
Maria-Theresien-Platz: Wiens Markt zwischen den Zwillingsmuseen
Direkt am Burgring der Wiener Ringstraße im 1. Bezirk gelegen, gehört der Maria-Theresien-Platz zu den monumentalsten Prachtplätzen der österreichischen Hauptstadt. Genau gegenüber der Hofburg und dem Heldenplatz im Nordosten und flankiert vom MuseumsQuartier im Südwesten bildet der Platz eine symmetrische imperiale Achse. Im Winter dient diese grandiose Kulisse als Schauplatz für das Weihnachtsdorf Maria-Theresien-Platz, einen traditionellen Weihnachtsmarkt, eingerahmt von zwei spiegelgleichen Museumspalästen.
Die Vision des Kaiserforums und imperiale Architektur
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Areal des Maria-Theresien-Platzes Teil des Glacis, jener unbebauten Verteidigungszone vor den mittelalterlichen Festungsmauern Wiens. Nachdem Kaiser Franz Joseph I. 1857 die Schleifung der Stadtmauern und den Bau des Ringstraßenboulevards beschlossen hatte, präsentierte der Architekt Gottfried Semper 1870 seine ambitionierten Pläne für das Kaiserforum. Semper wollte die kaiserliche Hofburg über monumentale Triumphbögen über die Ringstraße hinweg mit den Hofstallungen verbinden, mit dem Heldenplatz auf der einen und dem Maria-Theresien-Platz auf der anderen Seite.
Auch wenn die verbindenden Triumphbögen letztlich nie gebaut wurden, setzten Semper und der Architekt Carl von Hasenauer die prägende Architektur des Platzes um. Zu beiden Seiten erheben sich zwei Zwillingspaläste im Stil der Neorenaissance, die eigens für die kaiserlichen Sammlungen der Habsburger errichtet wurden: das Naturhistorische Museum (eröffnet 1889) und das Kunsthistorische Museum (eröffnet 1891). Beide Bauten messen rund 170 mal 70 Meter, ihre zentralen Kuppeln ragen gut 65 Meter in die Höhe. Auf den ersten Blick wirken die Fassaden wie Spiegelbilder, doch der Blick nach oben verrät den Unterschied: Auf dem Kunsthistorischen Museum thront eine Statue der Pallas Athene, während das Naturhistorische Museum vom Sonnengott Helios gekrönt wird.
Das Maria-Theresien-Denkmal und die Brunnen
Im Mittelpunkt des Platzes steht das Maria-Theresien-Denkmal, das größte Habsburger-Monument Wiens. Das von Bildhauer Caspar von Zumbusch und Architekt Carl von Hasenauer entworfene, 19,4 Meter hohe Bronzedenkmal ruht auf einem 632 Quadratmeter großen Sockel und wurde am 13. Mai 1888 feierlich enthüllt. Die Herrscherin hält die Pragmatische Sanktion von 1713 in der Hand, jenes Staatsgrundgesetz ihres Vaters Karl VI., das die weibliche Thronfolge im Hause Habsburg ermöglichte. Rund um den Sockel versammeln sich Statuen und Reliefmedaillons der führenden Feldherren, Ratgeber und Gelehrten ihrer Regentschaft, darunter auch eine Reliefdarstellung des jungen Wolfgang Amadeus Mozart.
In den geometrisch angelegten Rasenbeeten rund um das Denkmal plätschern vier identische Tritonen- und Najadenbrunnen. Aus Carrara-Marmor und Konglomeratgestein gehauen, wurden die Brunnen zwischen 1887 und 1894 von Anton Schmidgruber, Hugo Haerdtl und Edmund Hofmann von Aspernburg geschaffen.
Das Weihnachtsdorf
In der Adventszeit verwandelt sich das Areal in das Weihnachtsdorf Maria-Theresien-Platz. Die Wiener nennen das bunte Treiben liebevoll „Zwidemu“, die mundgerechte Abkürzung für „zwischen den Museen“. Im Gegensatz zu älteren Wiener Adventmärkten, die auf mittelalterliche Handelsplätze oder Klosterhöfe zurückgehen, atmet der Markt hier den späthistoristischen Glanz der Ringstraßenzeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Rund 70 Holzhütten reihen sich entlang der Parkwege und umrunden das Maria-Theresien-Denkmal. Aus planerischer Tradition setzt die Seite beim Kunsthistorischen Museum vor allem auf Kunsthandwerk, feine Souvenirs, echte Wiener Schneekugeln und mundgeblasenen Christbaumschmuck. Drüben beim Naturhistorischen Museum dreht sich alles um saisonale Köstlichkeiten: heiße Maroni, Würstel, Trinkschokolade und dampfender Punsch.
Geöffnet ist traditionell täglich von Mitte November bis zum 26. Dezember, bevor der Markt oft noch bis zum 31. Dezember als Silvesterdorf weiterfeiert. Wegen städtischer und musealer Bauarbeiten für barrierefreie Eingänge unter der Regie der Burghauptmannschaft Österreich war für den Advent 2025 eine kurze Auszeit des Marktes vorgesehen.
FAQ
Was unterscheidet die beiden Zwillingsmuseen am Maria-Theresien-Platz?
Obwohl die Fassaden des Kunsthistorischen und des Naturhistorischen Museums spiegelgleich wirken, verraten die Figuren auf den 65 Meter hohen Kuppeln den Unterschied: Das Kunstmuseum schmückt Pallas Athene, das Naturhistorische Museum wird vom Sonnengott Helios gekrönt.
Was bedeutet der Wiener Spitzname „Zwidemu“?
„Zwidemu“ ist eine typische Wiener Abkürzung für „zwischen den Museen“ und bezeichnet den Platz sowie den dortigen Weihnachtsmarkt, der sich malerisch zwischen die beiden Prachtbauten schmiegt.
Welche historischen Persönlichkeiten sind auf dem Maria-Theresien-Denkmal dargestellt?
Das Denkmal zeigt Kaiserin Maria Theresia mit der Pragmatischen Sanktion von 1713, umgeben von Beratern, Militärs und Hofkünstlern, darunter auch ein Relief des jungen Wolfgang Amadeus Mozart.
Warum sollte der Weihnachtsmarkt im Advent 2025 pausieren?
Der Markt sollte 2025 vorübergehend aussetzen, da die Burghauptmannschaft Österreich Bauarbeiten an Stadt und Museen koordinierte, um barrierefreie Eingänge zu schaffen.



