
Plac Po Farze: Lublins verschwundene gotische Kirche
Der Plac Po Farze, wörtlich der „Platz nach der Pfarrkirche“, liegt auf halbem Weg zwischen dem Altstadtmarkt und dem Königsschloss in Lublin. Dieser freie Platz zeichnet den Grundriss der abgerissenen Erzengel-Michael-Kirche nach. Kniehohe Mauerreste aus Kalkstein und Ziegeln machen den verschwundenen Chorraum, das Hauptschiff und die Seitenkapellen bis heute physisch greifbar.
Eine Kirche aus Luft
Vom 11. bis ins 13. Jahrhundert diente der Ort zunächst als christlicher Friedhof. Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts entstand hier ein massiver Steinbau, der sich rasch zum geistlichen Zentrum des mittelalterlichen Lublins entwickelte. Gekrönt wurde das Bauwerk von einem hoch aufragenden gotischen Turm, der nach verheerenden Stadtbränden in den Jahren 1575 und 1653 immer wieder neu errichtet werden musste.
Im Jahr 1574 zur Kollegiatstiftskirche erhoben, fungierte das Gotteshaus von 1826 bis 1832 vorübergehend als Kathedrale der Diözese Lublin. Nachdem diese Funktion an eine ehemalige Jesuitenkirche überging, verfiel das Gebäude zusehends. Wegen massiver baulicher Mängel ließen die zaristischen Behörden die Kirche zwischen 1846 und den 1850er-Jahren Stück für Stück abtragen, um einem Einsturz zuvorzukommen. Der Lubliner Dichter Józef Czechowicz setzte dem verschwundenen Bauwerk ein poetisches Denkmal und nannte es eine „Kirche aus Luft“, durch deren unsichtbare gotische Rippen in klaren Nächten die Sterne funkeln.
Die Legende der Eiche
Den Chroniken von Jan Długosz zufolge gab Herzog Leszek der Schwarze 1282 den Auftrag zum Bau. Im Traum soll ihm der Erzengel Michael erschienen sein, woraufhin der Herzog beschloss, das Gotteshaus genau über dem Stamm jener Eiche zu errichten, an der er die Vision gehabt hatte. Lokale Überlieferungen berichten, dass beim Abriss im 19. Jahrhundert unter dem Altarboden tatsächlich ein versteinertes Stück Eichenstamm ans Licht kam.
Ausgrabung und Neubelebung
Zwischen 1936 und 1938 legte Józef Edward Dutkiewicz die mittelalterlichen Fundamente frei. Jahrzehnte später, in den Jahren 2001 und 2002, erhielt der Platz seine heutige Gestalt. Ein detailgetreues Bronzemodell vor Ort macht die Ruinen greifbar und vermittelt einen plastischen Eindruck von der mehrstöckigen gotischen Architektur, die den Raum einst beherrschte.
Heute ist der Plac Po Farze ein lebendiger Treffpunkt für Stadtführungen, spontane Pausen, Freiluftkonzerte und Stadtfeste. Zugleich bietet er einen der schönsten Aussichtspunkte der Stadt mit einem weiten Panoramablick auf das Lubliner Schloss, das Grodzka-Tor und den Hügel Czwartek.
FAQ
Was geschah mit der Kirche auf dem Plac Po Farze?
Die Erzengel-Michael-Kirche verfiel im 19. Jahrhundert zusehends. Um einem Einsturz zuvorzukommen, ließen die zaristischen Behörden das Bauwerk zwischen 1846 und den 1850er-Jahren abtragen.
Was gibt es heute auf dem Plac Po Farze zu sehen?
Besucher finden hier die freigelegten, kniehohen Kalkstein- und Ziegelfundamente der ehemaligen Kirche, ein Bronzemodell des Gebäudes zum Anfassen sowie weite Ausblicke auf das Lubliner Schloss und den Czwartek-Hügel.
Wie alt sind die Ruinen auf dem Plac Po Farze?
Die freigelegten Fundamente stammen von einer steinernen Kirche aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert. Der Ort selbst diente allerdings schon ab dem 11. Jahrhundert als christlicher Friedhof.



