Fährhafen Bellagio und die Geschichte der Piazza Mazzini
Tor zum Comer See: Der Fährknotenpunkt von Bellagio
Die Piazza Giuseppe Mazzini ist ein langgestreckter Platz direkt am Ufer des Comer Sees, zu Füßen des historischen Zentrums von Bellagio (il Borgo). Genau an der Spitze des sogenannten Larianischen Dreiecks (Triangolo Lariano) gelegen, ist dieser Ort Bellagios wichtigster Fähranleger und Dreh- und Angelpunkt für den Schiffsverkehr.
Heute herrscht an den Stegen reger Betrieb: Linienfähren, schnelle Katamarane und private Wassertaxis legen regelmäßig an und ab. Sie bilden die wichtigste Wasserverbindung zwischen Bellagio und den umliegenden Orten am See, darunter Varenna, Menaggio, Tremezzo und die Stadt Como. Für Reisende sind die Anlegestellen das Tor zur Stadt, an dem man das Wasser hinter sich lässt und in Bellagios Netz aus steilen Treppengassen eintaucht.
Neulandgewinnung und historische Arkaden
Wo sich heute das Pflaster der Piazza Mazzini erstreckt, schwappten früher die Wellen an einen schmalen Kiesstrand. Als das Borgo noch ein befestigtes Höhendorf war, gab es gar keine Straßen am Ufer. Steile Steintreppen führten damals direkt hinab ans Wasser, wo Fischerboote und Frachtkähne anlegten.
Im 18. Jahrhundert wurden die Arkadengänge an der landeinwärts gelegenen Seite umgebaut und erweitert, um einen wettergeschützten, überdachten Markt für Handelsgüter zu schaffen. Ursprünglich machten die Boote direkt an diesen steinernen Rundbögen fest. Später schüttete man die Uferlinie auf und pflasterte sie, sodass aus dem einstigen Strandhafen der heutige Uferplatz mit seiner Promenade entstand.
Dampfschiffe im 19. Jahrhundert und der Ausbau des Ufers
Der Verkehr auf dem See nahm rasant zu, als unter österreichischer Herrschaft in den 1820er-Jahren die ersten regulären Passagierdampfer ihren Dienst aufnahmen. Bellagio entwickelte sich blitzschnell zum zentralen Knotenpunkt der Schifffahrt auf dem Comer See.
Um dem anschließenden Boom des internationalen Erholungstourismus gerecht zu werden, wurde die Steginfrastruktur im Hafen um 1905 komplett umgebaut und erweitert, wodurch moderne Anlegestellen für Passagierschiffe entstanden.
Historische Hochwassermarken und der Brotstein
Am westlichen Rand der Arkaden steht eine dunkle Steinsäule, die extreme historische Hochwasserstände (esondazioni) des Comer Sees dokumentiert. Einkerbungen im Stein verraten, dass die verheerenden Fluten von 1829 und 1868 den See so hoch ansteigen ließen, dass der gesamte heutige Platz unter Wasser stand und die Fluten sogar in die Gewölbe unter den Arkaden drangen.
Der Hafenbereich erinnert aber auch an noch frühere Krisen. Draußen vor dem Wellenbrecher ragt der Sasso del Pane (Brotstein) aus dem Wasser. Während der Pestepidemie von 1630 diente dieser Felsen als kontaktlose Übergabestelle: Die Einwohner von Bellagio legten dort Brot für die schwer gebeutelte Bevölkerung von Varenna ab, die sich die Nahrungsmittel holte und als Bezahlung Münzen hinterließ, eingelegt in Essigtöpfe zur Desinfektion.
Lebendiges Treiben am Ufer
Heute ist die Piazza Mazzini mit ihren historischen Arkaden ein lebendiger Treffpunkt unter freiem Himmel: Hier reihen sich Caféterrassen, Restaurants, Gelaterias, Boutiquen und Seidengeschäfte aneinander. Auf dem Platz befindet sich außerdem das örtliche Fremdenverkehrsamt (IAT), und von hier aus starten die Fußwege hinauf in die Oberstadt.
FAQ
Welche Ziele erreichst du vom Fähranleger in Bellagio aus?
Linienfähren, schnelle Katamarane und private Wassertaxis verbinden die Piazza Mazzini mit Varenna, Menaggio, Tremezzo und Como.
Was hat es mit der dunklen Steinsäule auf der Piazza Mazzini auf sich?
Es ist eine historische Hochwassersäule, die an die schweren Überflutungen des Comer Sees in den Jahren 1829 und 1868 erinnert, bei denen der heutige Platz komplett unter Wasser stand und die Fluten bis in die Arkaden drangen.
Wozu diente der Brotstein vor dem Hafen?
Während der Pest von 1630 diente der Sasso del Pane (Brotstein) als kontaktlose Tauschstelle: Die Bewohner von Bellagio legten dort Brot für die Menschen aus Varenna bereit, die als Gegenleistung in Essig desinfizierte Münzen hinterließen.




