Treppe zur Festung Palamidi: Der Aufstieg über 857 Stufen
Der Legende nach soll das Pferd eines Generals die tausendste Stufe dieser Treppe zertrümmert haben. Die wahre Entstehungsgeschichte ist jedoch düsterer und führt zu Zwangsarbeitern des 19. Jahrhunderts. Die monumentale Treppe zur Festung Palamidi schlägt eine steinerne Brücke zwischen den historischen Gassen Nafplios, der ersten Hauptstadt des modernen Griechenlands, und seiner thronenden venezianischen Militärakropolis. Wer die Stadt besucht, für den gehört der Aufstieg über diese Steinstufen fast schon zur obligatorischen Mutprobe.
Ein Aufstieg durch die Geschichte
Die erste Verbindung zwischen Nafplio und der Hügelkuppe schufen die Venezianer zwischen 1690 und 1714. Unter der Aufsicht von Provveditore Agostino Sagredo und den Ingenieuren Giaxich und LaSalle entstand damals eine Route, die zunächst durch gewölbte, überdachte Tunnel führte.
Die heutige offene Steintreppe entstand erst später, während der Regentschaft des bayerischstämmigen Königs Otto von Griechenland in den 1840er-Jahren. Die schweißtreibende Knochenarbeit leisteten Sträflinge der Festung Palamidi, beaufsichtigt von bayerischen Offizieren. Über Jahrzehnte hinweg, von 1840 bis 1926, wurden Verurteilte genau diese Stufen hinaufgetrieben, um in ihre Zellen im Hochsicherheitsgefängnis zu gelangen, zu dem auch die berüchtigte Miltiades-Bastion gehörte.
Architektur und die Legende der 999 Stufen
Die Treppe verbindet den östlichen Rand der Altstadt von Nafplio nahe dem Staikopoulos-Park direkt mit der Bastion Agios Andreas und überwindet dabei rund 216 Höhenmeter. Der Weg windet sich an steilen Kalksteinfelsen empor, gesichert durch Steinbrüstungen, niedrige Zinnen und kleine Absätze zum Verschnaufen.
Der Volksmund preist den Aufstieg gerne mit 999 oder exakt 1000 Stufen an. Einer Legende nach soll der Huf des Pferdes von General Theodoros Kolokotronis die tausendste Stufe zerschmettert haben, als er zur Festung hinaufsprengte. In Wahrheit zählt man von unten bis zum Festungstor allerdings exakt 857 in den Stein gehauene Stufen.
Das Erlebnis des Aufstiegs
Für alle, die zu Fuß aus der Altstadt kommen, ist die Treppe der direkte Weg nach oben. Der stetige, etwa 30 bis 45 Minuten dauernde Aufstieg beginnt im Schatten schroffer Felswände und Feigenkakteen, bevor er auf sonnendurchflutete Steinplateaus führt, über die der Wind des Argolischen Golfs weht. Unterwegs eröffnen sich immer wieder weite Panoramablicke über die Terrakottadächer von Nafplio, die Inselfestung Bourtzi und die Halbinsel Akronafplia.
Der Aufstieg über die Treppe ist kostenlos zugänglich, für die Festungsanlage oben ist allerdings eine Eintrittskarte fällig. Wer sich die 857 Stufen sparen möchte, kann die Festung auch über eine asphaltierte Straße erreichen, die sich um den östlichen Hang schlängelt und direkt zum hinteren Eingang führt.
FAQ
Wie viele Stufen führen zur Festung Palamidi?
Auch wenn die Legende hartnäckig von 999 oder 1000 Stufen spricht: In Wirklichkeit führen genau 857 in Stein gehauene Stufen vom Fuß des Hügels zum Festungstor.
Wer hat die Treppe zur Festung Palamidi erbaut?
Die heutige offene Steintreppe wurde in den 1840er-Jahren von Gefängnisinsassen der Festung erbaut, die während der Regentschaft von König Otto von Griechenland unter der Aufsicht bayerischer Armeeoffiziere schuften mussten.
Kostet der Aufstieg über die Treppe zur Festung Palamidi Eintritt?
Ja, der Aufstieg über die Treppe von der Altstadt von Nafplio aus ist kostenlos. Für die Festungsanlage oben wird jedoch ein Ticket benötigt.
