
Karlskirche Wien: Geschichte und Architektur
Die Karlskirche gehört zu den spektakulärsten Barockbauten Wiens und prägt mit ihrer türkis schimmernden ovalen Kuppel und den beiden monumentalen Säulen die Südseite des Karlsplatzes. Als kaiserliche Votivkirche erbaut, dient das Bauwerk bis heute einer lebendigen Pfarrgemeinde und ist zugleich ein eindrucksvolles Zeugnis habsburgischer Machtpolitik, architektonischen Ehrgeizes und barocker Frömmigkeit des frühen 18. Jahrhunderts.
Das kaiserliche Pestgelübde und die Entstehung
Im Jahr 1713 wurde Wien von seiner letzten verheerenden Pestepidemie heimgesucht, die über 8.000 Menschen das Leben kostete. Inmitten der Krise gelobte Kaiser Karl VI. den Bau einer prachtvollen Kirche zu Ehren seines Namenspatrons, des heiligen Karl Borromäus. Der Mailänder Erzbischof aus dem 16. Jahrhundert war berühmt für seinen unerschrockenen seelsorgerischen Beistand während der Seuchenjahre.
Nach einem Architekturwettbewerb im Jahr 1716 sicherte sich Hofarchitekt Johann Bernhard Fischer von Erlach den kaiserlichen Auftrag. Nach seinem Tod 1723 übernahm sein Sohn Joseph Emanuel die Vollendung des Baus. Am 28. Oktober 1737 wurde die Kirche schließlich geweiht.
Anders als die traditionellen mittelalterlichen Gotteshäuser, die sich dicht an dicht hinter den Wiener Stadtmauern drängten, entstand die Karlskirche vor den Toren der Stadt auf dem offenen Glacis nahe dem Wienfluss. Diese Lage war ein kalkulierter Schachzug: Sie schuf eine freie Sichtachse, die den Sakralbau direkt mit der kaiserlichen Hofburg verband. Über dem Portal erinnert eine lateinische Inschrift an das eingelöste Versprechen: Vota mea reddam in conspectu timentium deum („Ich will meine Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten“).
Architektonische Synthese und sakrale Kunst
Die Architektur der Karlskirche vereint antike römische, griechische und barocke Elemente zu einem harmonischen Gesamtbild. Das Zentrum der Fassade bildet ein sechssäuliger Tempelportikus nach antikem Vorbild, flankiert von zwei 47 Meter hohen Triumphsäulen, die von der Trajanssäule in Rom inspiriert sind. Die spiralförmig aufsteigenden Reliefs von Lorenzo Mattielli erzählen vom Leben und den aufopferungsvollen Taten des heiligen Karl Borromäus während der Pestepidemien.
Über dem Portikus ragt die ovale Kuppel mehr als 70 Meter in die Höhe, flankiert von zwei Turmpavillons mit pagodenartigen Laternen. Im Inneren zieht ein 1.250 Quadratmeter großes Deckenfresko von Johann Michael Rottmayr die Blicke auf sich. Das monumentale Gemälde zeigt Karl Borromäus, wie er göttliche Gnade für die leidende Stadt erfleht, während ein Engel das Pestschwert in die Scheide steckt, als Symbol für das Ende der Heimsuchung.
Direkt vor der Kirche liegt ein großes Wasserbecken. Seit 1978 beherbergt es Hill Arches, eine mächtige Bronzeskulptur des britischen Künstlers Henry Moore. Moore wünschte sich die Skulptur ganz bewusst asymmetrisch im Becken platziert: Ihre geschwungenen Formen sollten die ovale Kuppel der Kirche spielerisch rahmen und ergänzen, anstatt die Sichtachse zu verstellen.
Die letzte Ruhestätte von Antonio Vivaldi
Die Karlskirche verbindet eine bewegende Geschichte mit dem italienischen Komponisten Antonio Vivaldi. Dieser war in seinen späten Lebensjahren nach Wien gezogen, starb dort im Juli 1741 völlig verarmt und wurde in einem namenlosen Armengrab auf dem Bürgerspital-Gottesacker beigesetzt, dem damaligen Spitalsfriedhof unmittelbar neben der Kirche.
Auch wenn der Friedhof Ende des 18. Jahrhunderts überbaut wurde und heute zum Campus der Technischen Universität gehört, hält die Karlskirche die Erinnerung an den Meister lebendig. Als renommierter Aufführungsort für klassische Musik bringt sie sein Meisterwerk, Die vier Jahreszeiten, regelmäßig zu Gehör, nur wenige Schritte von seiner Ruhestätte entfernt.
Art Advent am Karlsplatz
Jedes Jahr im November und Dezember verwandelt sich der weite Platz vor der Kirche in den Art Advent Kunst und Handwerk am Karlsplatz. Dieser Wintermarkt ist bekannt für seine kompromisslosen Qualitätsansprüche: Statt industrieller Massenware gibt es hier ausnahmslos juriertes Kunsthandwerk aus regionalen Werkstätten. Zudem ist er der einzige Weihnachtsmarkt in ganz Österreich, dessen gesamtes gastronomisches Angebot zu 100 Prozent bio-zertifiziert ist.
Zur Marktzeit wird das Wasserbecken trockengelegt und mit tonnenweise Stroh- und Heuballen gefüllt, sodass vor der erleuchteten Fassade eine riesige Spiellandschaft entsteht. Ganz im Sinne von Nachhaltigkeit und echter Handarbeit sind auch die Karussells und Schienenwagen aus Schrott und Fundstücken zusammengebaut, angetrieben einzig durch Pedale und reine Muskelkraft.
FAQ
Warum wurde die Karlskirche erbaut?
Kaiser Karl VI. gab den Bau nach einem feierlichen Gelübde während der Pestepidemie von 1713 in Auftrag. Als Dank für das Ende der Seuche wurde die Kirche dem heiligen Karl Borromäus geweiht, der als Fürsprecher gegen den Schwarzen Tod verehrt wurde.
Was verbindet Antonio Vivaldi mit der Karlskirche?
Der Komponist Antonio Vivaldi starb im Juli 1741 verarmt in Wien und wurde in einem namenlosen Armengrab auf dem Bürgerspital-Gottesacker direkt neben der Kirche beigesetzt. Bis heute ehrt die Karlskirche ihn unweit seiner Grabstätte mit regelmäßigen Aufführungen seiner Werke, insbesondere der „Vier Jahreszeiten“.
Was macht den Art Advent am Karlsplatz so besonders?
Der Art Advent am Karlsplatz ist der einzige Weihnachtsmarkt Österreichs mit einer zu 100 Prozent bio-zertifizierten Gastronomie. Er begeistert mit juriertem Kunsthandwerk, einer riesigen Strohlandschaft im trockengelegten Brunnenbecken und originellen Fahrgeschäften aus Altmetall, die rein mit Muskelkraft betrieben werden.



