
San Martiño Pinario: Ein monumentales Kloster in Santiago
Gegenüber der Nordfassade der Kathedrale von Santiago de Compostela gelegen, ist die Igrexa de San Martiño Pinario ein kolossales Denkmal klösterlicher Macht und künstlerischer Meisterschaft. Als zweitgrößtes Kloster Spaniens erzählt sein riesiger Baukomplex eine jahrhundertelange Geschichte von religiösem, kulturellem und wirtschaftlichem Einfluss in Galicien.
Eine Geschichte von Macht und Wiederaufbau
Die Ursprünge des Klosters reichen bis ins Jahr 899 zurück, als eine Gemeinschaft von Benediktinermönchen gegründet wurde, nachdem sie umgesiedelt worden war, um Platz für den Bau einer neuen Kathedrale zu schaffen. Eine frühe romanische Kirche an dieser Stelle wurde 1102 von Bischof Diego Gelmírez geweiht. Ende des 15. Jahrhunderts war San Martiño Pinario zur reichsten und mächtigsten klösterlichen Einrichtung in Galicien aufgestiegen und kontrollierte die meisten anderen Klöster der Region.
Dieser immense Wohlstand ermöglichte einen fast vollständigen Umbau des Komplexes ab dem 16. Jahrhundert. Das heutige Gebäude ist größtenteils das Ergebnis dieses umfangreichen Projekts, das sich über Jahrhunderte erstreckte und an dem eine Reihe bedeutender Architekten beteiligt war. Die Geschichte des Klosters nahm 1835 mit der Desamortisation unter Mendizábal eine dramatische Wendung, die zur Schließung und Vertreibung der Benediktinergemeinschaft führte.
Architektonische Pracht und Rivalität
Die Architektur von San Martiño Pinario ist eine prächtige Mischung aus Renaissance, Barock und Neoklassizismus. Die Hauptfassade der Kirche, die ab 1697 von Fray Gabriel de las Casas entworfen wurde, ist ein Meisterwerk des Barock. Der gesamte Komplex zeigt jedoch die Handschrift zahlreicher Meister, darunter Mateo López, Bartolomé Fernández Lechuga und Fernando de Casas y Novoa.
Trotz seiner Pracht spiegelt der Entwurf des Klosters eine historische Rivalität mit seinem mächtigen Nachbarn wider. Das Domkapitel von Santiago widersetzte sich erfolgreich den Plänen des Architekten José Peña de Toro, höhere Türme für die Klosterkirche zu bauen. Damit sollte sichergestellt werden, dass die Kathedrale von Santiago das optisch dominante Bauwerk in der Stadtsilhouette blieb.
Bemerkenswerte Ausstattung im Inneren
Im Inneren birgt die Kirche mehrere Kunstschätze. Der Hauptaltar ist ein ausgeklügeltes, doppelseitiges Werk von Fernando de Casas y Novoa, dem gleichen Architekten, der auch die berühmte Obradoiro-Fassade der Kathedrale entworfen hat. Er präsentiert eine kunstvolle Komposition für die Öffentlichkeit im Kirchenschiff und eine separate für den Chor, die ausschließlich der Klostergemeinschaft vorbehalten war.
Das prächtige Chorgestühl aus der Renaissance, das sich heute im Hochchor befindet, hat seine ganz eigene Geschichte. Es wurde ursprünglich für die Kathedrale von Santiago de Compostela angefertigt, in den 1940er Jahren nach San Martiño Pinario verlegt und befindet sich dort seit seiner Restaurierung im Jahr 2004.
Das Kloster heute
San Martiño Pinario ist nach wie vor ein wichtiger Teil des spirituellen und akademischen Lebens von Santiago de Compostela. Der Komplex beherbergt heute das Priesterseminar der Erzdiözese und das Diözesanarchiv. Er dient auch als universitäre Einrichtung mit Hörsälen für die Fachbereiche Theologie und Soziale Arbeit. Ein Teil des Gebäudes wird als Hotel genutzt, während ein anderer Teil ein Museum für sakrale Kunst ist, das Sammlungen von Gemälden, Skulpturen, liturgischen Gegenständen und die historische Apotheke des Klosters zeigt.
FAQ
Warum ist San Martiño Pinario so groß?
Ende des 15. Jahrhunderts war es zum reichsten und mächtigsten Kloster in Galicien aufgestiegen. Dieser Reichtum finanzierte seine massive Erweiterung, die es mit einer Fläche von rund 20.000 Quadratmetern zum zweitgrößten Kloster Spaniens machte.
Welche Verbindung besteht zwischen San Martiño Pinario und der Kathedrale von Santiago?
Das Kloster wurde für Mönche gegründet, die wegen des Baus der Kathedrale umgesiedelt wurden. Außerdem gab es eine historische Rivalität: Das Domkapitel verhinderte erfolgreich, dass das Kloster höhere Türme baute, damit es die Kathedrale nicht in den Schatten stellt.
Was ist das Besondere am Hauptaltar der Kirche?
Der von Fernando de Casas Novoa entworfene Hauptaltar ist doppelseitig. Er hat eine kunstvolle Seite, die der Öffentlichkeit im Kirchenschiff zugewandt ist, und eine separate Gestaltung, die zum Chor hin ausgerichtet und für die Klostergemeinschaft bestimmt war.
Woher stammt das Chorgestühl in San Martiño Pinario?
Das Chorgestühl aus der Renaissance wurde nicht ursprünglich für das Kloster angefertigt. Es wurde für die Kathedrale von Santiago de Compostela geschaffen und in den 1940er Jahren nach San Martiño Pinario verlegt.



