
Trinitarierturm und Erzdiözesanmuseum in Lublin
Mit seiner markanten neugotischen Fassade bildet der emporragende Trinitarierturm das imposante Portal zur Altstadt. Als höchster historischer Aussichtspunkt Lublins steht er an der Schwelle zweier Epochen: Was einst als schlichtes mittelalterliches Mauertor begann, markiert heute den Übergang zwischen den dichten, verwinkelten Gassen der Altstadt und der weiten, klassizistischen Kulisse des Domplatzes.
Vom mittelalterlichen Tor zum neugotischen Glockenturm
An der Ulica Królewska 10 gelegen, diente der Durchgang ursprünglich als kleine Schlupfpforte in Lublins mittelalterlicher Stadtmauer, bevor er 1560 zu einem vollwertigen Tor ausgebaut wurde. Eine Stiftung von Dorota Zamoyska ermöglichte 1693 den Bau eines Glockenstuhls über dem Torhaus, um dort Kirchenglocken aufzuhängen.
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens übernahmen von 1781 bis 1814 die Trinitarier das Areal. Obwohl ihr Gastspiel verhältnismäßig kurz war, blieb der Name des Ordens für immer am Turm haften. 1818 kaufte die Stadt das Anwesen, woraufhin der italienischstämmige Architekt Antonio Corazzi dem Bauwerk seine heutige neugotische Gestalt verlieh. Während dieser Umgestaltung im 19. Jahrhundert riss man baufällige Klosterflügel ab, um den weitläufigen Domplatz zu schaffen, und das Torhaus diente vorübergehend als städtische Waage.
Im September 1939 bei deutschen Luftangriffen schwer beschädigt, wurde der Turm zwischen 1945 und 1952 aufwendig restauriert.
Das Erzdiözesanmuseum für sakrale Kunst
Heute beherbergt das Turminnere das Erzdiözesanmuseum für sakrale Kunst, dessen Sammlung sich über mehrere Etagen erstreckt.
In den stimmungsvoll gedämpft beleuchteten Räumen erwarten dich regionale sakrale Skulpturen, Bildteppiche, Ikonen, historische Uhren und Kruzifixe aus dem 14. bis 18. Jahrhundert, ergänzt durch kostbare liturgische Gefäße.
Historische Glocken und der Blechhahn
Der Turm erfüllt bis heute seine Funktion als Glockenstuhl und birgt bedeutende historische Glocken. Darunter ist die geschichtsträchtige Glocke Michał, die aus einer abgerissenen Kirche des 14. Jahrhunderts gerettet wurde. Hier hängt auch Maria, Lublins mächtigste Glocke, 1951 gegossen und nur zu den höchsten kirchlichen Feiertagen zu hören.
Auf der kegelförmigen, blechverkleideten Turmspitze thront ein berühmter Wetterhahn. Dieser Hahn aus Blech wurde schon in den ersten Versen von Józef Czechowiczs wegweisendem modernistischem Gedicht Poemat o mieście Lublinie verewigt. Der Überlieferung nach schlug er früher lautstark Alarm, um die Einwohner vor Feuersbrünsten und feindlichen Armeen zu warnen. Eine augenzwinkernde Volkslegende behauptet hingegen, der Hahn krähe verlässlich jedes Mal, wenn eine untreue Seele durch den Torbogen darunter schreitet.
Hinauf auf Lublins höchsten historischen Aussichtspunkt
Der Trinitarierturm ragt stolze 60 Meter in die Höhe. Seine Architektur setzt sich aus einem quadratischen Backsteinsockel, einem achteckigen Aufbau und der krönenden Turmspitze zusammen.
Der Aufstieg führt über 207 hölzerne Stufen durch das mehrstöckige Gebälk, direkt unter den gewaltigen, freischwebenden Kirchenglocken hindurch. Auf 40 Metern Höhe bietet eine saisonal geöffnete Aussichtsplattform ein fantastisches 360-Grad-Panorama über die roten Ziegeldächer der Altstadt, das Lubliner Schloss und die modernen Stadtteile. Im obersten Stockwerk laden zudem ein kleines Café und wechselnde Kulturveranstaltungen zum Verweilen ein.
FAQ
Wie hoch liegt die Aussichtsplattform des Trinitarierturms?
Die Aussichtsplattform liegt auf 40 Metern Höhe. Der Aufstieg führt über 207 Holzstufen.
Was hat es mit der Legende um den Blechhahn auf dem Trinitarierturm auf sich?
Der Lubliner Überlieferung nach kräht der Blechhahn auf der Turmspitze, um die Stadt vor Feuern und Angreifern zu warnen. Eine augenzwinkernde Legende besagt zudem, dass er jedes Mal anschlägt, wenn ein untreuer Mensch durch das Tor darunter geht.
Welche Ausstellungsstücke gibt es im Trinitarierturm zu sehen?
Im Turm befindet sich das Erzdiözesanmuseum für sakrale Kunst. Zu sehen sind Kruzifixe, sakrale Skulpturen, historische Uhren, Ikonen, Bildteppiche und liturgische Gefäße aus dem 14. bis 18. Jahrhundert.
Woher hat der Trinitarierturm seinen Namen?
Der Turm ist nach dem Orden der Allerheiligsten Dreifaltigkeit (den Trinitariern) benannt, die den Klosterkomplex nach der Aufhebung des Jesuitenordens von 1781 bis 1814 nutzten.



