
Würzburgs Alte Mainbrücke: Geschichte und Architektur
Eine Brücke zwischen Epochen und Mächten
Gesäumt von Heiligen und Herrschern gleicht die Alte Mainbrücke einer steinernen Prozession, die den alten Bischofssitz mit der neuen Stadt verbindet. Bis 1886 diente das Bauwerk als Würzburgs einziger Flussübergang und prägt bis heute als unverzichtbares Bindeglied zwischen dem historischen Stadtkern und der Festung Marienberg das Stadtbild.
Mittelalterliche Fundamente und architektonischer Wandel
Das heutige, wehrhafte gotische Bauwerk entstand zwischen 1473 und 1543, begonnen unter Bischof Johann II. von Brunn und weitergeführt unter Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg. Doch es war nicht die erste Brücke, die an dieser Stelle den Main überspannte. Um 1120 n. Chr. errichtete der Dom- und Stadtbaumeister Enzelin eine romanische Steinbrücke, um die frühere Fähre abzulösen. Der Legende nach stieß man beim Ausheben der frühen Fundamente auf Statuen aus einem heidnischen Freya-Heiligtum, die einst von frühen christlichen Missionaren gestürzt worden waren.
Die ursprüngliche romanische Brücke hatte mit etlichen Widrigkeiten zu kämpfen: Hochwasser in den Jahren 1342 und 1442 zerstörten Teile des Bauwerks, und auch flussabwärts treibende „Holländerstämme“ fügten ihr immer wieder Schäden zu. Der Wunsch nach einer stabileren Verbindung zur Festung Marienberg gab schließlich den Ausschlag für den Bau der heutigen Steinbrücke, deren Entwurf als Vorbild für die berühmte Karlsbrücke in Prag galt.
Die barocken Statuen der Fürstbischöfe
Zwischen 1720 und 1730 erhielt die Brücke zwölf viereinhalb Meter hohe Barockstatuen. Fürstbischof Christoph Franz von Hutten und Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn gaben die Figuren in Auftrag, die Hofmaler Clemens Lünenschloß 1725 entwarf. Für die Ausführung in Stein zeichneten die Bildhauer Johann Sebastian Becker, Volkmar Becker und Claude Curé verantwortlich.
Die Statuen zeigen bedeutende Heilige und imperiale Herrscher, darunter Würzburgs Schutzpatron Sankt Kilian sowie Karl den Großen und König Pippin den Jüngeren. Dieses Bildprogramm war strategisch klug gewählt, um den doppelten Machtanspruch der Fürstbischöfe über Kirche und Staat unübersehbar vor Augen zu führen.
Kriegswirren und moderne Verwandlung
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Alte Mainbrücke mit nur leichten Schäden, weil die Sprengsätze der abziehenden deutschen Wehrmacht 1945 glücklicherweise nicht wie geplant zündeten. Eine kuriose Episode erlebte das Bauwerk dennoch: US-Soldaten warfen die Originalstatue von König Pippin dem Jüngeren in den Main, um Platz für ein Flugabwehrgeschütz zu schaffen. Zwischen April und Juli 1950 wurde die Brücke wiederhergestellt und erhielt ihr vertrautes Erscheinungsbild zurück.
Im Juni 1990 wurde der Übergang für den Autoverkehr gesperrt und entwickelte sich seither zu einem lebendigen Treffpunkt. Heute versammeln sich Einheimische und Reisende auf der Fußgängerbrücke, um bei einem Glas Frankenwein das Panorama der Würzburger Altstadt zu genießen. Regelmäßig dient die Brücke zudem als Bühne für Open-Air-Konzerte, Stadtfeste und die traditionelle Kiliani-Prozession am 8. Juli.
FAQ
Wann wurde die Alte Mainbrücke in Würzburg erbaut?
Die heutige gotische Steinbrücke wurde zwischen 1473 und 1543 erbaut. Sie ersetzte eine ältere romanische Brücke, die Baumeister Enzelin um 1120 n. Chr. errichtet hatte.
Wen zeigen die Statuen auf der Alten Mainbrücke?
Die zwölf barocken Statuen, die zwischen 1720 und 1730 hinzukamen, stellen bedeutende Heilige und historische Herrscher dar. Zu den bekanntesten Figuren gehören der Würzburger Schutzpatron Sankt Kilian sowie Karl der Große und König Pippin der Jüngere.
Dürfen Autos auf der Alten Mainbrücke fahren?
Nein, die Alte Mainbrücke ist seit Juni 1990 für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. Heute wird sie ausschließlich von Fußgängern und Radfahrern genutzt.



