
Litauischer Platz: Lublins historisches Herz
Mit rund 35.000 Quadratmetern schlägt der Litauische Platz (Plac Litewski) die Brücke zwischen Lublins mittelalterlicher Altstadt und dem modernen Geschäftszentrum. An der Fußgängerzone Krakowskie Przedmieście gelegen, fungiert dieses weitläufige Areal gewissermaßen als repräsentativer Vorgarten der Stadt.
Ein historisches Feldlager
Die weitläufige Freifläche verdankt ihren Namen einem politischen Ereignis des 16. Jahrhunderts, das Europas Grenzen nachhaltig verschob. Während der Sejm-Verhandlungen von 1569, aus denen die Polnisch-Litauische Adelsrepublik hervorging, schlug die litauische Delegation genau hier ihre Zelte auf. Im selben Jahr nahm König Sigismund II. August an dieser Stelle auch den Lehnseid von Albrecht Friedrich entgegen, dem Herzog von Preußen.
Unter russischer Zarenherrschaft im 19. Jahrhundert machten die Behörden kurzen Prozess: Ein bestehendes Kloster samt Friedhof wurde dem Erdboden gleichgemacht, um Platz für einen militärischen Exerzierplatz zu schaffen. Später setzten sie eine monumentale russisch-orthodoxe Kathedrale mitten auf den Platz, um imperiale Macht zu demonstrieren. Nach Polens wiedererlangter Unabhängigkeit wurde die Kathedrale in den 1920er-Jahren abgetragen. Offiziell erhielt das Areal 1925 den Namen Plac Litewski, auch wenn die Bezeichnung schon 1839 in einem Reiseführer von Seweryn Sierpiński gedruckt zu lesen war.
Denkmäler und Architektur
Rings um den Platz reihen sich stattliche Prachtbauten aneinander, darunter das Lubomirski- und das Czartoryski-Palais. Mehrere markante Denkmäler prägen das Bild, allen voran ein klassizistischer Obelisk aus Gusseisen von 1826, der an die Union von Lublin erinnert. Mit seinem vergoldeten Flachrelief von Paweł Maliński ersetzte er das ursprüngliche Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert, das unter zaristischer Herrschaft zerstört worden war. Zu den weiteren Gedenkstätten gehören ein Reiterstandbild von Marschall Józef Piłsudski, das Grabmal des unbekannten Soldaten und ein Denkmal für die Verfassung vom 3. Mai 1791.
Das moderne Herz der Stadt
Heute ist der Litauische Platz der zentrale Treffpunkt unter freiem Himmel für Feste und offizielle Feierlichkeiten. Tagsüber erfüllt das rhythmische Rauschen und Plätschern einer riesigen multimedialen Brunnenanlage den Platz. Die 2017 neu eröffnete Installation umfasst 227 Düsen und verwandelt sich abends in eine Bühne für Projektionen auf Wasserwänden, die Lublins Geschichte lebendig werden lassen.
Seit 2021 steht hier außerdem eine interaktive, kreisrunde Videoinstallation namens „The Portal“. Sie sendet eine durchgehende Live-Verbindung nach Vilnius und in andere Städte der Welt, ganz im Sinne von Lublins historischer Rolle als Ort der Völkerverständigung.
Das Geheimnis des Baobabs
Weit über ein Jahrhundert lang thronte auf dem Platz eine mächtige Schwarzpappel, die im Volksmund nur „Baobab“ hieß. Um 1880 gepflanzt, war der Baum ein heimliches Mahnmal für den Januaraufstand gegen die Zarenherrschaft. Er galt Generationen von Einheimischen als geliebter Orientierungs- und Treffpunkt, bevor er schließlich einer Baumkrankheit erlag.
FAQ
Warum heißt der Platz Litauischer Platz?
Der Name geht auf die Union von Lublin im Jahr 1569 zurück: Während der Verhandlungen zur Gründung der Polnisch-Litauischen Adelsrepublik schlug die litauische Gesandtschaft aus Adligen und Abgesandten genau hier ihr Lager auf.
Welche Denkmäler stehen auf dem Litauischen Platz?
Auf dem Platz stehen ein gusseiserner Obelisk von 1826 zur Erinnerung an die Union von Lublin, ein Reiterstandbild von Marschall Józef Piłsudski, das Grabmal des unbekannten Soldaten sowie ein Denkmal für die Verfassung vom 3. Mai 1791.
Was hat es mit dem Multimedia-Brunnen auf dem Platz auf sich?
Die 2017 neu eröffnete interaktive Brunnenanlage bietet 227 Wasserdüsen, dynamische Lichteffekte und abendliche Projektionen auf Wasserleinwänden, die Lublins Geschichte lebendig erzählen.



