
Ninenzaka: Kyotos historischer und denkmalgeschützter Hang
Ninenzaka, was so viel wie „Zwei-Jahres-Hügel“ bedeutet, ist ein malerischer, 150 Meter langer, gepflasterter Fußgängerweg in Kyotos berühmtem Stadtteil Higashiyama. Die Straße ist gesäumt von wunderschön erhaltenen traditionellen Machiya-Holzhäusern und lässt dich tief in das alte Kyoto eintauchen.
Eine bewegte Geschichte
Die Ursprünge des Ninenzaka gehen auf die Heian-Zeit (794–1185 n. Chr.) zurück. Der Weg entstand um 807 n. Chr. als Pilgerpfad zum berühmten Kiyomizu-dera-Tempel. Zur Edo-Zeit (1603–1868) hatte sich der Hang in ein belebtes Handelszentrum für Händler und Reisende verwandelt, das für seine Teehäuser, Gasthöfe und traditionelles Kunsthandwerk wie die Kiyomizu-yaki-Keramik bekannt war.
Eine wichtige historische Persönlichkeit, die mit der Gegend verbunden ist, ist Nene, die Frau des Kriegsherrn Toyotomi Hideyoshi. Nachdem sie den nahegelegenen Kodaiji-Tempel gegründet hatte, soll sie diesen Weg benutzt haben, um im Kiyomizu-dera für eine sichere Geburt zu beten. Ein weiterer bekannter Bewohner war der Maler und Dichter Yumeji Takehisa, der ab 1917 zwei Jahre lang hier lebte. Ein Gedenkstein erinnert an sein ehemaliges Wohnhaus.
Eine unter Schutz stehende historische Kulisse
1976 wurden Ninenzaka und seine Umgebung zum „Wichtigen Denkmalschutzgebiet für Gruppen traditioneller Bauten“ erklärt. Dieser Status sichert den Erhalt des historischen Charakters, was auch das Verbot von Kraftfahrzeugen, Strommasten und Freileitungen einschließt. Der Baustil wird von den traditionellen Machiya-Holzhäusern geprägt, die den Hang säumen.
Obwohl der Denkmalschutz vor allem die historischen Fassaden bewahren will, wurden viele dieser Gebäude von Wohnhäusern in Geschäfte umgewandelt – ein Spagat zwischen Konservierung und Tourismus. Die filmreife Ausstrahlung der Gegend wurde durch den Film „Die Geisha“ noch verstärkt, da Teile davon hier in der Nähe gedreht wurden.
Ninenzaka heute
Heute fungiert Ninenzaka als eine Art „lebendiges Museum“. Die traditionellen Machiya-Häuser beherbergen heute eine Vielzahl von Läden und Lokalen, darunter Souvenirshops, Kunsthandwerksboutiquen, Süßwarengeschäfte und Restaurants. Hier befinden sich auch die jahrhundertealte Konditorei „Kasagiya“ und das Yudofu Okutan Kiyomizu, das als ältestes Yudofu-Restaurant (Tofu-Spezialitäten) Kyotos gilt und 1635 gegründet wurde.
Sogar ein einzigartiges Starbucks-Café ist in einem renovierten, über 100 Jahre alten japanischen Stadthaus untergebracht und verbindet modernen Handel mit traditioneller Sukiya-Architektur. Auf der Straße ist besonders zwischen 10 und 16 Uhr viel los, vor allem in der Hochsaison. Für ein ruhigeres Erlebnis empfiehlt sich ein Abendspaziergang, wenn der Weg sanft von Gaslaternen beleuchtet wird.
Der Aberglaube am Hang
Ein bekannter lokaler Aberglaube verleiht Ninenzaka eine geheimnisvolle Note. Es heißt, wer auf den Kopfsteinpflasterstufen stolpert und hinfällt, den ereilen zwei Jahre Unglück oder er stirbt sogar innerhalb dieser Zeit. Diese Schauergeschichte soll Besucher dazu anhalten, beim Erklimmen des historischen Hangs gut auf ihre Schritte zu achten.
FAQ
Was bedeutet Ninenzaka?
Ninenzaka bedeutet „Zwei-Jahres-Hügel“. Dieser Name ist mit einem lokalen Aberglauben über Stürze auf den Stufen verbunden.
Welcher Aberglaube ist mit Ninenzaka verbunden?
Ein lokaler Aberglaube besagt, dass man zwei Jahre lang Pech hat oder sogar innerhalb dieses Zeitraums stirbt, wenn man auf den Stufen des Ninenzaka hinfällt.
Gibt es historische Restaurants auf dem Ninenzaka?
Ja, das 1635 gegründete Yudofu Okutan Kiyomizu befindet sich auf dem Ninenzaka und ist als Kyotos ältestes Restaurant für Yudofu (eine Tofu-Spezialität) bekannt.
Warum sieht Ninenzaka so traditionell aus?
Die Gegend wurde 1976 zum Denkmalschutzgebiet erklärt. Dieser Status trägt dazu bei, den historischen Charakter zu bewahren, indem die traditionellen Holzbauten erhalten und moderne Infrastruktur wie Freileitungen und Kraftfahrzeuge verboten werden.



