
Die Maitland-Rotunde: Korfus britisches Denkmal
Am südlichen Rand der Spianada von Korfu steht ein Denkmal der britischen Herrschaft, das gleichzeitig als Deckel für ein gewaltiges venezianisches Wasserreservoir dient. Ob als Maitland-Denkmal, Maitland-Rotunde oder Peristyl von Maitland bekannt, dieses architektonische Wahrzeichen markiert das südliche Ende eines der größten öffentlichen Plätze Europas. Der markante, kreisrunde klassizistische Säulenbau aus Stein ist Sir Thomas Maitland gewidmet.
Ein Denkmal für „King Tom“
Nach den Napoleonischen Kriegen und dem Pariser Frieden von 1815 wurden die Ionischen Inseln britisches Protektorat. Im Februar 1816 traf Sir Thomas Maitland als erster britischer Lord-Oberkommissar der Ionischen Inseln ein. Sein strenger, zentralistischer und autokratischer Führungsstil brachte ihm schnell den Spitznamen „King Tom“ ein.
Im Oktober 1816 stimmten 46 korfiotische Adlige dafür, Maitland zu Ehren ein Denkmal zu errichten. Ursprünglich war ein Triumphbogen im Gespräch, doch letztlich entschied man sich für eine elegante ionische Rotunde. Das Bauwerk wurde 1821 offiziell eingeweiht, um Maitlands Rückkehr aus Großbritannien nach Korfu zu feiern.
Klassizistisches Design und maltesischer Kalkstein
Das Maitland-Denkmal ist ein kreisrunder Monopteros mit 20 ionischen Säulen, die auf einem kreisförmigen Stylobat ruhen. Der britische Militäringenieur Oberst Sir George Whitmore entwarf den Bau, während der korfiotische Bildhauer Pavlos Prosalentis die dekorativen Reliefs gestaltete. Auf dem oberen Rundfries erinnert eine Inschrift in altgriechischem Stil an Maitlands Rolle als Oberhaupt des Ionischen Staates.
Da Maitland gleichzeitig Gouverneur von Malta war, ließ Whitmore die Rotunde aus importiertem maltesischem Kalkstein errichten, bekannt als tufo. Der verwitterte Stein schimmert in warmen, blassen Honigtönen und hebt sich markant vom satten Grün der Spianada ab, während die kannelierten Säulen an strahlenden Mittelmeertagen lange Schatten über den Steinboden werfen.
Die verborgene venezianische Zisterne
Unter der eleganten britischen Architektur verbirgt sich ein Stück venezianische Infrastruktur. Das Denkmal wurde direkt über einem riesigen unterirdischen Wasserreservoir errichtet, einer sogenannten „Sterna“, die 1781 vom venezianischen Ingenieur Giuseppe Ferro erbaut worden war.
Diese Zisterne fasst rund 2.000 Kubikmeter Wasser. Damit die Stadtbevölkerung diesen lebenswichtigen Wasservorrat weiterhin nutzen konnte, erhielt der Sockel der Rotunde zwei niedrige Zugänge, über die man Wasser aus dem darunter liegenden Reservoir schöpfen konnte.
Ein Wahrzeichen der Spianada
Heute ist die Maitland-Rotunde ein historischer Treffpunkt am südlichen Rand der Spianada. Nach Jahrzehnten der Verwitterung und Kalksteinerosion ließ die Stadt das Bauwerk 2004 umfassend konservieren und restaurieren.
Das Denkmal fügt sich perfekt in die vielschichtige Architektur der Stadt Korfu ein. Es bildet einen reizvollen Kontrast zu den französischen Liston-Arkaden im Westen, der venezianischen Alten Festung im Osten und dem britischen Palast von St. Michael und St. George im Norden, einem prachtvollen Palast, den Whitmore ebenfalls entworfen hat. Auch in der Popkultur hat die Rotunde ihren Platz gefunden: Sie ist in Szenen zu sehen, die für den James-Bond-Film In tödlicher Mission (1981) rund um den Platz gedreht wurden.
FAQ
Wem ist das Maitland-Denkmal gewidmet?
Es ist Sir Thomas Maitland gewidmet, dem ersten britischen Lord-Oberkommissar der Ionischen Inseln.
Was verbirgt sich unter der Maitland-Rotunde?
Das Denkmal wurde direkt über einem großen unterirdischen venezianischen Wasserreservoir aus dem Jahr 1781 errichtet. Der Sockel besitzt zwei niedrige Zugänge, die weiterhin den Zugriff auf die 2.000 Kubikmeter Wasser ermöglichten.
Wann wurde das Maitland-Denkmal erbaut?
Das Denkmal wurde 1816 vom korfiotischen Adel vorgeschlagen und 1821 offiziell errichtet.
Aus welcher Steinart besteht die Rotunde?
Das Bauwerk besteht aus blass honigfarbenem maltesischem Kalkstein. Das Material wurde über das Mittelmeer importiert, da Sir Thomas Maitland zu dieser Zeit auch als Gouverneur von Malta diente.



