Brunnen und Pestsäule in Český Krumlov - Cesky-krumlov-1
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Brunnen und Pestsäule in Český Krumlov

Cesky-krumlov-1, Czechia

Architektonische Eintracht auf dem Náměstí Svornosti

Mitten auf dem Náměstí Svornosti, dem viereckigen Hauptmarktplatz der Krumauer Innenstadt (Vnitřní Město), bildet das Ensemble aus Brunnen und Pestsäule das unübersehbare Herzstück des historischen Zentrums. Auf den ersten Blick wirkt alles wie aus einem barocken Guss, doch der Schein trügt: Mehr als ein Jahrhundert trennt die beiden Hälften dieses Denkmals. Hier verschmilzt eine religiöse Votivsäule aus dem 18. Jahrhundert mit einem städtischen Wasserbecken aus dem 19. Jahrhundert.

Der Platz selbst entstand bereits im 13. Jahrhundert in einer engen Schleife der Moldau und ist schon 1274 als bürgerlicher und wirtschaftlicher Mittelpunkt der Siedlung belegt. Wer von der Široká über die Panská oder Soukenická herschlendert, merkt schnell: Dieser freie Platz schlägt die Brücke zwischen der nahe gelegenen St.-Veits-Kirche und den Flussübergängen hinauf zum Schloss.

Die barocke Marien-Pestsäule

Die zentrale Säule wurde unter der Herrschaft der Eggenberger und Schwarzenberger in Auftrag gegeben, nachdem zwischen 1680 und 1682 eine verheerende Pestepidemie Südböhmen heimgesucht hatte. Geschaffen vom Prager Barockbildhauer Matěj Václav Jäckel zwischen 1714 und 1716, verstand sich die Votivsäule als steinernes Dankgebet und spiritueller Schutzschild gegen den Schwarzen Tod.

Ganz oben auf der hohen korinthischen Säule thront die Maria Immaculata auf einer Mondsichel. Darunter wachen acht Schutzheilige auf zwei architektonischen Ebenen. Auf dem oberen Absatz stehen die Heiligen Wenzel, Veit, Johannes der Evangelist und Judas Thaddäus. Die untere Ebene teilen sich die klassischen Pest- und Schutzpatrone: Rochus, Sebastian, Franz Xaver und Kajetan.

Die Wandlung des Stadtbrunnens

Lange bevor die Säule ihren Platz fand, holten sich die Krumauer hier ihr tägliches Wasser. Schon städtische Verordnungen aus den Jahren 1388 und 1443 erwähnen hölzerne Wasserbehälter an dieser Stelle. Im 16. und 17. Jahrhundert standen hier zudem steinerne Wassertröge, sogenannte Haltýře. Sie wurden mit fließendem Stadtwasser versorgt, eigens um fangfrische Süßwasserfische bis zum Markttag lebendig zu halten. 1577 folgte schließlich ein steinerner Renaissancebrunnen, gespeist über Rohre aus einem städtischen Teich nahe dem Oberen Tor.

Um 1843 war dieser Renaissancebrunnen allerdings baufällig geworden und wurde abgetragen. Um auf dem Marktplatz Platz zu sparen, fasste der Stadtrat einen pragmatischen Entschluss: Der neue Wasserspeicher sollte einfach mit dem bestehenden Denkmal verschmelzen. Zwischen 1843 und 1844 meißelte der Steinmetz Josef Hauber ein sechsseitiges Steinbecken direkt um den Sockel von Jäckels Pestsäule. Hauber ergänzte Treppenstufen und versah die Balustrade mit steinernen Löwenkopf-Wasserspeiern, aus denen das Wasser noch heute sanft in das tiefe Becken plätschert.

Bürgerstolz und historische Kulisse

Brunnen und Pestsäule sind bis heute von bemerkenswerter historischer Architektur umgeben. Direkt am Platz liegt das Rathaus (Hausnummer 1). Es entstand um 1597, als man mehrere ältere gotische Bürgerhäuser zusammenlegte, ihnen ein Erdgeschoss mit Laubengang verpasste und eine einheitliche Renaissancefassade vorblendete. Darauf prangen die Wappen des Böhmischen Königreichs, der Stadt Krumau sowie der Geschlechter Eggenberg und Schwarzenberg. Hinter der glatten Renaissance-Attika verbergen sich allerdings noch immer die vier steilen, mittelalterlichen Satteldächer der ursprünglichen Häuser.

Heute ist der Náměstí Svornosti der lebendige Treffpunkt von Český Krumlov. Im Rathaus sitzen weiterhin die Stadtverwaltung und die Touristeninformation, während auf dem Pflaster das Leben pulsiert: bei Handwerker- und Weihnachtsmärkten oder beim alljährlichen Fest der fünfblättrigen Rose.

FAQ

Wann wurden Pestsäule und Brunnen erbaut?

Die barocke Mariensäule schuf der Bildhauer Matěj Václav Jäckel zwischen 1714 und 1716. Das umgebende sechseckige Brunnenbecken kam erst über ein Jahrhundert später hinzu, errichtet vom Steinmetz Josef Hauber zwischen 1843 und 1844.

Warum wurde die Pestsäule errichtet?

Das Denkmal wurde als Votivgabe und Dank für das Ende der verheerenden Pestepidemie gestiftet, die Český Krumlov zwischen 1680 und 1682 heimgesucht hatte.

Welche Figuren sind auf der Säule zu sehen?

Gekrönt wird die Säule von der Maria Immaculata. Darunter reihen sich acht Heilige auf zwei Ebenen ein: die Heiligen Wenzel, Veit, Johannes der Evangelist und Judas Thaddäus auf der oberen Ebene sowie Rochus, Sebastian, Franz Xaver und Kajetan auf der unteren Ebene.

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