
Kirche am Hof: Wiens geschichtsträchtige Barockkirche
Das architektonische Herzstück von Am Hof
Die Kirche am Hof, offiziell Kirche zu den neun Chören der Engel genannt, bildet den architektonischen Mittelpunkt von Am Hof, einem der ältesten und größten Plätze der Wiener Innenstadt. Mit ihrer frühbarocken Fassade und dem markanten Altan thront der helle Steinbau über einem Ort, der acht Jahrhunderte Wiener Stadt- und Politikgeschichte miterlebt hat.
Gemeinsam mit der nur einen Katzensprung entfernten Freyung bildet Am Hof ein historisches Doppelpack. Zusammen veranschaulichen die beiden Plätze, wie sich das mittelalterliche Wien von klösterlichen Rückzugsorten zu weitläufigen Arealen wandelte, auf denen Platz für große religiöse Zusammenkünfte, Militäraufmärsche und den städtischen Handel war.
Vom Herzogssitz zum Marktplatz
Die Geschichte des Platzes reicht zurück in die Jahre 1155 bis 1156: Babenberger-Herzog Heinrich II. „Jasomirgott“ wählte diesen Ort für seine Residenz, die Pfalz, und sicherte Am Hof damit seinen bleibenden Namen. Das adelige Kapitel endete um 1280, als die herrschenden Habsburger ihren Sitz dorthin verlegten, wo heute die Hofburg steht.
Nach dem Auszug des Hofstaats entwickelte sich das Areal rasch zum lebhaften Handelszentrum der Bürger. Ab 1358 florierte hier ein offiziell geregelter Weinmarkt. Im 14. und 15. Jahrhundert feilschten Händler auf dem Kopfsteinpflaster um Fisch, Krebse, Obst, Gemüse und Backwaren. Hier schlug das Herz des alltäglichen mittelalterlichen Handels.
Bedeutende Denkmäler und Wahrzeichen
Rund um die Kirche am Hof reihen sich geschichtsträchtige Monumente aus verschiedenen Jahrhunderten aneinander:
- Die Mariensäule: Mitten auf dem Platz ragt diese bronzene Säule auf. Sie wurde im 17. Jahrhundert als Dank dafür gestiftet, dass die schwedischen Truppen Wien 1645 im Dreißigjährigen Krieg verschont hatten.
- Bürgerliches Zeughaus: Im 18. Jahrhundert lagerten hier die Waffen der Stadtbürger. Nach späteren Umbauten beherbergt das Gebäude heute die Zentrale der Wiener Berufsfeuerwehr.
- Palais Collalto: In diesem Adelspalais gab der damals sechsjährige Wolfgang Amadeus Mozart 1762 sein allererstes öffentliches Konzert in Wien.
- Römisches Erbe im Untergrund: Tief unter dem heutigen Straßenpflaster liegt ein intakter steinerner Abwasserkanal (der Lagerhauptkanal) des antiken römischen Legionslagers Vindobona. Er lässt sich bis heute über den Keller der Feuerwehrzentrale erreichen.
Revolutionäre Wirren im Jahr 1848
Abseits von kaiserlichen Zeremonien und Handelstreiben wurde der Platz während der Revolution von 1848 zum Schauplatz dramatischer politischer Gewalt. Bewaffnete Aufständische stürmten das kaiserliche Kriegsministerium am Hof und brachten Kriegsminister Graf Baillet von Latour in ihre Gewalt. Die Menge lynchte den Minister kurzerhand an einer Straßenlaterne mitten auf dem Platz. Nach den Unruhen wurde das Areal kurzzeitig in „Volksplatz“ umbenannt, bevor es seinen angestammten Namen zurückerhielt.
Der Wandel zum Weihnachtsmarkt
Im Jahr 1842 verlegte der Wiener Magistrat den zentralen Christkindlmarkt von der Freyung hierher nach Am Hof, um Streitereien unter den Händlern zu beenden und das dichte Gedränge zu entzerren. Bis 1918 blieb der Platz die Hauptbühne des vorweihnachtlichen Markttreibens, meist von Ende November bis zum 5. Januar, und füllte diese Rolle zwischen 1939 und 1942 noch einmal kurzzeitig aus.
Nachdem in den 1970er- und 1980er-Jahren Floh- und Antiquitätenmärkte auf den Platz lockten, kehrten in den Neunzigern die ersten Adventshütten zurück. Daraus entstand 1998 der moderne Weihnachtsmarkt am Hof. Von Mitte November bis zum 23. Dezember versammeln sich hier heute alljährlich über 70 Stände. Geboten werden regionale Schmankerln, Glühwein und heißer Uhudler-Punsch sowie ein Kunsthandwerksmarkt in begehbaren Holzhütten, die Schutz vor dem eisigen Winterwind bieten.
FAQ
Wie entstand der Platz rund um die Kirche am Hof?
Der Platz entstand um 1155 bis 1156, als Babenberger-Herzog Heinrich II. „Jasomirgott“ dort seinen Herzogssitz errichtete. Nachdem die Habsburger ihre Residenz um 1280 in die Hofburg verlegt hatten, wandelte sich der Ort zu einem städtischen Marktplatz.
Warum wurde die Mariensäule vor der Kirche am Hof errichtet?
Die bronzene Mariensäule wurde im 17. Jahrhundert aus Dankbarkeit gestiftet, nachdem die schwedische Armee die Stadt Wien 1645 im Dreißigjährigen Krieg verschont hatte.
Welches historische Großereignis trug sich 1848 Am Hof zu?
Während der Revolution von 1848 stürmten Aufständische das kaiserliche Kriegsministerium am Platz und lynchten den österreichischen Kriegsminister Graf Baillet von Latour an einer Laterne. Daraufhin wurde der Platz kurzzeitig in Volksplatz umbenannt.
Welche römischen Relikte verbergen sich unter dem Platz?
Direkt unter dem Pflaster liegt ein intakter steinerner Abwasserkanal (Lagerhauptkanal), der einst das Schmutzwasser aus dem römischen Legionslager Vindobona ableitete.



