Alte Kathedrale von Coimbra: Romanische Festung
Bestaune die wehrhafte, festungsartige Steinfassade und die Zinnen der Alten Kathedrale von Coimbra, ein eindrucksvolles Monument romanischer Baukunst. Eingebettet in das steile, verwinkelte Gassengewirr der historischen Oberstadt (Alta), ist sie die einzige portugiesische Kathedrale aus der Zeit der Reconquista, die nahezu unversehrt überdauert hat.
Eine Festung für ein junges Königreich
Konzipiert, um sowohl geistliche Macht als auch militärische Stärke auszustrahlen, gab König Afonso Henriques im 12. Jahrhundert den Auftrag für den Bau. Nach der Schlacht von Ourique im Jahr 1139 stieg Coimbra zur Hauptstadt des frisch gegründeten Königreichs Portugal auf, und das neue Gotteshaus ersetzte einen baufälligen Vorgängerbau.
Finanziert durch Bischof Miguel Salomão um 1162, übernahm der aus Frankreich stammende Meister Robert zusammen mit den Meistern Bernard und Soeiro die Bauleitung. Das Ergebnis: dicke, grob behauene Mauern aus cremefarbenem Kalkstein, schmale Schießscharten und wehrhafte Zinnen. Die turmartige Westfassade erinnert verblüffend an einen befestigten Militärstützpunkt.
Romanische Architektur und mozarabische Einflüsse
Im Inneren schaffen das tonnengewölbte Mittelschiff und der massive Stein eine kühle, dämmrige Atmosphäre. Doch dieses typisch schwere romanische Ambiente wird vom Tageslicht durchbrochen, das durch den Laternenturm und das Westfenster einfällt. Es lenkt den Blick ganz automatisch auf die Apsis: Dort funkelt ein vergoldetes, farbenprächtiges spätgotisches Holzretabel, meisterhaft geschnitzt von Olivier de Gand und Jean d’Ypres.
Für eine bedeutende katholische Bischofskirche birgt das Innere eine echte Überraschung: An den rund 380 kunstvoll gemeißelten Kapitellen sucht man menschliche Figuren und klassische Bibelszenen fast vergebens. Stattdessen dominieren Pflanzenmotive, geometrische Muster und Fabelwesen wie Zentauren, ein klares Zeugnis starker arabischer, mozarabischer und vorromanischer Einflüsse.
Königliche Geschichte und Renaissance-Erweiterungen
Die Kathedrale ist eng mit den Anfängen der portugiesischen Monarchie verwoben. Bereits 1185 wurde Sancho I., Portugals zweiter König, mitten auf der damaligen Baustelle gekrönt. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war das Hauptschiff vollendet, und ab 1218 entstand unter König Afonso II. ein frühgotischer Kreuzgang.
Jahrhunderte später kamen bemerkenswerte Neuerungen hinzu. An der Nordseite öffnet sich die prachtvolle Porta Especiosa aus dem 16. Jahrhundert. Von João de Ruão im Stil eines italienischen Renaissance-Retabels gestaltet, bildet sie einen markanten Kontrast zur wuchtigen romanischen Hauptfassade. Zudem fand hier der erste Graf von Coimbra seine letzte Ruhe: der mozarabische Heerführer Sisnando Davides.
Ein lebendiges Kulturdenkmal
Das Bauwerk diente bis 1772 als Bischofssitz, ehe dieser weiter bergauf in die ehemalige Jesuitenkollegskirche verlegt wurde. Seither trägt das mittelalterliche Gotteshaus den Titel „Alte“ Kathedrale. Heute fungiert es als aktive katholische Pfarrkirche und historisches Monument, das Besucher gegen Eintritt in sein Kirchenschiff, den gotischen Kreuzgang und die Schatzkammer einlädt.
Der Vorplatz und die Freitreppe der Kathedrale sind bis heute tief im akademischen Leben der Universitätsstadt verwurzelt. Sie bilden die stimmungsvolle Freiluftkulisse für die legendäre Serenata Monumental: Hier stimmen die Studierenden im Mai den Fado de Coimbra an, um das traditionelle Fest Queima das Fitas einzuläuten. Passenderweise liegt die Kathedrale direkt gegenüber dem historischen Wohnhaus von José „Zeca“ Afonso, der als antifaschistischer Liedermacher und Schlüsselfigur des Coimbra-Fado unvergessen ist.
FAQ
Wann wurde die Alte Kathedrale von Coimbra erbaut?
Der Bau begann im 12. Jahrhundert unter König Afonso Henriques nach der Schlacht von Ourique im Jahr 1139. Das Hauptschiff wurde Anfang des 13. Jahrhunderts fertiggestellt, bevor ab 1218 ein frühgotischer Kreuzgang ergänzt wurde.
Warum sieht die Alte Kathedrale von Coimbra wie eine Burg aus?
Während der Reconquista errichtet, sollte die Kathedrale sowohl geistliche Autorität als auch militärische Macht demonstrieren. Sie zeichnet sich durch dicke Kalksteinmauern, wehrhafte Zinnen und schmale Schießscharten aus, wie man sie von einem befestigten Stützpunkt kennt.
Wer liegt in der Alten Kathedrale von Coimbra begraben?
Die Kathedrale ist die letzte Ruhestätte des ersten Grafen von Coimbra, dem mozarabischen Heerführer Sisnando Davides.
Wie wird die Alte Kathedrale von Coimbra heute genutzt?
Heute dient sie als aktive katholische Pfarrkirche und als kostenpflichtiges historisches Denkmal. Außerdem bilden die Stufen vor der Kirche die traditionelle Kulisse für Studierende, die während der alljährlichen Queima-das-Fitas-Feierlichkeiten den Fado de Coimbra anstimmen.
