
Crkva Svetog Vasilija Velikog in Konjic
Geschichte und österreichisch-ungarische Wurzeln
Die Kirche des heiligen Basilius des Großen (Crkva svetog Vasilija Velikog) thront am Hang des Varda-Hügels in Konjic und blickt auf das rechte Ufer der Neretva hinab. Nachdem Österreich-Ungarn die Region 1878 besetzt hatte, wuchs Konjic rasant, vor allem durch den Zuzug von Händlern und Beamten. Um der wachsenden orthodoxen Gemeinde Raum zu geben, begann 1885 der Bau einer eigenen Stadtkirche. Zuvor mussten die Gläubigen den Weg ins nahe gelegene Čelebići auf sich nehmen, bis der Neubau, wie die Regionalzeitung Sarajevski list damals stolz vermerkte, die Gemeinde endlich unabhängig machte.
Am 26. Oktober 1886 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Heute gehört die Kirche zur Pfarrei Konjic innerhalb der serbisch-orthodoxen Eparchie Zahumlje, Herzegowina und das Küstenland und bildet einen unverzichtbaren geistlichen Ankerpunkt der Region.
Architektur und Lage
Architektonisch präsentiert sich das Bauwerk als einschiffige Steinkirche mit den Maßen 9 mal 18 Meter. Sie ist klassisch in Ost-West-Richtung angelegt, mit einer halbrunden Apsis am östlichen Ende und einem Glockenturm, der direkt über dem Westportal aufragt. Die Fassade gibt sich betont schlicht: unverzierte, verputzte Steinmauern unter einem klassischen Satteldach.
Im November 2007 erklärte die Denkmalschutzkommission das Gotteshaus zum Nationaldenkmal von Bosnien und Herzegowina. Die Kirche steht in direkter Nachbarschaft zur Varda-Moschee aus dem 17. Jahrhundert. Dank der Hanglage verschmelzen hier das Geläut der Kirchenglocken und der islamische Gebetsruf zu einer ganz eigenen Klangkulisse. Nebeneinander emporragend, bilden Glockenturm und Minarett das wohl eindrücklichste Bild für die multireligiöse Geschichte von Konjic.
Die Ikonostase von 1925 und interreligiöse Handwerkskunst
Das wohl faszinierendste Detail im Kircheninneren wurzelt tief in der lokalen Handwerkstradition. 1925 zog eine hölzerne Ikonostase in den Altarraum ein. Geschnitzt wurde sie in meisterhafter Handarbeit von zwei angesehenen muslimischen Meisterschnitzern aus der Stadt, Sulejman Hadžizukić und Salko Alagić. So fand die berühmte Konjicer Holzschnitzkunst ihren Weg mitten hinein in ein orthodoxes Heiligtum.
Auch alte Inventarlisten der Pfarrei zeugen von außergewöhnlichen Bildwerken. Besonders bemerkenswert: Eine Ikone von 1929 aus der Hand des Malers Sreto Domić zeigte die byzantinisch-slawischen Glaubensboten Kyrill und Method, überraschenderweise gekleidet in die Ordensgewänder von Franziskanermönchen.
Wiederaufbau nach dem Krieg und heutige Nutzung
Während des Krieges von 1992 bis 1995 wurde die Kirche geschändet und schwer beschädigt. Die historische Innenausstattung und die ursprünglichen Ikonen gingen dabei unwiederbringlich verloren. Ab dem Jahr 2000 begann der schrittweise Wiederaufbau, finanziert durch die Stadtgemeinde, Spenden aus der Diaspora und das Engagement der örtlichen Gläubigen. Gemeinsam deckte man das Dach neu, setzte Mauerwerk und Böden instand, installierte eine Heizung und renovierte die Hoftreppen und Außenmauern.
Bis heute ist die Kirche ein aktives Gotteshaus für die orthodoxe Gemeinde von Konjic. Da die Gemeinde nach den Kriegsjahren stark schrumpfte, wird die Göttliche Liturgie nicht mehr täglich gefeiert, sondern zu den großen christlichen Feiertagen und zum Patronatsfest (Slava) im Januar.
FAQ
Wann wurde die Crkva Svetog Vasilija Velikog erbaut?
Der Bau begann 1885 und wurde am 26. Oktober 1886 unter österreichisch-ungarischer Verwaltung abgeschlossen.
Wer hat die hölzerne Ikonostase der Kirche geschnitzt?
Die hölzerne Ikonostase von 1925 wurde von zwei muslimischen Meisterschnitzern aus Konjic geschaffen: Sulejman Hadžizukić und Salko Alagić.
Welchen offiziellen Denkmalstatus hat das Bauwerk?
Die Kirche wurde im November 2007 zum Nationaldenkmal von Bosnien und Herzegowina erklärt.
Finden in der Kirche täglich Gottesdienste statt?
Nein, die Göttliche Liturgie wird nur zu bestimmten Anlässen gefeiert, vor allem an hohen christlichen Feiertagen und zum Patronatsfest (Slava) im Januar.




