
Würzburger Dom: Geschichte und Guide zum Dom St. Kilian
Hier stand der geistliche Thron der Fürstbischöfe, die uralte Kathedrale, aus der ihr göttliches Recht zur Herrschaft über Stadt und Umland erwuchs. Offiziell als Dom St. Kilian geweiht, ist der Würzburger Dom dem Frankenapostel und Schutzpatron der Region gewidmet. Mit einer Länge von 103 Metern ist das Gotteshaus die viertgrößte romanische Kirche Deutschlands und ein monumentales Meisterwerk der salischen Baukunst.
Ein Erbe aus Fürstbischöfen und Märtyrern
Die Geschichte des Doms ist eng mit dem heiligen Kilian verknüpft, einem irischen Wandermönch, der um 686 bis 689 von Geilana, der Gemahlin des Herzogs Gozbert, ermordet wurde, nachdem Kilian deren Ehe für ungültig erklärt hatte. Der Bau des heutigen Doms begann 1040 unter Bischof Bruno und wurde 1075 von seinem Nachfolger Bischof Adalbero vollendet. Nach der Entstehung des Hochstifts im Jahr 1168 diente die Kathedrale über Jahrhunderte hinweg als geistlicher Herrschaftssitz und Grablege der mächtigen Würzburger Kirchenfürsten.
Der berühmte Bildhauer Tilman Riemenschneider schuf für zwei dieser Herrscher monumentale Grabmäler. Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg, der seine politischen Widersacher ausmanövrierte und stolze 95 Jahre alt wurde, ist hier samt Scheren im Wappen verewigt, ein sprechender Verweis auf seinen Namen. Fürstbischof Lorenz von Bibra wiederum ist mit einem Biberwappen dargestellt, angelehnt an seinen ursprünglichen Familiennamen »von Bieber«. Ein weiteres Glanzstück ist die von Starbaumeister Balthasar Neumann zwischen 1721 und 1734 entworfene Schönbornkapelle, die als Grablege der einflussreichen Fürstbischöfe aus dem Hause Schönborn dient.
Zerstörung und streitbarer Wiederaufbau
Beim verheerenden Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 wurde der Dom schwer beschädigt, im Winter 1946 stürzte schließlich das Mittelschiff ein. Der 1967 vollendete Wiederaufbau war von radikalen Gestaltungsentscheidungen geprägt. Vor allem die neoromanische Westfassade samt Fensterrose und dreiteiliger Zwerggalerie wurde kurzerhand hinter einer schlichten Bimssteinwand verbunkert. Die Architekten wollten dem Bauwerk mit aller Macht eine Re-Romanisierung aufzwingen, eine fragwürdige historische Bereinigung, die erst bei der Renovierung 2006 wieder rückgängig gemacht wurde.
Schätze, Krypten und Traditionen
Unter dem Hauptaltar birgt eine Doppel-Krypta die Schädelreliquien des heiligen Kilian und seiner Gefährten Kolonat und Totnan. Jedes Jahr am Kiliansfest, dem 9. Juli, werden diese Reliquien in einer feierlichen Prozession durch die Straßen getragen. Im westlichen Teil der Krypta befinden sich ein uralter Brunnen sowie das Relief eines bärtigen Gesichts, das gemeinhin als ältestes Kunstwerk des Doms gilt und womöglich auf karolingische oder merowingische Ursprünge zurückgeht.
Oberirdisch entfaltet sich ein lebendiges kulturelles und geistliches Leben. Der Eintritt ist frei, sonntags findet um 10:30 Uhr die Messe statt, und die Chöre der Dommusik zählen über 500 Mitwirkende. Jeden Freitag um 15:00 Uhr erklingt zudem eine andächtige Tradition: Dann läutet die 1257 gegossene Lobdeburg-Glocke, eine der ältesten Glocken Deutschlands, zur Erinnerung an die Todesstunde Jesu. Wer noch tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, findet im Domschatz und im angrenzenden Museum am Dom fast tausend Exponate aus einem ganzen Jahrtausend.
FAQ
Wann wurde der Würzburger Dom erbaut?
Der Bau des heutigen Doms begann 1040 unter Bischof Bruno und wurde 1075 von Bischof Adalbero vollendet, nachdem ein Vorgängerbau aus dem 8. Jahrhundert gewichen war.
Was ist die Lobdeburg-Glocke?
Die 1257 gegossene Lobdeburg-Glocke ist eine der ältesten Glocken Deutschlands. Sie läutet jeden Freitag um 15:00 Uhr im Würzburger Dom in Erinnerung an das Opfer Jesu Christi.
Kann man die Reliquien des heiligen Kilian sehen?
Ja, die Schädel des heiligen Kilian und seiner Gefährten werden in einer Krypta unter dem Hauptaltar aufbewahrt. Jedes Jahr am 9. Juli werden sie zudem in einer Prozession durch die Straßen getragen.
Was ist das älteste Kunstwerk im Dom?
Das älteste Kunstwerk ist die Skulptur eines bärtigen Gesichts im westlichen Teil der Doppel-Krypta, die vermutlich karolingischen oder gar merowingischen Ursprungs ist.



