Grafeneckart: Würzburgs historisches Rathaus - Wurzburg
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Grafeneckart: Würzburgs historisches Rathaus

Wurzburg, Germany

Dieser auf den ersten Blick unscheinbare romanische Turm, der Grafeneckart, ist kein Denkmal für die prunkvollen Würzburger Fürstbischöfe, sondern ein stures Symbol für den langen Kampf der Bürger um Unabhängigkeit. Während die Fürstbischöfe die Stadt zu einem theokratischen Staat formten, verkörpert der Grafeneckart das dauerhafte bürgerliche Gegengewicht zu ihrer geistlichen und weltlichen Macht.

Ein Symbol bürgerlicher Unabhängigkeit

Der Grafeneckart ist der älteste Teil des Würzburger Rathauskomplexes. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er 1180 als Wohngebäude unter dem Namen curia Billungi. Ursprünglich diente das Bauwerk als Sitz eines bischöflichen Beamten, des Grafen Eckhart de Foro, der um 1200 ermordet wurde und bis heute der Namensgeber des Gebäudes ist.

In einem bemerkenswerten Akt der Auflehnung gegen die mächtigen Fürstbischöfe kaufte das Würzburger Bürgertum den Grafeneckart im Jahr 1316. Die Bürgermeister Arnold vom Sandhof und Ecko von Steren sicherten sich das Gebäude, um darin ein Rathaus einzurichten und die Autonomie der Stadt zu untermauern. Von 1453 bis 1456 erweiterte der Stadtrat den Bau und stockte einen 55 Meter hohen romanischen Turm auf. Dieser Turm wurde mit Feuer- und Sturmglocken sowie der ersten öffentlichen Uhr der Stadt ausgestattet. Bis heute läuten die Glocken von 7 bis 22 Uhr im Viertelstundentakt. Eine kleinere Glocke schlägt die Viertelstunden, während eine wuchtige, 1.300 Kilogramm (26 Zentner) schwere Glocke die vollen Stunden verkündet.

Baugeschichte und Kuriositäten

Über die Jahrhunderte wuchs das Ensemble zu einer markanten Mischung verschiedener Baustile heran. Der ursprüngliche Grafeneckart hat seine mittelalterlichen und romanischen Elemente bewahrt. Vor allem der Wenzelsaal ist bemerkenswert, denn er zählt zu den wenigen erhaltenen rein romanischen Profansälen in Deutschland.

Nach Westen hin wurde 1659/60 der „Rote Bau“ im Stil der Spätrenaissance ergänzt, geschmückt mit einem Renaissance-Volutengiebel, den Baumeister Wolf Behringer bereits 1593–94 entworfen hatte. Im 19. Jahrhundert wurde zudem ein ehemaliges barockes Karmelitenkloster in den Komplex eingegliedert. Der Seitenflügel namens „Grünbaum“ verdankt seinen Namen einer Linde, die einst auf dem angrenzenden Platz stand. Unter dieser Linde hielt man im Mittelalter Gericht ab, bevor die Verurteilten direkt in das Verlies des Grafeneckart wanderten.

Vor dem Gebäudekomplex steht der Vierröhrenbrunnen, den die Bildhauer Lukas van der Auwera und Peter Wagner um 1765 schufen.

Standhaft durch den Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs erlebte der Komplex einen der dunkelsten Tage der Stadtgeschichte. Am 16. März 1945 legte ein alliierter Bombenangriff rund 90 Prozent von Würzburg in Schutt und Asche. Wie durch ein Wunder überstanden der Grafeneckart und die Giebelfront des Roten Baus die Zerstörung.

Dass das Rathaus erhalten blieb, ermöglichte es dem Stadtrat, bereits 1949 in den Roten Bau zurückzukehren, ein entschlossener Schritt zum Wiederaufbau des städtischen Lebens. Heute ist im Erdgeschoss des Grafeneckart ein Gedenkraum an die Bombardierung von 1945 eingerichtet, der ein detailgetreues Modell der zerstörten Stadt zeigt. Am Eingang des Roten Baus zeugen historische Hochwassermarken von vergangenen Fluten und erinnern an die Naturgewalten, denen das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte trotzen musste.

Der Grafeneckart heute

Heute dient der Grafeneckart als zentrales Verwaltungsgebäude und beherbergt verschiedene Ämter und Ratssäle. Der historische Wenzelsaal ist nach wie vor eine beliebte Kulisse für standesamtliche Hochzeiten.

Im Inneren finden sich bedeutende Kunstwerke, darunter monumentale Fresken von Wolfgang Lenz im neuen Ratssaal. Historische Fresken, die zeigen, wie Karl IV. Würzburg die Stadtrechte verleiht, sowie Szenen aus dem Bauernkrieg zieren den Rathauskomplex. Einige dieser Werke werden Giovanni Battista Tiepolo und seinem Sohn Domenico zugeschrieben, die zwischen 1750 und 1753 in der Stadt arbeiteten.

Im Grünbaum-Flügel des Hauptgebäudes befindet sich das Restaurant Ratskeller, das traditionelle fränkische Küche serviert. Von Mai bis Oktober finden jeden Samstag um 11 Uhr kostenlose öffentliche Rathausführungen statt, die etwa anderthalb Stunden dauern. Wer auf die Spitze des Turms steigt, wird zudem gegen eine kleine Gebühr mit einem Panoramablick über ganz Würzburg belohnt.

FAQ

Wofür wird der Grafeneckart heute genutzt?

Der Grafeneckart dient als zentrales Verwaltungsgebäude der Stadt Würzburg. Er beherbergt städtische Ämter, einen Gedenkraum zur Bombardierung von 1945, den historischen Wenzelsaal für standesamtliche Trauungen und das Restaurant Ratskeller.

Warum heißt das Gebäude Grafeneckart?

Das Gebäude ist nach Graf Eckhart de Foro benannt, einem bischöflichen Beamten, der ursprünglich in dem Haus lebte, bevor er um das Jahr 1200 ermordet wurde.

Hat der Grafeneckart die Bombardierung von Würzburg überstanden?

Ja. Während der alliierte Bombenangriff am 16. März 1945 etwa 90 Prozent von Würzburg zerstörte, überstanden der Grafeneckart und die Giebelfront des angrenzenden Roten Baus die Zerstörung wie durch ein Wunder.

Welche Baustile finden sich im Rathauskomplex?

Der Komplex vereint mehrere Baustile: Der Grafeneckart weist mittelalterliche und rein romanische Elemente auf, der angrenzende Rote Bau ist im Stil der Spätrenaissance gehalten und ein integriertes ehemaliges Karmelitenkloster steuert barocke Züge bei.

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