Der Bergfried von Schloss Lublin: Geschichte und Architektur - Lublin
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Ziel

Der Bergfried von Schloss Lublin: Geschichte und Architektur

Lublin, Poland

Hinter dreieinhalb Meter dicken Mauern überstand Lublins ältestes erhaltenes Steingebäude Jahrhunderte voller Kriege, um schließlich als berüchtigtes Gefängnis Geschichte zu schreiben, in dem vom verschuldeten Adligen bis zum politischen Dissidenten so ziemlich jeder landete. Auf dem Schlossberg direkt gegenüber der Altstadt gelegen, bildet der Bergfried von Schloss Lublin den visuellen und historischen Anker der Stadt. Über den Schlossplatz und das Grodzka-Tor mit dem historischen Zentrum verbunden, prägt der zylindrische Turm das Stadtbild wie kaum ein anderes Denkmal.

Mittelalterliche Ursprünge und Architektur

Seine Ursprünge reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, wobei Fundamentreste sogar um 1210 datiert werden: Der Turm ist das älteste noch stehende Mauerwerksgebäude in Lublin. Ursprünglich als befestigter Wohnturm innerhalb einer Holz-Erde-Burg erbaut, ist er das einzige erhaltene Beispiel romanischer Wehr- und Wohnarchitektur in ganz Polen östlich der Weichsel.

Das Bauwerk markiert den Übergang von der Spätromanik zur Frühgotik. Errichtet wurde es aus Kalkstein und Ziegeln im wendischen Verband. Im Inneren birgt der Turm ein unterirdisches Kuppelgewölbe, eine steinerne Wendeltreppe und ein romanisches Doppelbogenfenster, ein sogenanntes Biforium. Zusammen mit der Dreifaltigkeitskapelle ist der Bergfried das einzige mittelalterliche Gebäude auf dem Schlossberg, das die verheerenden Invasionen des 17. Jahrhunderts und den Untergang des königlichen Schlosses unbeschadet überstanden hat.

Eine finstere Gefängnisgeschichte

Ab dem 14. Jahrhundert diente der Turm immer wieder als Kerker für Kriminelle und zahlungsunfähigen Adel. Die dicken, 3,5 Meter starken Mauern schirmen alles ab und sorgen im Inneren für eine kühle, beklemmende Atmosphäre. Im ersten Stock des Turms tragen fünf Ziegel noch heute Namen und Markierungen, die Insassen im frühen 17. Jahrhundert dort eingeritzt haben.

Zwischen 1824 und 1826 bauten die zaristischen Behörden den Turm in einen neu errichteten neugotischen Gefängniskomplex ein und versahen ihn oben mit dekorativen Zinnen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb der Ort ein gefürchtetes Zuchthaus: erst unter der Nazi-Besatzung, später unter den kommunistischen Sicherheitsdiensten der Nachkriegszeit, bis der Gefängnisbetrieb 1954 schließlich eingestellt wurde.

Moderne Ausstellungen und Panoramablick

Heute wird der Turm vom Nationalmuseum in Lublin betrieben und steht Besuchern ganzjährig offen. Eine lokale Legende besagte lange Zeit, Fürst Daniel von Galizien habe den Turm nach einem Raubzug im 13. Jahrhundert erbaut. Moderne archäologische Analysen haben diesen Mythos jedoch weitgehend widerlegt, was die mehrstöckige historische Ausstellung im Inneren anschaulich aufarbeitet.

Über die steinerne Wendeltreppe gelangst du hinauf zu einer Aussichtsplattform auf dem Dach. Von diesem erhöhten Aussichtspunkt bietet sich dir ein weiter 360-Grad-Blick über die historische Altstadt, ein faszinierender Kontrast zwischen dem rauen mittelalterlichen Mauerwerk des Turms und dem lebendigen Treiben der Stadt ringsum.

FAQ

Wie alt ist der Bergfried von Schloss Lublin?

Der Bergfried stammt aus dem 13. Jahrhundert, wobei seine Fundamente bis um 1210 zurückreichen. Er ist das älteste erhaltene Steingebäude in Lublin.

Was befindet sich heute im Bergfried?

Der Turm wird vom Nationalmuseum in Lublin als Besucherattraktion betrieben. Er beherbergt eine mehrstöckige historische Ausstellung und verfügt über eine Aussichtsplattform auf dem Dach mit 360-Grad-Blick auf die Altstadt.

Welchem Baustil entspricht der Bergfried von Schloss Lublin?

Der Bergfried ist im Übergangsstil von der Spätromanik zur Frühgotik erbaut. Er besteht aus Kalkstein und Ziegeln im wendischen Verband und besitzt ein romanisches Doppelbogenfenster (Biforium).

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