
Krontribunal: Lublins historisches Oberstes Gericht
Mitten auf Lublins historischem Marktplatz steht ein elegantes oberstes Gericht, in dem einst Adlige, Könige und angeblich sogar Teufel Recht sprachen. Genau im Herzen des Altstadtmarkts an der Adresse Rynek 1 ist das Krontribunal das architektonische Wahrzeichen für Lublins goldenes Zeitalter zur Zeit der Polnisch-Litauischen Adelsrepublik.
Vom Rathaus zum Obersten Gericht
Das Gebäude entstand im 14. Jahrhundert ursprünglich als gotisches Holzrathaus. Nach mehreren Stadtbränden wurde es immer wieder neu aufgebaut, nacheinander im Stil der Backsteingotik, der Renaissance und des Barock. 1578 gab König Stephan Báthory dem Bauwerk eine völlig neue Bestimmung und richtete hier das Krontribunal ein. Dieses Gremium fungierte als oberstes Berufungsgericht für den Adel aus Kleinpolen und den ruthenischen Gebieten.
Die jährlichen Gerichtssitzungen begannen nach Ostern und dauerten, bis alle Fälle verhandelt waren. Dieser juristische Trubel lockte Tausende Adlige, Anwälte und Händler aus ganz Europa an und löste in der Stadt einen gewaltigen Wirtschafts- und Bauboom aus.
Klassizistische Architektur
Zwischen 1781 und 1787 wurde das Gebäude aufwendig umgebaut, um der wachsenden Gerichtsverwaltung gerecht zu werden. Domenico Merlini, Hofarchitekt von König Stanisław August Poniatowski, verdoppelte die Grundfläche des Baus und verlieh ihm sein heutiges klassizistisches Gewand.
Der rechteckige Monumentalbau besticht durch seine klassizistische Fassade. Im markanten Frontgiebel zeigt ein Flachrelief die klassischen Symbole der Gerechtigkeit: Waage und Schwert. Das Gebäude thront freistehend mitten auf dem gepflasterten Platz, rundherum eingerahmt von pastellfarbenen Renaissance- und Barock-Bürgerhäusern.
Die Legende von der Teufelstatze
Um den historischen Gerichtssaal rankt sich eine berühmte Legende. 1637 sollen korrupte Richter Schmiergeld von einem wohlhabenden Magnaten angenommen und schamlos gegen eine arme Witwe geurteilt haben. In ihrer Verzweiflung rief die Frau aus, selbst Teufel würden gerechter urteilen.
Noch in derselben Nacht trat angeblich ein Gericht teuflischer Richter zusammen, rollte den Fall neu auf und entschied zugunsten der Witwe. Zum ewigen Siegel brannte der vorsitzende Teufel seinen Handabdruck tief in den hölzernen Gerichtstisch ein. Dieser legendäre Teufelstisch ist heute als Ausstellungsstück im Nationalmuseum im Lubliner Schloss zu sehen.
Heutige Nutzung und der Untergrundpfad
Vor über 160 Jahren stellte das oberste Gericht seinen Betrieb ein, doch die Einheimischen nennen das Gebäude bis heute einfach das Tribunal. Heute dient es als Standesamt und Hochzeitspalast der Stadt. In der historischen Großen Halle finden regelmäßig Kammermusikkonzerte, Vorträge und städtische Feierlichkeiten statt.
Die Kellergewölbe, einst als Weinkeller und Arrestzellen genutzt, sind heute der Startpunkt für den 300 Meter langen Lubliner Untergrundpfad. Diese unterirdische Route verbindet lokale Mythen erlebbar miteinander, sie beginnt bei hölzernen Darstellungen der Tribunalsteufel und endet am Po-Farze-Platz.
FAQ
Wofür wird das Krontribunal heute genutzt?
Heute fungiert das Krontribunal als Lubliner Standesamt und Hochzeitspalast. Die historische Große Halle wird für Kammermusikkonzerte und städtische Feierlichkeiten genutzt, während die Kellergewölbe als Ausgangspunkt für den Lubliner Untergrundpfad dienen.
Wo befindet sich der Teufelstisch aus der Legende des Krontribunals?
Der Holztisch mit dem legendären eingebrannten Handabdruck ist erhalten und im Nationalmuseum im Lubliner Schloss ausgestellt.
Wer hat das heutige Gebäude entworfen?
Das klassizistische Bauwerk wurde zwischen 1781 und 1787 von Domenico Merlini umgebaut, dem königlichen Hofarchitekten von König Stanisław August Poniatowski.



