
Palazzo del Governatore: Parmas historischer Zeitmesser
Schau dir den historischen Palazzo del Governatore an, der über der lebendigen Piazza Giuseppe Garibaldi thront. Genau an der Kreuzung der antiken Via Emilia und der alten Nord-Süd-Achse verankert er das historische und geschäftige Herz von Parma.
Von Kaufmannsgilden zum Bürgerzentrum
Seine Geschichte beginnt im 13. Jahrhundert mit zwei Backsteingebäuden für die Kaufmannsgilden. Später residierten hier der Capitano del Popolo, der Stadtgouverneur und die städtischen Richter.
Ein verheerender Einsturz im Jahr 1606 machte aus den einstigen Zunfthäusern schließlich den offiziellen Zeitmesser der Stadt. Als Parmas großer Stadtturm in sich zusammenbrach und das benachbarte Rathaus zerstörte, baute man den Palazzo del Governatore kurzerhand um, damit er das Glockengeläut und die Zeitanzeige übernahm. Die beiden ursprünglichen Gebäude wurden zusammengelegt, und 1673 krönte Gian Battista Barattieri das Ensemble mit einem barocken Uhrturm.
Klassizistische Wandlung und solare Zeitmessung
1760 entwarf der französische Hofarchitekt Ennemond Alexandre Petitot die breite, charakteristisch gelbe klassizistische Fassade, die du heute siehst. In einer zentralen Nische des Turms, direkt unter der Uhr, wacht die Statue der gekrönten Jungfrau des französischen Bildhauers Jean-Baptiste Boudard.
Das faszinierendste Detail der Fassade ist jedoch ihr ausgeklügeltes Sonnenzeitsystem, das Herzogin Marie-Louise 1829 in Auftrag gab. Entwickelt vom Uhrmacher Lorenzo Ferrari und dem Astronomieprofessor Luigi Pazzoni, kombiniert es eine doppelte Sonnenuhr mit einer Analemma-Sonnenuhr.
An sonnigen Tagen fällt das Mittagslicht durch die Öffnung im Zentrum eines vergoldeten Sonnen-Gnomons. Das wirft einen Lichtpunkt auf eine rote, achterförmige Analemma-Schleife, an der die Bürger damals ihre mechanischen Uhren präzise auf die mittlere Ortszeit eichen konnten. Und das Beste daran: Die Sonnenuhr von 1829 zeigt sogar den exakten Sonnenmittag an 14 fernen Orten weltweit an, darunter am Teide auf Teneriffa und am Kap der Guten Hoffnung.
Versteckte Kuriositäten und moderne Rolle
An der Außenwand lassen sich so manche historische Besonderheiten entdecken. An der Ecke zur Via Cavour ist der "Mattone di Parma" eingelassen, eine eingemeißelte Steinmarkierung, die das verbindliche mittelalterliche Standardmaß für Ziegelsteine festlegte. Rechts vom Portal erinnert zudem eine Gedenktafel an sieben antifaschistische Partisanen, die hier im September 1944 erschossen wurden.
Im Glockenstuhl hing einst die historische Stadtglocke "Terza" aus dem Jahr 1453, die man nach dem Einsturz von 1606 aus den Trümmern gerettet hatte. Sie tat treu ihren Dienst, bis sie 1998 aus Denkmalschutzgründen durch eine exakte Nachbildung ersetzt wurde.
Nach umfassenden Renovierungsarbeiten öffnete der Palazzo del Governatore im Januar 2010 erneut seine Tore. Heute dient er als lebendiges Kulturzentrum und renommierter Ausstellungsort für moderne und zeitgenössische Kunst.
FAQ
Wo befindet sich der Palazzo del Governatore in Parma?
Der Palazzo del Governatore steht an der Nordseite der Piazza Giuseppe Garibaldi, genau an der historischen Kreuzung der antiken Via Emilia und der alten Nord-Süd-Achse der Stadt.
Was hat es mit der besonderen Uhr an der Fassade des Palazzo del Governatore auf sich?
Die 1829 installierte Fassadenuhr ist ein ausgeklügeltes Sonnenzeitsystem mit doppelter Sonnenuhr und Analemma. Über einen vergoldeten Sonnen-Gnomon bestimmt sie den mittleren Sonnenmittag vor Ort und zeigt sogar den Sonnenmittag an 14 fernen Orten auf der ganzen Welt an.
Was ist der Mattone di Parma?
Der "Mattone di Parma" ist eine Steinmarkierung an der Ecke des Palastes zur Via Cavour. Sie diente im Mittelalter als offizielles Standardmaß für Ziegel, an das sich alle Baumeister und Maurer der Stadt halten mussten.
Wie wird der Palazzo del Governatore heute genutzt?
Seit seiner Wiedereröffnung im Januar 2010 nach umfassenden Renovierungen dient das Gebäude als städtisches Kulturzentrum und Ausstellungsort für moderne und zeitgenössische Kunst.
Gallery




