
Chiesa a Trullo: Alberobellos einzigartige Trullo-Kirche
Ein monumentaler Sakral-Trullo
Die Chiesa Parrocchiale di Sant'Antonio da Padova, weithin bekannt als Chiesa a Trullo, thront am höchsten Punkt des südlichen Hügels von Alberobello. Sie markiert den oberen Abschluss des historischen Viertels Rione Monti an der Piazza Canonico Don Antonio Lippolis und steht für ein einzigartiges architektonisches Wagnis: die schlichte Trockenbauweise einfacher Bauernhäuser in eine monumentale Kirche zu verwandeln.
Obwohl das raue Mauerwerk wirkt, als stamme es aus jahrhundertealter ländlicher Tradition, ist das Bauwerk in Wahrheit ein Kind des 20. Jahrhunderts. Es sollte den einfachen Landarbeitern des Viertels ein spirituelles Zuhause geben, ohne das unverwechselbare Stadtbild um sie herum zu brechen.
Ursprünge und das Denkmalschutzgesetz von 1910
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verlief durch Alberobello ein tiefer kultureller und wirtschaftlicher Graben. Während sich der moderne Norden um die neoklassizistische Basilica dei Santi Medici Cosma e Damiano scharte, lebten am Südhang des Rione Monti die einfachen Tagelöhner und Kleinbauern. Pfarrer Don Antonio Lippolis wollte diesen Graben überbrücken und initiierte den Bau einer eigenen Pfarrkirche, damit die Bewohner des Rione Monti für den Gottesdienst nicht mehr quer durch den Ort pilgern mussten.
Diese Vision stieß jedoch auf strenge gesetzliche Auflagen. 1910 war der Rione Monti zum Nationaldenkmal erklärt worden. Dieser Status verbot moderne Baustile strikt und verlangte für jeden Neubau die ausnahmslose Einhaltung der traditionellen Trullo-Formen.
Die Gemeinde legte sich ins Zeug, um diese Vorgaben zu erfüllen. Die Anwohnerin Antonia Cammisa stiftete das Baugrundstück, während die Baukosten durch eine echte Gemeinschaftsleistung zusammenkamen. Das Geld stammte aus den bescheidenen Ersparnissen lokaler Familien, Überweisungen von Auswanderern aus Nord- und Südamerika und einer Spende von 3.000 Lire von Papst Pius XI. Die örtliche Überlieferung weiß zudem zu berichten, dass das Patrozinium des heiligen Antonius von Padua, historisch auch als „Hammer der Ketzer“ bekannt, nicht ganz zufällig gewählt wurde: Man wollte damit der protestantischen Missionierung unter den Landarbeitern einen Riegel vorschieben.
Architektur und Trockenbaukunst
Die Baupläne stammten ursprünglich aus der Feder des Zeichners Martino De Leonardis, wurden von Ingenieur Signorile Bianchi überarbeitet und schließlich ausschließlich von lokalen Trullo-Meistern (maestri trullari) in Trockenbauweise umgesetzt. Die Arbeiten begannen 1926 und waren nach nur 14 Monaten abgeschlossen, sodass die Kirche pünktlich zum Festtag des heiligen Antonius am 13. Juni 1927 feierlich geweiht werden konnte.
Der Grundriss hat die Form eines griechischen Kreuzes, dessen Seitenkapellen von Hängekuppeln gekrönt werden. Äußerlich verbindet das Gebäude apulische Romanik mit traditioneller Handwerkskunst: Die dreigiebelige Fassade zieren Rundbogenfriese und eine darüberliegende Rosette. Neben dem Kirchenschiff ragt ein 18 Meter hoher, quadratischer Glockenturm empor. Das unübersehbare Wahrzeichen der Kirche ist jedoch ihre zentrale kegelförmige Kuppel, die zwischen 20 und 21 Meter in die Höhe ragt. Aufgeschichtet aus dunkelgrauen Kalksteinplatten (chiancarelle) im Kragbau-Verfahren, schließt der monumentale Kegel mit einer Steinlaterne ab, die von vier kleineren, bekrönten Zierkegeln umrahmt wird.
Kunstwerke im Innenraum und moderne Restaurierung
Sobald du über die Schwelle trittst, eröffnet sich ein verblüffender Kontrast zu den engen, niedrigen Steingassen des Rione Monti. Drinnen weitet sich der Raum zu einem hoch aufragenden Steingewölbe, das durch die Fensterrose der Fassade und die Laterne in der Kuppelspitze erhellt wird. Das Spiel zwischen strahlend weiß gekalktem Kalkstein und grauem Sichtmauerwerk prägt die Atmosphäre.
Im Inneren finden sich einige bemerkenswerte religiöse Kunstwerke aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Den Altarraum schmückt L'Albero della Vita (Baum des Lebens), ein 1959 von Adolfo Rollo geschaffenes Wandgemälde, das ein imposantes Kruzifix zeigt, umringt von gemalten Heiligen-Medaillons. 1966 folgte ein Hochaltar aus rotem Granit mit Bronzereliefs des päpstlichen Bildhauers Giuseppe Pirrone. Zwar hatten Umbauten Mitte des 20. Jahrhunderts Teile der ursprünglichen Raumaufteilung verändert, doch eine umfassende Restaurierung im Jahr 2004 sicherte das Gebäude und brachte die freigelegten Steinoberflächen wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück.
Lebendige Gemeinde und heutige Nutzung
Bis heute ist die Chiesa a Trullo eine lebendige römisch-katholische Pfarrkirche im Bistum Conversano-Monopoli, betreut in pastoraler Zusammenarbeit mit den Guanellianern (Diener der Nächstenliebe). Sie ist sowohl unverzichtbarer Mittelpunkt des Viertels als auch ein einladender Ort der Kultur, der Gläubigen wie Reisenden auf dem Gipfel des Rione Monti täglich bei freiem Eintritt offensteht.
FAQ
Warum wurde die Kirche in Form eines Trullo erbaut?
Nachdem der Rione Monti 1910 zum Nationaldenkmal erklärt worden war, verbot das Baurecht moderne Architektur strikt und erlaubte ausschließlich traditionelle Trullo-Formen. Als Don Antonio Lippolis den Kirchenbau in den 1920er-Jahren anstieß, mussten die Baumeister vor Ort die Trockenmauertechnik an monumentale Dimensionen anpassen, um den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen.
Wann wurde die Chiesa a Trullo erbaut?
Die Kirche entstand in nur 14 Monaten zwischen 1926 und 1927. Am 13. Juni 1927, pünktlich zum Festtag ihres Schutzpatrons Antonius von Padua, wurde sie feierlich geweiht und für den Gottesdienst geöffnet.
Wie wurde der Bau der Kirche finanziert?
Das Grundstück stiftete die Anwohnerin Antonia Cammisa. Finanziert wurde der Bau durch bescheidene Spenden der einheimischen Bauernfamilien, Geldüberweisungen von ausgewanderten Bürgern Alberobellos in Nord- und Südamerika sowie eine Gabe von 3.000 Lire von Papst Pius XI.
Welche bemerkenswerten Kunstwerke gibt es im Inneren zu sehen?
Im Kircheninneren erwarten dich Adolfo Rollos Wandgemälde *L'Albero della Vita* (Lebensbaum) aus dem Jahr 1959 mit einem großen Kruzifix und Heiligenmedaillons sowie der Hauptaltar aus rotem Granit von 1966, verziert mit Bronzereliefs des Bildhauers Giuseppe Pirrone.




