
Basilica della Steccata: Parmas Renaissance-Juwel
Ein simpler Holzzaun, der einst Pilgermassen im Zaum halten sollte, legte das Fundament für eines der prächtigsten Renaissance-Bauwerke Parmas. Betrachte die Renaissance-Fassade der Basilica di Santa Maria della Steccata direkt von der Strada Giuseppe Garibaldi aus. Auf halbem Weg zwischen der Piazza Garibaldi und dem Palazzo della Pilotta gelegen, wurde das Heiligtum 2008 von Papst Benedikt XVI. zur Basilica minor erhoben und zählt heute zu den bedeutendsten historischen Wahrzeichen der Stadt.
Vom Holzzaun zur Prachtbasilika
Ursprünglich stand an dieser Stelle ein kleines Oratorium aus dem späten 14. Jahrhundert mit dem Außenfresko einer stillenden Madonna. Als das Heiligtum immer beliebter wurde, zäunte man den Bereich kurzerhand mit Latten ab, einem sogenannten steccato, um dem Pilgerandrang Herr zu werden. Diese pragmatische Barriere gab der Basilika schließlich ihren Namen.
1521 begann die Kommune von Parma mit dem Bau eines monumentalen Heiligtums für das verehrte Marienbildnis. Vorwiegend von Bernardino Zaccagni und Giovan Francesco d’Agrate entworfen und von Antonio da Sangallo dem Jüngeren um eine Kuppel bereichert, wurde die Kirche 1539 geweiht. Sie besticht durch ihren symmetrischen Zentralbau auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes, ganz ohne Glockenturm, dafür mit vier halbrunden Apsiden, vier Eckkapellen und einer Zentralkuppel, die für ein eindrucksvolles Echo sorgt.
Parmigianinos Meisterwerk und die Besessenheit von der Alchemie
Im Inneren empfängt dich die Basilika mit warmen Terrakottatönen, Gold und leuchtendem Blau vor klassischem Renaissancemarmor, abgerundet durch eine historische Antegnati-Orgel von 1574. Die Laibung des Presbyteriumbogens ziert der berühmte Freskenzyklus der Drei klugen und drei törichten Jungfrauen, den Parmigianino zwischen 1530 und 1539 schuf.
Jahre verbrachte der Künstler mit der Perfektionierung dieser Bögen, bevor er das größere Dekorationsprojekt schließlich hinwarf. Völlig besessen von der Alchemie und in bittere Streitigkeiten verstrickt, brach Parmigianino seinen Vertrag. Die Bruderschaft ließ ihn kurzerhand ins Gefängnis werfen, woraufhin er aus Parma floh. Heute blickt seine Marmorstatue aus dem 19. Jahrhundert von der benachbarten Piazza della Steccata still zum Heiligtum hinüber.
Dynastische Bande und die Herzogsgruft
Die Basilika ist tief mit dem lokalen Hochadel und alten Ritterorden verwoben. 1718 übertrug Papst Clemens XI. das Gotteshaus dem Sacro Militare Ordine Costantiniano di San Giorgio. Bis heute dient sie als magistraler Sitz des Ordens, direkt neben dem angeschlossenen Konstantinischen Museum.
Unter der monumentalen Vierung verbirgt sich eine schlichte Herzogsgruft. 1823 von Herzogin Marie-Louise von Österreich in Auftrag gegeben, dient sie als Pantheon für die Dynastien Farnese und Bourbon-Parma. Die Gruft ist bis heute eine aktive Grabstätte, erst 2020 wurden hier Mitglieder des Hauses Bourbon-Parma beigesetzt.
In der Gruft schlummerten auch historische Rätsel, die erst die moderne Wissenschaft lüften konnte. 2020 exhumierten Forscher den Sarkophag von Herzog Alessandro Farnese, um jahrhundertealten Giftmordgerüchten nachzugehen. Die forensischen Untersuchungen bestätigten: Der Herzog starb eines natürlichen Todes. Zurück im Tageslicht kannst du nahe dem Eingang das klassizistische Grabdenkmal von Lorenzo Bartolini entdecken, das Graf Adam Albert von Neipperg gewidmet ist, dem morganatischen Gemahl von Herzogin Marie-Louise.
FAQ
Warum heißt sie Basilica della Steccata?
Der Name geht auf einen Lattenzaun zurück, einen sogenannten „steccato“. Dieser wurde im 14. Jahrhundert errichtet, um den wachsenden Pilgerandrang vor einem Außenfresko einer stillenden Madonna zu bändigen.
Welches berühmte Kunstwerk befindet sich in der Basilica della Steccata?
Die Basilika beherbergt den berühmten Freskenzyklus der „Drei klugen und drei törichten Jungfrauen“, den der Renaissance-Künstler Parmigianino zwischen 1530 und 1539 auf den Bogen des Presbyteriums malte.
Wer liegt in der Gruft der Basilica della Steccata begraben?
Die 1823 von Herzogin Marie-Louise in Auftrag gegebene Gruft dient als Pantheon der Dynastien Farnese und Bourbon-Parma. Sie birgt die Gebeine historischer Persönlichkeiten wie Herzog Alessandro Farnese und dient bis heute als aktive Grabstätte des Adelsgeschlechts.



