Plaza Consistorial: Pamplonas legendärer Balkon - Pamplona
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Ziel

Plaza Consistorial: Pamplonas legendärer Balkon

Pamplona, Spain

Ein Platz auf mittelalterlichem Niemandsland

Die Plaza Consistorial, auch bekannt als Plaza del Ayuntamiento, ist ein kompakter Platz von rund 2.502 Quadratmetern im Herzen der Altstadt von Pamplona. Trotz ihrer überschaubaren Größe bildet die Plaza das administrative und geografische Herz der Stadt. Ihre Lage verdankt sie einem königlichen Erlass, der vor Jahrhunderten einen erbitterten Konflikt beenden sollte.

Am 8. September 1423 unterzeichnete König Karl III. von Navarra das Privileg der Union (Privilegio de la Unión). Zuvor hatten sich drei eigenständige mittelalterliche Viertel, Navarrería, San Cernin und San Nicolás, jahrhundertelang erbitterte Schlachten um Recht und Vorherrschaft geliefert. Französisch-fränkische Siedler standen dabei der einheimischen navarrischen Bevölkerung feindselig gegenüber. Um endlich Frieden zu erzwingen, ordnete der König an, ein gemeinsames Rathaus genau auf dem Graben und dem Niemandsland zu errichten, an dem die Grenzen der drei verfeindeten Siedlungen zusammenliefen. Durch diese neutrale Pufferzone wurde der Ort zum städtebaulichen Scharnier, das Pamplona zu einer einzigen Gemeinde vereinte.

Barocke Architektur und moderner Umbau

Das ursprüngliche mittelalterliche Rathaus verfiel im Laufe der Zeit und wurde 1753 abgerissen. Zwischen 1753 und 1760 entstand die neue Casa Consistorial mit einer dreistufigen Steinfassade, entworfen von José de Zay y Lorda und ausgeführt von Juan Miguel de Goyeneta. Die Schaufassade verbindet Spätbarock mit frühem Klassizismus und wird von einem kunstvoll geschmückten Giebel gekrönt.

Der Bildhauer José Jiménez schuf die Steinfiguren, die der Fassade Leben einhauchen. Neben dem Hauptportal wachen Statuen der Klugheit und der Gerechtigkeit. Sie wurden eigens in Auftrag gegeben, um die Ratsherren daran zu erinnern, die ehemals verfeindeten Stadtteile unparteiisch zu regieren. Auf der Giebelspitze thronen allegorische Skulpturen von Herkules und der geflügelten Fama. Hinter dieser Kulisse des 18. Jahrhunderts erzählt das Gebäudeinnere allerdings eine ganz andere Geschichte: 1952 ließen die Architekten José und Francisco Javier Yárnoz Orcoyen das gesamte Innere entkernen und für moderne Verwaltungsbüros neu errichten. Nur die historische Fassade blieb unberührt.

Der Balkon und die Tradition des Chupinazo

Der zentrale Balkon im ersten Stock der Casa Consistorial ist weltbekannt als Abschussrampe für den Chupinazo (baskisch: Txupinazo). Diese Rakete eröffnet jedes Jahr am 6. Juli um Punkt 12 Uhr mittags offiziell das Fest der Sanfermines. Obwohl die Feierlichkeiten bis ins Mittelalter zurückreichen, ist der Raketenstart vom Rathausbalkon eine Tradition des 20. Jahrhunderts. Der Tabakhändler Juan Etxepare begründete den Brauch 1931 ganz inoffiziell auf der nahe gelegenen Plaza del Castillo. Erst ein Jahrzehnt später, 1941, zog die Zeremonie offiziell auf den Balkon des Rathauses um.

Seit 2016 wird die Person oder Organisation, der die Ehre zuteilwird, die Lunte zu zünden, in einer öffentlichen Abstimmung der städtischen Mesa de los Sanfermines ermittelt. Bevor die Rakete gezündet wird, schallt der traditionelle zweisprachige Ruf auf Spanisch und Baskisch über den Platz: „¡Pamploneses, pamplonesas, Iruñatarrok, Viva San Fermín, Gora San Fermín!“

Weil der Platz von vier- und fünfstöckigen Wohnhäusern dicht umstellt ist, entwickeln die Bläserfanfaren, das Brüllen der Menge und der Knall der Rakete eine gewaltige akustische Wucht. Auch für die Augen ein Spektakel: Tausende Feiernde halten ihre roten Halstücher (pañuelicos) mit beiden Händen empor und spannen so ein geschlossenes rotes Dach über die Menge. Nach alter Tradition bindet man sich das Tuch erst dann um den Hals, wenn die Rakete sichtbar am Himmel explodiert ist.

Lebendige Stadtgeschichte und Knotenpunkt des Alltags

Abseits des Eröffnungsknalls der Sanfermines ist die Plaza Consistorial die Bühne für Pamplonas wichtigste Rituale. Hier versammelt sich die Stadt am 14. Juli um Mitternacht zur stimmungsvollen Abschlusszeremonie Pobre de Mí im Schein unzähliger Kerzen. Und jedes Jahr am 8. September erinnert der Platz mit historischen Märkten und Festumzügen an das Privileg der Union, angeführt vom Stadtrat und den legendären Riesen und Großköpfen (Gigantes y Cabezudos).

Als ununterbrochener Sitz des Stadtrats und Amtssitz des Bürgermeisters bleibt der Platz ein Knotenpunkt des täglichen Lebens. Er verbindet das Domviertel in Navarrería mit der Kirche San Saturnino in San Cernin und verknüpft die geschäftigen Flaniermeilen Calle Mercaderes und Calle Mayor miteinander.

FAQ

Warum wurde das Rathaus von Pamplona genau an dieser Stelle erbaut?

1423 ordnete König Karl III. von Navarra an, das gemeinsame Rathaus genau auf dem neutralen Graben und dem Niemandsland zwischen den drei zuvor verfeindeten Stadtteilen Navarrería, San Cernin und San Nicolás zu errichten. So sollte verhindert werden, dass ein einzelnes Viertel die Vormachtstellung in der Stadt beansprucht.

Wann wurde der Raketenstart vom Rathausbalkon zu einer offiziellen Tradition?

Die Tradition des Eröffnungsfeuerwerks begann 1931 ganz inoffiziell auf der Plaza del Castillo und wurde 1941 offiziell auf den Balkon der Casa Consistorial verlegt.

Was stellen die Statuen neben dem Eingang des Rathauses dar?

Das Portal wird von steinernen Statuen der Klugheit und der Gerechtigkeit flankiert. Der Bildhauer José Jiménez schuf sie als Mahnung an die Stadtoberen, die drei historisch zerstrittenen Viertel unparteiisch zu regieren.

Wie wird die Person ausgewählt, die die Festrakete abfeuern darf?

Seit 2016 wird die Person oder Organisation, die die Chupinazo-Rakete zünden darf, in einer öffentlichen Abstimmung gewählt, die von der städtischen Mesa de los Sanfermines organisiert wird.

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