Kirche?

Im Kircheninneren befinden sich ein Holzkruzifix aus der Zeit um 1300 und ein Brüsseler Schnitzflügelaltar von etwa 1480. Im Glockenstuhl verrichten Originalglocken aus den Jahren 1297 und 1500 bis heute ihren Dienst.

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