Der Bärengraben von Schloss Český Krumlov: Geschichte und Bären - Cesky-krumlov-1
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Der Bärengraben von Schloss Český Krumlov: Geschichte und Bären

Cesky-krumlov-1, Czechia

Der Bärengraben von Schloss Český Krumlov

Unter der Steinbrücke, die den ersten und zweiten Schlosshof von Schloss Český Krumlov verbindet, liegt der Medvědí příkop, der Bärengraben. Direkt am Schlosseingang nahe dem historischen Viertel Latrán diente der Graben ursprünglich als Wehranlage zum Schutz der Oberen Burg. 1760 ersetzte eine mit Statuen der Jungfrau Maria und des Heiligen Josef geschmückte Steinbrücke die frühere hölzerne Zugbrücke. Heute bietet das schattige Gehege Kletterstämme, eine Wiesenböschung, ein von fließendem Wasser gespeistes Naturbecken und geschützte Winterhöhlen unter den Brückenbögen.

Heraldischer Mythos und jahrhundertealte Tradition

Die Bärenhaltung auf Schloss Český Krumlov reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als Wilhelm von Rosenberg (Vilém z Rožmberka) die Tiere erstmals auf das Schlossgelände holte. Die Bären fungierten als lebendige Verkörperung des rosenbergischen Familienwappens, das zwei Bären als Schildhalter zeigte. Dieses heraldische Motiv ging auf den Anspruch der Familie zurück, vom römischen Adelsgeschlecht der Orsini abzustammen, deren Name sich vom lateinischen ursus (Bär) ableitet. Historische Archivrecherchen bewiesen später, dass diese Verbindung eine gezielte genealogische Fälschung war, ersonnen im 15. Jahrhundert von Ulrich II. von Rosenberg (Oldřich II. z Rožmberka), um das Ansehen der Dynastie aufzupolieren.

Historische Dokumente belegen die Bärenhaltung direkt in diesem Wehrgraben ab dem Jahr 1707. Damit begründete sie die am längsten dokumentierte Tradition dieser Art in ganz Tschechien. Nachdem das Geschlecht der Rosenberger erloschen war, ließen die Schwarzenbergs den Brauch 1857 wieder aufleben und importierten Bären aus Siebenbürgen. Bis auf eine Unterbrechung zwischen 1887 und 1907 wird der Graben seither durchgehend von Bären bewohnt.

Grabenbewohner und ihre tägliche Pflege

Derzeit leben drei Braunbären (Ursus arctos) im Gehege: eine ältere Bärin namens Marie Terezie und ein jüngeres Paar namens Vilém und Polyxena. Die beiden jüngeren Tiere kamen 2017 hierher, nachdem Zollbeamte sie am Prager Václav-Havel-Flughafen beschlagnahmt hatten. Sie sollten damals illegal aus Russland für einen Tierzirkus geschmuggelt werden.

Unter der staatlichen Denkmalverwaltung dient der Graben heute als Auffangstation und Gnadenhof. Betreut wird er von Chefpfleger Jan „Míša“ Černý unter tierärztlicher Aufsicht des Zoos Pilsen. Täglich bereitet der Pfleger gehaltvolle Smoothies aus Milch, Wasser, Honig und Omega-3-Fischöl zu, um Fell und Knochen der Tiere zu stärken. Um die natürliche Futtersuche anzuregen, werden Leckerbissen in großen geflochtenen Weidenbällen versteckt oder hoch oben in den Bäumen platziert, sodass sich die Bären strecken und klettern müssen.

Saisonale Gewohnheiten und Zukunftspläne

Einen echten Winterschlaf halten die Schlossbären nicht. Stattdessen verfallen sie in eine Phase gedrosselter Aktivität, die ihr Pfleger als „Couch-Surfen“ (gaučování) bezeichnet, geprägt von Trägheit und weniger Appetit. Dieser Zustand lässt sie aber wach genug, um an der alljährlichen „Bärenweihnacht“ (Medvědí Vánoce) am 24. Dezember teilzunehmen. Bei diesem Fest schmücken die Pfleger Tannenbäume mit Obst und Gebäck, während sich Schaulustige oben auf der Brücke versammeln.

Die Zukunft des Bärengrabens wird allerdings immer wieder diskutiert. Das Nationale Denkmalamt (NPÚ) hat ein Memorandum unterzeichnet, das vorsieht, die Haltung wilder Raubtiere in staatlichen Schlossgräben bis 2030 zu beenden. Schlossverwaltung und Petitionen aus der Bevölkerung halten dagegen und betonen, dass die hiesigen Bären nicht mehr ausgewildert werden können und an diesem geschichtsträchtigen Ort eine liebevolle Pflege auf Lebenszeit erhalten.

FAQ

Welche Bären leben derzeit im Schlossgraben?

Im Graben leben drei Braunbären: die betagte Bärin Marie Terezie und das jüngere Paar Vilém und Polyxena, das 2017 vor Tierschmugglern gerettet wurde.

Warum wurden ursprünglich Bären nach Schloss Český Krumlov gebracht?

Im 16. Jahrhundert schaffte Wilhelm von Rosenberg Bären an, um dem Familienwappen gerecht zu werden. Dieses basierte auf einer frei erfundenen Abstammungslegende, die die Rosenberger mit dem italienischen Geschlecht der Orsini verknüpfte.

Was geschieht während der Bärenweihnacht am Schlossgraben?

Jedes Jahr am 24. Dezember schmücken die Pfleger Tannenbäume im Graben mit Obst und Gebäck für die Bären, während sich Besucher auf der Brücke versammeln, um Geschenke mitzubringen.

Halten die Schlossbären im Winter Winterschlaf?

Nein, sie halten keinen echten Winterschlaf. Stattdessen verfallen sie in eine Energiesparphase, die ihr Pfleger als „Couch-Surfen“ (gaučování) bezeichnet, und bleiben wach genug, um an winterlichen Aktionen teilzunehmen.

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