Brama Grodzka: historisches Judentor in Lublin - Lublin
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Brama Grodzka: historisches Judentor in Lublin

Lublin, Poland

Tritt durch einen klassizistischen Torbogen, der einst zwei völlig verschiedene Welten verband und heute als Gedächtnis einer verschwundenen Stadt dient. Die Brama Grodzka markiert den Übergang vom Kern der Altstadt zum Lubliner Schloss und ist ein zentraler Erinnerungsort für das zerstörte jüdische Viertel der Stadt und ihre verlorene multikulturelle Geschichte.

Ein Tor zwischen zwei Welten

Erbaut um 1341–1342 nach einem königlichen Privileg durch Kasimir den Großen, begann die Brama Grodzka als wehrhaftes mittelalterliches Stadttor. Ursprünglich ein zwölf Meter hoher, rechteckiger Verteidigungsturm aus Stein und Backstein samt Zugbrücke, bildete sie historisch die Grenze zwischen der katholischen Altstadt und dem lebendigen jüdischen Viertel am Fuße des Schlosses.

Als östliches Gegenstück zum westlichen Krakauer Tor wuchs das Tor schließlich fest in das geschäftige Leben des Viertels hinein. 1873 ging es in Privatbesitz über und wurde an den jüdischen Kaufmann Chaim Kleinman verkauft.

Von der Festung zum Bürgerhaus

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war das mittelalterliche Tor schwer baufällig geworden. 1785 gestaltete der königliche Architekt Domenico Merlini das Bauwerk grundlegend um und beseitigte die Wehranlagen. Merlini fasste Tor und Vortor unter einem gemeinsamen Satteldach zusammen, richtete im Erdgeschoss Läden ein und schuf im Obergeschoss Wohnräume.

Ungewöhnlich für ein Stadttor: Seine prächtigste klassizistische Fassade wendet sich nach innen zur Altstadt und nicht nach außen den anreisenden Gästen zu. Durch diesen Entwurf wirkt das Gebäude eher wie ein herrschaftliches Bürgerhaus. Im oberen Giebelfeld zur Altstadtseite prangen das vergoldete Monogramm SAR (Stanislaus Augustus Rex) und die Jahreszahl MDCCLXXXV (1785), die an die königliche Förderung des Umbaus erinnern.

Die Tragödie von Podzamcze

Vor 1939 lebten rund 43.000 Jüdinnen und Juden in Lublin, was etwa einem Drittel der Stadtbevölkerung entsprach. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet unmittelbar vor dem Tor in ein Ghetto verwandelt.

Nach den Deportationen in Vernichtungs- und Konzentrationslager wie Bełżec und Majdanek machten die Besatzer das umliegende jüdische Viertel Podzamcze systematisch dem Erdboden gleich. Das steinerne Tor blieb stehen, doch die Welt, in die es einst führte, war für immer vernichtet.

Das Gedächtnis einer verschwundenen Stadt

Nach Jahrzehnten des Verfalls erweckte Anfang der 1990er-Jahre eine freie Lubliner Theatergruppe die Brama Grodzka zu neuem Leben. Als den Gründern bewusst wurde, dass sie von hier aus auf einen ausgelöschten Stadtteil blickten, machten sie es sich zur Aufgabe, das verlorene jüdische Erbe Lublins wieder ans Licht zu holen.

Heute dient das Tor als Sitz der Kultur- und Bildungsinstitution Ośrodek „Brama Grodzka - Teatr NN“. In den Ausstellungsräumen ist die Installation „Lublin. Pamięć Miejsca“ (Lublin. Gedächtnis des Ortes) wie ein endloses Labyrinth aus dunklen Metallregalen, Archivakten und Tonaufnahmen des Vorkriegsalltags aufgebaut.

Die Sammlung birgt zudem einen spektakulären Fotoschatz: Bei Renovierungsarbeiten an einem Mietshaus am Rynek 4 entdeckten Handwerker 2012 unter dem Dach über 2.700 in Lumpen eingewickelte Glasnegative. Diese Fotografien des damaligen Alltagslebens werden heute vom Zentrum archiviert und ausgestellt, damit die Erinnerung an Lublins vielfältige Vergangenheit weiterlebt. Gleich vor dem Tor erstreckt sich der Zaułek Hartwigów, eine stimmungsvolle Steintreppe, geschmückt mit Freiluft-Fotografien und Gedichten.

FAQ

Warum wird die Brama Grodzka auch Judentor genannt?

Historisch bildete das Tor die physische Grenze und den Durchgang zwischen der katholisch-christlichen Altstadt und dem lebendigen jüdischen Viertel rund um das Lubliner Schloss.

Wer ist für das heutige Erscheinungsbild der Brama Grodzka verantwortlich?

1785 baute der königliche Architekt Domenico Merlini das mittelalterliche Bauwerk im klassizistischen Stil komplett um und ersetzte die Wehranlagen durch ein Satteldach, Geschäfte und Wohnungen.

Was befindet sich heute im Inneren der Brama Grodzka?

Das Tor ist heute Sitz der Kulturinstitution Ośrodek „Brama Grodzka - Teatr NN“. Es beherbergt interaktive Archive und Dauerausstellungen, darunter ein Labyrinth aus dunklen Metallregalen mit Zeitzeugenberichten, Dokumenten und Fotografien aus der Vorkriegszeit.

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