
Römisches Forum von Thessaloniki: Antike Geschichte und Ruinen
Blicke von der Straße hinab in die versunkenen Ruinen des Römischen Forums von Thessaloniki und bewundere die verwitterten Steine des Amphitheaters aus dem 2. Jahrhundert sowie die freigelegten Bögen. Die zwei Hektar große Ausgrabungsstätte liegt an der zentralen Fußgängerachse zwischen dem Aristoteles-Platz und der Agiou-Dimitriou-Straße und veranschaulicht eindrucksvoll die kontinuierliche, 2.300-jährige Stadtgeschichte.
Das Herz des antiken Thessaloniki
Der Komplex wurde zwischen dem späten 2. und frühen 3. Jahrhundert n. Chr. in mehreren Phasen über einem älteren Forum errichtet. Über drei Jahrhunderte lang schlug hier das politische, administrative und wirtschaftliche Herz der Stadt. Das Areal umfasst einen steinverkleideten, rechteckigen Platz auf zwei Terrassen, der von zweigeschossigen Doppel-Stoen gesäumt wird. Zu den wichtigsten freigelegten Strukturen gehören eine Zeile aus 22 antiken Läden, römische Thermen sowie Verwaltungsräume für Archive und eine staatliche Münzstätte.
Das Odeion und der Kryptoportikus
Das östliche Odeion diente ursprünglich als überdachter Ratssaal, bevor es im 4. Jahrhundert n. Chr. zu einem Freilichttheater erweitert wurde. Unter der Oberfläche liegt der Kryptoportikus, eine unterirdische Galerie mit Doppelgewölbe, die geschickt konstruiert wurde, um das natürliche Gefälle des Geländes zum Meer hin auszugleichen. Der spürbare Wechsel von der offenen, sonnenverwöhnten oberen Terrasse hinab in die kühlen, stillen Ziegelgewölbe macht die ingenieurstechnische Leistung dieser unterirdischen Konstruktion erlebbar. In frühbyzantinischer und osmanischer Zeit dienten diese Tunnel als städtische Zisternen und Abwasserkanäle.
Eine dramatische Wiederentdeckung
Das antike Verwaltungszentrum versank im Laufe der Zeit unter byzantinischen und osmanischen Schichten und wäre fast dem modernen Bauboom zum Opfer gefallen. 1966 wurde es durch einen Zufall wiederentdeckt, als Bauarbeiter beim Fundamentaushub für ein neues Gerichtsgebäude unerwartet auf römisches Mauerwerk stießen. Der Konservator Photios Petsas stoppte die Arbeiten und rettete die Stätte vor der endgültigen Zerstörung, indem er eine einzige intakte Marmorsäule wieder aufrichtete, um die historische Bedeutung des Fundes unumstößlich zu beweisen.
Moderne Nutzung und verlorene Schätze
Heute ist der Komplex eine lebendige Open-Air-Ausgrabungsstätte und ein beliebter Treffpunkt für Fußgänger, verwaltet vom griechischen Kulturministerium. Ein unterirdisches Museum im Gewölbe des Kryptoportikus zeigt freigelegte Artefakte, während das rekonstruierte Odeion als Kulisse für Sommerkonzerte und Kulturveranstaltungen dient. Am Südrand des Forums stand einst eine Säulenhalle aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., bekannt als Las Incantadas (Die Verzauberten Idole). 1864 wurden ihre verbliebenen Pfeiler aus einem lokalen Innenhof abgebaut und nach Paris in den Louvre gebracht.
FAQ
Wann wurde das Römische Forum von Thessaloniki entdeckt?
Das Forum wurde 1966 bei Bauarbeiten für ein neues Gerichtsgebäude durch Zufall wiederentdeckt. Die Bauarbeiten wurden dauerhaft gestoppt, um die antiken Ruinen zu erhalten.
Was ist der Kryptoportikus im Römischen Forum?
Der Kryptoportikus ist eine unterirdische Galerie mit Doppelgewölbe, die errichtet wurde, um das Gefälle des Geländes zum Meer auszugleichen. Er stützte ursprünglich den oberen Platz und beherbergt heute ein unterirdisches Museum.
Was geschah mit der Säulenhalle Las Incantadas?
Las Incantadas war eine Säulenhalle aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. am Südrand des Forums. 1864 wurden ihre verbliebenen Pfeiler aus einem Innenhof abgebaut und in den Louvre nach Paris gebracht.



