
Die Kathedrale von Santiago de Compostela: Ein Leuchtfeuer für Pilger
Von der Praza do Obradoiro aus ragt die imposante Fassade der Kathedrale von Santiago de Compostela als das ultimative spirituelle Leuchtfeuer für Pilger aus aller Welt empor. Als Ziel des Jakobswegs ist dieses UNESCO-Weltkulturerbe seit Jahrhunderten ein Zentrum des europäischen Glaubens und der Kultur.
Eine Geschichte aus Glaube und Legende
Die Ursprünge der Kathedrale sind mit der Legende des heiligen Jakobus des Älteren verbunden, einem der zwölf Apostel Jesu. Der Überlieferung nach wurden seine sterblichen Überreste nach seinem Martyrium in Jerusalem um 44 n. Chr. nach Galicien in Spanien zurückgebracht. Jahrhundertelang war der Ort des Grabes vergessen, bis im 9. Jahrhundert ein Eremit namens Pelayo von seltsamen Lichtern am Himmel geleitet wurde. Dieser Ort wurde als „Campus Stellae“ oder „Sternenfeld“ bekannt, woraus der Name „Compostela“ entstand.
Nach der Wiederentdeckung ordnete König Alfons II. von Asturien, der als erster Pilger gilt, im Jahr 813 n. Chr. den Bau einer Kapelle über dem Grab an. Diese wurde 899 durch eine größere Kirche ersetzt, die jedoch 997 bei einem Raubzug des maurischen Herrschers Almansor zerstört wurde, der ihre Glocken bekanntermaßen nach Córdoba bringen ließ. Der Wiederaufbau begann 1003 und ebnete den Weg für das spätere, prachtvollere Bauwerk.
Architektonische Entwicklung im Wandel der Zeit
Der Bau der heutigen Kathedrale begann 1075 während der Herrschaft von König Alfons VI. Sie wurde größtenteils im romanischen Stil errichtet und zeichnet sich durch dicke Granitmauern, einen Kreuzgrundriss, Rundbögen und Tonnengewölbe aus. Das prachtvolle Bauwerk wurde 1211 offiziell geweiht.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden gotische, Renaissance- und Barockelemente hinzugefügt. Der romanische Pórtico da Gloria, ein Meisterwerk von Mestre Mateo, wurde 1188 fertiggestellt. Das bekannteste Merkmal der Kathedrale, die kunstvolle barocke Obradoiro-Fassade, wurde von Fernando de Casas Novoa entworfen und zwischen 1738 und 1750 vollendet. Interessanterweise weisen zwei der Türme eine sichtbare Neigung auf: Der Berenguela-Turm hat eine Neigung von zwölf Zentimetern, während der Torre de las Campanas um vierzig Zentimeter geneigt ist.
Die Kathedrale heute: Ein lebendiges Zentrum der Pilgerfahrt
Heute empfängt die Kathedrale von Santiago de Compostela weiterhin Hunderttausende von Pilgern jährlich. Am Hauptaltar finden täglich mehrere Pilgermessen statt, mit Gottesdiensten um 7:30, 9:30, 12:00 und 19:30 Uhr, sowie einer täglichen Messe in englischer Sprache.
Pilger nehmen an mehreren altehrwürdigen Ritualen teil, darunter die Umarmung der Jakobusstatue hinter dem Hauptaltar und der Besuch der Krypta, in der die Gebeine des Apostels ruhen sollen. In den Heiligen Jahren wird die Heilige Pforte (Porta Santa) geöffnet, durch die Pilger einen vollkommenen Ablass erlangen können. Die Kathedrale bietet auch Führungen an, einschließlich des Zugangs zu den Dächern, die einen einzigartigen Blick auf die Stadt ermöglichen.
Der Botafumeiro und andere Kuriositäten
Der Botafumeiro ist ein gewaltiges Weihrauchfass, das bei bestimmten feierlichen Messen eindrucksvoll durch die Kathedrale geschwenkt wird. Über seine zeremonielle Rolle hinaus hatte er im Mittelalter einen praktischen Zweck, denn sein duftender Rauch half, den Geruch der vielen ungewaschenen Pilger zu überdecken, die ihre lange Reise beendet hatten.
Zu den versteckten Details der Kathedrale gehört ein kleines Selbstbildnis des Bildhauers Mestre Mateo, des Schöpfers des Pórtico da Gloria, das sich am Fuße des Portikus befindet. Einst hatten Studenten die Tradition, für etwas mehr Weisheit mit dem Kopf dagegen zu stoßen – eine Praxis, die heute zum Schutz der Statue verboten ist.
FAQ
Warum ist die Kathedrale von Santiago de Compostela so bedeutend?
Sie gilt als Grabstätte des Apostels Jakobus des Älteren und ist das Ziel des Jakobswegs, einer der bedeutendsten christlichen Pilgerrouten der Welt. Seit 1985 ist sie UNESCO-Weltkulturerbe.
Was ist der Botafumeiro?
Der Botafumeiro ist ein berühmtes, riesiges Weihrauchfass, das bei feierlichen Messen durch die Kathedrale geschwenkt wird. Früher hatte der duftende Rauch auch den praktischen Zweck, den Geruch der ungewaschenen Pilger zu überdecken, die oft in der Kirche schliefen.
Wann begann der Bau der heutigen Kathedrale?
Der Bau der heutigen romanischen Kathedrale begann 1075 unter der Herrschaft von König Alfons VI. Sie wurde an der Stelle früherer Kapellen errichtet und 1211 geweiht.
Kann man das Grab des heiligen Jakobus besichtigen?
Ja, Besucher und Pilger können die Krypta unter dem Hauptaltar besichtigen, in der die sterblichen Überreste des Apostels Jakobus ruhen sollen.



