
Žobrákov dom: Geschichte des Bettlerhauses
Das berühmte Bettlerhaus von Košice wurde eigentlich für einen Kaufmann erbaut. Mitten in der Fußgängerzone der Hlavná ulica, gleich bei der Hausnummer 71, steht das Žobrákov dom direkt gegenüber der barocken Pestsäule. Das markante Gebäude schlägt gekonnt die Brücke zwischen dem mittelalterlichen Grundriss der Stadt und der Jugendstil-Architektur des späten 19. Jahrhunderts.
Vom Mittelalter zum Jugendstil
Das Gebäude ruht auf gotischen Fundamenten aus dem 14. Jahrhundert und diente ursprünglich als mittelalterliches Bürgerhaus. Nach barocken Umbauten in den Jahren 1720 und 1760 folgte 1898 der große Wandel. Eine umfassende Neugestaltung verpasste dem Haus ein romantisches Jugendstil-Kleid mit reichen Verzierungen und einem markanten Balkon, der von vier geschwungenen Konsolen getragen wird.
Das verborgene Fresko
Bei den Umbauarbeiten 1898 zauberte der heimische Künstler Július Éder ein farbenfrohes allegorisches Wandgemälde auf die Fassade. Zu sehen ist Merkur, der römische Schutzgott des Handels, an der Seite einer Ernteszene und eines Engels, der das Wappen von Košice hält.
1956 entschied man sich gegen eine Restaurierung und verputzte das lebendige Kunstwerk kurzerhand mit grauem Zement. Fast vier Jahrzehnte lang blieb das Gemälde im Verborgenen. Erst 1995 wurde das Kunstwerk im Rahmen einer großen städtischen Denkmalschutzkampagne vor dem Besuch von Papst Johannes Paul II. wiederentdeckt und restauriert.
Die Legende vom Bettler
Der lokalen Überlieferung nach wurde das Haus komplett durch steuerfreie Spenden finanziert, die ein ausgesprochen pfiffiger Bettler gesammelt haben soll. Die hartnäckige Legende besagt, dass ebenjener Bettler die Statue mit dem gezogenen Hut auf das Dach setzte. Ein ewiges Dankeschön, oder auch feiner Spott, an die Bürger der Stadt, die ihm dieses Filetstück von Grundstück finanziert hatten.
Trotz des volkstümlichen Namens zeigt die 1,40 Meter hohe Dachfigur bei genauerer historischer Betrachtung gar keinen Bettler, sondern einen Kaufmann. An seiner rechten Hüfte hängt eine fein geschnitzte Geldbörse, ein Detail, das perfekt zum Fassadengemälde mit dem römischen Handelsgott passt.
Heutige Nutzung
Heute bleibt das historische Gebäude seinen kaufmännischen Wurzeln treu. Im Erdgeschoss und in den oberen Etagen des Žobrákov dom befinden sich derzeit ein Juweliergeschäft und ein Showroom für Eheringe.
FAQ
Warum heißt das Gebäude eigentlich Bettlerhaus?
Der Legende nach erbaute ein pfiffiger Bettler das Haus vollkommen aus steuerfreien Spenden. Historische Fakten und architektonische Details verraten jedoch, dass es in Wahrheit für einen wohlhabenden Kaufmann errichtet wurde.
Was stellt die Statue auf dem Dach des Žobrákov dom dar?
Die 1,40 Meter hohe Statue zeigt einen Mann, der seinen Hut lüftet. Während die Legende behauptet, es sei ein Bettler, der seinen Wohltätern dankt oder sie verspottet, stellt die Figur in Wahrheit einen Kaufmann dar, gut erkennbar an der Geldbörse an seiner rechten Hüfte.
Was hat es mit dem Gemälde auf der Fassade auf sich?
Das allegorische Wandgemälde wurde 1898 von Július Éder geschaffen. Es zeigt den römischen Gott Merkur, eine Ernteszene und das Wappen von Košice. 1956 wurde es unter grauem Zement verputzt und blieb bis zu seiner Restaurierung im Jahr 1995, kurz vor dem Besuch von Papst Johannes Paul II., verborgen.



