
Bryggen: Bergens hanseatischer kai und UNESCO-welterbe
Bryggen, norwegisch für „der Kai“, ist die ikonische Reihe farbenfroher, holzverkleideter Handelshäuser, die die Ostseite des Vågen-Hafens in Bergen säumen. Dieser historische Kai ist seit 1979 UNESCO-Weltkulturerbe und zeugt von Bergens jahrhundertelanger Bedeutung als wichtiges Handelszentrum.
Ein zentrum des hanseatischen handels
Bergen wurde um 1070 n. Chr. gegründet und das Viertel Bryggen, dessen Kaianlagen bis ins Jahr 1100 zurückreichen, entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Handelszentrum, insbesondere für Stockfisch aus Nordnorwegen. Um 1350 richtete die Hanse, eine mächtige deutsche Kaufmannsgilde, hier eines ihrer vier wichtigsten Übersee-Handelskontore ein. Fast 400 Jahre lang dominierten diese Kaufleute den Handel und tauschten Stockfisch gegen Getreide und andere europäische Waren. In dieser Zeit war das Viertel als „Tyskebryggen“ (der deutsche Kai) bekannt, ein Name, der 1945 offiziell wieder in Bryggen geändert wurde.
Eine geschichte aus feuer und wiedergeburt
Die Holzkonstruktionen von Bryggen waren im Laufe der Geschichte immer wieder anfällig für Feuer, mit großen Bränden in den Jahren 1198, 1248, 1476, 1702 und 1955. Trotz der Zerstörung wurde der Kai stets auf seinen ursprünglichen Fundamenten aus dem 12. Jahrhundert wiederaufgebaut, wodurch die traditionelle mittelalterliche Stadtstruktur erhalten blieb. Die meisten der heute zu sehenden Giebelhäuser stammen aus dem Wiederaufbau nach dem Brand von 1702. Sechs der Häuser sind jüngere Nachbauten, die nach dem Brand von 1955 errichtet wurden.
Vom beinahe-abriss zur erhaltung
Die größte Bedrohung für Bryggens Existenz ging jedoch nicht von einem alten Feuer aus, sondern von der modernen Stadtentwicklung. Nachdem ein verheerender Brand 1955 einen großen Teil des Kais zerstört hatte, entbrannte eine öffentliche Debatte, in der viele Anwohner für den Abriss der verbliebenen baufälligen Gebäude plädierten, um Platz für einen Parkplatz zu schaffen. Glücklicherweise setzten sich die Denkmalschützer durch. Der Brand führte zu einer 13-jährigen archäologischen Ausgrabung, bei der Hunderttausende von Artefakten zutage gefördert wurden, darunter Runeninschriften, die das mittelalterliche Alltagsleben beschreiben. Diese Entdeckungen waren für den Chefkurator Asbjørn Herteig die treibende Kraft bei der Gründung des Bryggens Museums im Jahr 1976, um das Erbe des Ortes zu bewahren.
Bryggen heute: ein lebendiges kulturerbe
Heute ist Bryggen ein lebendiger Teil der Kulturlandschaft Bergens und eine seiner Hauptattraktionen. In den engen Gassen hinter den berühmten Fassaden befinden sich heute verschiedene Geschäfte, Kunstgalerien, Künstlerateliers, Restaurants und Pubs. Zum Viertel gehören auch Museen wie das Bryggens Museum und das Hanseatische Museum und Schøtstuene, wo der unverkennbare Geruch von getrocknetem Fisch noch immer an die Handelsvergangenheit erinnert. Laufende Konservierungsprojekte, die teilweise vom Hafen Bergen finanziert werden, dienen dem Erhalt der historischen Integrität der Holzbauten für zukünftige Generationen.
FAQ
Was ist Bryggen?
Bryggen, was „der Kai“ bedeutet, ist eine Reihe historischer hanseatischer Handelshäuser am Vågen-Hafen in Bergen, Norwegen. Es ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, das für seine ikonischen, bunten Holzhäuser bekannt ist.
Warum ist Bryggen ein UNESCO-weltkulturerbe?
Bryggen wurde 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Es stellt ein einzigartiges, erhaltenes Beispiel einer mittelalterlichen Stadtstruktur dar, die einst in Nordeuropa weit verbreitet war, und zeugt von der Geschichte des Handelsimperiums der Hanse.
Wie alt sind die gebäude in Bryggen?
Obwohl die Fundamente des Viertels aus dem 12. Jahrhundert stammen, wurden die meisten der heutigen Holzbauten nach einem großen Brand im Jahr 1702 wiederaufgebaut. Ein kleinerer Teil wurde nach einem weiteren Brand im Jahr 1955 rekonstruiert.
Welche rolle spielte die Hanse in Bryggen?
Die Hanse errichtete um 1350 ein bedeutendes Handelskontor in Bryggen. Fast 400 Jahre lang kontrollierten deutsche Kaufleute den Handel mit Stockfisch aus Nordnorwegen im Austausch gegen Getreide und andere Waren aus Europa.




