
Heldenplatz: Wiens kaiserlicher Prachtplatz und seine Geschichte
Der Heldenplatz ist die monumentale Freifläche der Wiener Hofburg in der Inneren Stadt. Eingerahmt vom geschwungenen Halbrund der Neuen Burg, dem geschichtsträchtigen Leopoldinischen Trakt und dem klassizistischen Äußeren Burgtor bildet der Platz eine imposante Schwelle zwischen der historischen Altstadt und dem Prachtboulevard der Ringstraße aus dem 19. Jahrhundert.
Einst erhob sich hier die Burgbastei, eine Schlüsselbastion im Wiener Befestigungsgürtel. Napoleons Truppen sprengten das Bollwerk 1809 in die Luft. Zwischen 1817 und 1819 wurden die Trümmer abgetragen und ein ebener Exerzierplatz geschaffen, aus dem sich nach und nach die monumentale Bühne entwickelte, auf der du heute stehst.
Monumentale Statuen und ein technisches Meisterstück
Seinen Namen verdankt der Heldenplatz zwei gewaltigen bronzenen Reiterdenkmälern aus der Werkstatt von Anton Dominik Fernkorn. Das erste zeigt Erzherzog Karl und wurde 1860 feierlich enthüllt. Das zweite, nur ein Stück weiter drüben, porträtiert Prinz Eugen von Savoyen und folgte 1865.
Die Statue von Erzherzog Karl gilt als meisterhafter Coup der Bronzegießkunst: Fernkorn konstruierte das steigende Pferd so genial, dass sein gesamtes Bronzegewicht einzig auf den beiden Hinterbeinen balanciert, ganz ohne den Schweif als stützendes Element zu nutzen. Dieser Drahtseilakt ließ sich allerdings schwer wiederholen. Als Fernkorn Jahre später das Denkmal für Prinz Eugen goss, musste der Pferdeschweif fest auf dem Sockel aufliegen, um der Skulptur den nötigen Halt zu geben.
Erzherzog Karl und die Wiener Weihnachtstradition
Abseits kriegerischer Heldentaten nahm das Haus von Erzherzog Karl maßgeblichen Einfluss auf das österreichische Brauchtum. Zuvor drehte sich das katholische Weihnachtsfest fast ausschließlich um Kirchenliturgie, die Christmette und kunstvoll geschnitzte Krippen. Ein geschmückter Nadelbaum in den eigenen vier Wänden galt damals als befremdlicher, norddeutsch-protestantischer Import.
Erst Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg, eine reformierte Protestantin und Gemahlin von Erzherzog Karl, brachte den Brauch an den Hof. 1816, nach der Geburt ihrer ersten Tochter, ließ Henriette in ihrem Stadtpalais den ersten historisch verbürgten Christbaum mit brennenden Kerzen im Kreis der Habsburger aufstellen. Kaiser Franz I. war bei der Feier zu Gast, verfiel dem Lichterglanz sofort und ordnete an, künftig jedes Jahr einen Tannenbaum in der Hofburg erstrahlen zu lassen.
Hochadel und Biedermeier-Bürgertum griffen den imperialen Trend eilig auf. Schon Ende der 1820er-Jahre priesen Händler am Schottentor Tannenbäume an, und um 1851 glich der Markt auf dem Platz Am Hof einem kleinen Nadelwald. Dieser Wandel machte aus den Wiener Adventmärkten, die bis dahin nüchterne Umschlagplätze für Vorräte und Alltagsgüter waren, stimmungsvolle Treffpunkte für Baumschmuck, Spielzeug und Geschenke. Als Henriette 1829 mit nur 32 Jahren starb, nachdem sie ihre an Scharlach erkrankten Kinder aufopfernd gepflegt hatte, setzte Kaiser Franz I. ihre Beisetzung in der Kapuzinergruft durch. Allen Protesten des katholischen Klerus zum Trotz. Bis heute ist sie die einzige Protestantin, die dort ihre letzte Ruhe fand.
Das unvollendete Kaiserforum und das moderne Stadtleben
Der Heldenplatz ist außerdem das Herzstück des nie vollendeten Kaiserforums, das die Architekten Gottfried Semper und Carl von Hasenauer im späten 19. Jahrhundert ersonnen hatten. Ihr gigantischer Plan sah einen zweiten geschwungenen Palastflügel vor, der die Neue Burg spiegelbildlich über den Platz hinweg ergänzen und auf dem Areal des heutigen Volksgartens stehen sollte. Auch wenn diese imperiale Vision nie ganz verwirklicht wurde, besitzt die Freifläche bis heute monumentale Dimensionen.
Heute dient der Platz als feierliche Kulisse und lebendiger Treffpunkt, unmittelbar vor den Amtsräumen des österreichischen Bundespräsidenten im Leopoldinischen Trakt. Im Advent verwandelt er sich in eine belebte Flaniermeile, auf der Einheimische wie Gäste zwischen den historischen Weihnachtsmärkten der Innenstadt und den Ständen auf dem Maria-Theresien-Platz hin und her schlendern. Dazwischen warten die traditionellen Wiener Fiaker, um ihre Fahrgäste im gemächlichen Hufgeklapper über das Pflaster unter der erleuchteten Fassade der Neuen Burg zu kutschieren.
FAQ
Was macht das Reiterdenkmal von Erzherzog Karl auf dem Heldenplatz bautechnisch so einzigartig?
Das von Anton Dominik Fernkorn geschaffene und 1860 enthüllte Bronze-Reiterstandbild von Erzherzog Karl ist gießtechnisch so ausbalanciert, dass sein gesamtes Gewicht ausschließlich auf den beiden Hinterbeinen des Pferdes ruht, ganz ohne Stütze durch den Schweif.
Wie hängt der Heldenplatz mit der Wiener Weihnachtsbaumtradition zusammen?
Erzherzog Karl war mit Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg verheiratet, die 1816 den ersten belegten Christbaum mit brennenden Kerzen bei den Habsburgern aufstellte. Kaiser Franz I. war so angetan, dass er fortan jedes Jahr einen Baum in der Hofburg erstrahlen ließ und den Brauch so in ganz Wien populär machte.
Wie sah der ursprüngliche Entwurf für das Kaiserforum auf dem Heldenplatz aus?
Die Architekten Gottfried Semper und Carl von Hasenauer entwarfen ein kaiserliches Forum mit einem zweiten geschwungenen Palastflügel, der die Neue Burg auf der gegenüberliegenden Seite spiegeln und auf dem Gelände des heutigen Volksgartens stehen sollte. Er wurde allerdings nie verwirklicht.



