Wiens Freyung: die Geburtsstunde des Christkindlmarkts - Wien
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Ziel

Wiens Freyung: die Geburtsstunde des Christkindlmarkts

Wien, Austria

Die historische Wiege der Wiener Weihnachtsmärkte

Die Freyung ist ein dreieckiger Platz in der Wiener Inneren Stadt, gesäumt von historischer Pracht wie dem Schottenstift und Adelspalais wie dem Palais Daun-Kinsky und dem Palais Harrach. Zwar gab es schon im Mittelalter saisonale Märkte wie den Thomasmarkt im Wiener Stadtgebiet, doch für die vorweihnachtliche Geschichte der Stadt ist die Freyung das eigentliche Fundament. 1722 erwähnt ein städtisches Dokument erstmals einen echten Adventsmarkt auf dem Platz: den Nikolo-, Weihnachts- und Krippenmarkt mit beachtlichen 108 Holzbuden.

Die Wurzeln des Platzes reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Zwischen 1155 und 1158 rief Herzog Heinrich II. Jasomirgott irisch-schottische Benediktinermönche nach Wien, um vor den alten römischen Stadtmauern ein Kloster zu errichten. Der Name Freyung leitet sich vom mittelalterlichen Asylrecht ab, der sogenannten Freiung, die dem Schottenstift verliehen wurde. Innerhalb des Klosterbezirks galt die städtische Gerichtsbarkeit nicht, Flüchtige fanden hier legalen Schutz.

Wandel und Wanderschaft des Weihnachtsmarkts

Im 18. Jahrhundert war der winterliche Markt auf dem Klostergelände ein florierender Umschlagplatz für Lebzelter und Krippenschnitzer. Allerdings diente das Areal auch dem täglichen Lebensmittelhandel. Das Gedränge führte zu ständigem Zoff: Reguläre Lebensmittelhändler und über 130 Weihnachtsbudenbetreiber stritten erbittert um das knappe Pflaster.

1842 machte die Stadtverwaltung dem Gerangel ein Ende und verlegte den offiziellen Adventmarkt auf den nahegelegenen, deutlich größeren Platz Am Hof. In den folgenden anderthalb Jahrhunderten zog Wiens Hauptweihnachtsmarkt ruhelos durch die Stadt, über den Stephansplatz, den Neubaugürtel und den Messepalast (das heutige MuseumsQuartier), bis er sich 1975 als opulentes Großereignis auf dem Rathausplatz etablierte.

Erst 1989 kehrte das festliche Markttreiben an seinen angestammten Ort auf der Freyung zurück. Der Altwiener Christkindlmarkt, der 1987 zunächst am Michaelerplatz ins Leben gerufen worden war, zog auf den Platz, um eine handwerkliche, besinnliche Alternative zum kommerziellen Großspektakel zu bieten.

Der Altwiener Christkindlmarkt heute

Heute öffnet der Altwiener Christkindlmarkt jedes Jahr von Mitte November bis zum 23. Dezember seine 55 bis 60 Holzstände. Eingerahmt von den Zwillingstürmen der Schottenkirche liegt der Duft von Tannenzweigen, Zimt, Orangenschalen und heißem Glühwein über den kupfernen Punschkesseln.

Der Markt setzt ganz bewusst auf traditionelle Handwerkskunst statt austauschbarer Massenware. An den Buden finden sich mundgeblasener Christbaumschmuck, Keramik, Schnitzereien, kunstvolle Krippen und regionale Winterspezialitäten wie Kletzenbrot. Ergänzend zum Kunsthandwerk versorgt ein Biobauernmarkt die Besucher mit regionalen Spezialitäten. Auch das Rahmenprogramm hat Tradition: Alpenländische Turmbläser, Chöre und das Puppentheater für Kinder gehören fest zum täglichen Marktleben.

Kunst und Kurioses auf der Freyung

Neben den Ständen hält der Platz bemerkenswerte Kunstwerke bereit. An den straßenseitigen Rückwänden der Holzhütten erstreckt sich die Längste Krippe Österreichs. Der rund 46 Meter lange, durchgehende Holzfries wurde von der Künstlerin Dorothea Neudorfer geschaffen und basiert auf einem Krippenzyklus des Malers Josef Ritter von Führich aus dem Jahr 1830.

Inmitten des Platzes steht der Austriabrunnen, den der Bildhauer Ludwig Schwanthaler 1846 schuf. Die allegorische Bronzefigur der Austria thront über den Personifikationen von vier Hauptflüssen des Habsburgerreiches: Donau, Elbe, Weichsel und Po. Eine hartnäckige Wiener Legende besagt, Schwanthaler habe die Hohlräume der Figuren genutzt, um Zigarren aus seiner Münchner Gießerei nach Wien zu schmuggeln. Moderne Restaurierungen brachten jedoch ernüchternde Gewissheit: Die Statuen waren vollkommen leer.

FAQ

Wann fand der erste urkundlich belegte Weihnachtsmarkt auf der Freyung statt?

Der erste urkundlich belegte Markt auf der Freyung fand 1722 statt: Historische Aufzeichnungen verzeichneten damals 108 Holzstände beim sogenannten Nikolo-, Weihnachts- und Krippenmarkt.

Woher stammt der Name Freyung?

Der Name geht auf das mittelalterliche Asylprivileg (die sogenannte Freiung) des Schottenstifts zurück, das Flüchtigen Schutz vor dem Zugriff der städtischen Gerichtsbarkeit bot.

Warum wurde der Weihnachtsmarkt im 19. Jahrhundert von der Freyung verlegt?

Wegen anhaltender Streitigkeiten um die knappe Fläche zwischen den täglichen Lebensmittelhändlern und über 130 saisonalen Marktständen verlegte die Stadt den Markt 1842 auf den größeren Platz Am Hof.

Was ist die Längste Krippe Österreichs?

Die Längste Krippe Österreichs ist ein 46 Meter langer bemalter Holzfries an der Rückseite der Marktstände entlang der Straße, gestaltet von Dorothea Neudorfer nach einer Vorlage von Josef Ritter von Führich aus dem Jahr 1830.

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