
Schlossturm: Karlovy Varys ältestes Wahrzeichen
Ursprünge und die königliche Jagd Karls IV.
Auf einem steilen Granitsporn am Zámecký vrch 2 thront der Schlossturm (Zámecká věž) über dem Tržiště (Marktplatz) und der Marktkolonnade. Um 1358 im Auftrag des römisch-deutschen Kaisers und böhmischen Königs Karl IV. errichtet, gehörte der Turm ursprünglich zu einer kleinen gotischen Burg, die als kaiserlicher Jagdsitz diente. Als ältestes erhaltenes Bauwerk von Karlovy Vary steht er bereits seit 1964 unter Denkmalschutz.
Die Stadtlegende knüpft die Geburtsstunde Karlsbads direkt an diesen Aussichtspunkt. Erstmals 1571 vom Arzt Fabian Summer zu Papier gebracht, erzählt die Sage, dass Karl IV. die Thermalquellen bei der Hirschjagd entdeckte. Als ein Jagdhund bei der Verfolgung in eine kochende Quelle stürzte, führte sein Jaulen den Monarchen direkt zum dampfenden Nass. Karl badete sein schmerzendes Bein darin, spürte Linderung und ordnete an, rund um die Quellen eine Siedlung samt Jagdsitz zu errichten. Zwischen 1370 und 1376 stieg der Kaiser immer wieder auf der Burg ab und nutzte sie als Amtssitz, von dem aus er Karlovy Vary 1370 die königlichen Stadtrechte verlieh.
Von der mittelalterlichen Feste zum städtischen Wachturm
Im 15. und 16. Jahrhundert verpfändete die böhmische Krone die Anlage regelmäßig an den lokalen Adel, allen voran an die Grafen Schlik. Mit den Jahren verfiel das Gemäuer zusehends. 1567 trat Kaiser Maximilian II. die baufällige Feste offiziell an die Stadt ab. Zeitgenössische Akten beschreiben sie damals als kaum mehr als eine Ruine, in der man die städtischen Feuerspritzen lagerte.
Ein verheerender Stadtbrand legte 1604 die umliegende Siedlung in Schutt und Asche und ebnete auch die Reste der Burganlage ein. 1608 funktionierte die Bürgerschaft den erhaltenen mittelalterlichen Turm kurzerhand zum städtischen Wachturm (hláska) um. Nach einem weiteren Brand im 18. Jahrhundert folgte 1766 der große Umbau: Man spendierte dem Turm einen umlaufenden Arkadengang als Aussichtsplattform und eine barocke Haube.
Von 1766 bis weit ins 19. Jahrhundert versahen die Wächter auf der Galerie einen Dienst, der zeremoniell wie praktisch zugleich war. Sie bliesen Fanfaren über das Tal, um die jährliche Kursaison feierlich einzuläuten oder das Eintreffen von Monarchen, Edelleuten und anderer illustrer Kurgäste im Ort zu verkünden.
Moderne Ingenieurskunst und lebendige Geschichte
Während Karlovy Vary vor allem für seine Kolonnaden aus Belle Époque, Neorenaissance und Jugendstil gefeiert wird, ist der Schlossturm so ziemlich das einzige oberirdische Mauerwerk, das aus den Gründertagen der Stadt überdauert hat. 1911 trieb der Wiener Architekt Friedrich Ohmann, aus dessen Feder auch die benachbarte Schlosskolonnade stammt, einen öffentlichen Aufzugsschacht direkt in die Felswand unter dem Turm. Damit sparte man sich fortan den mühsamen Aufstieg vom Flusstal in das obere Wohnviertel.
Nach einer umfassenden Sanierung im Inneren öffnete der Turm 2022 als Besucherzentrum und Kulturort neu. Heute beherbergt er die Ausstellung Bedeutende Kurstädte Europas (Great Spa Towns of Europe) über jene elf transnationalen Kurorte, die 2021 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen wurden. Neben einer interaktiven Geschichtsstation bietet die Anlage Zugang zu historischen Untergeschossen und das Schlossturm-Café. Von der offenen Galerie hoch über der engsten Stelle des Teplá-Tals blickst du direkt über das Herz des Kurviertels, während die warmen Dampfschwaden der Thermalquellen an den Felsen emporsteigen.
FAQ
Was ist das älteste erhaltene Gebäude in Karlovy Vary?
Der Schlossturm (Zámecká věž) ist das älteste noch stehende Bauwerk von Karlovy Vary, erbaut um 1358 im Auftrag des römisch-deutschen Kaisers Karl IV.
Welche Ausstellung beherbergt der Schlossturm?
Seit seiner Wiedereröffnung 2022 zeigt der Turm die Ausstellung „Bedeutende Kurstädte Europas“ (Great Spa Towns of Europe), die jene elf transnationalen Kurorte porträtiert, die 2021 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen wurden.
Welche Rolle spielten die Turmwächter im 18. und 19. Jahrhundert?
Von der 1766 hinzugefügten Arkadengalerie aus bliesen die Wächter Fanfaren, um den Beginn der Kursaison offiziell einzuläuten und die Ankunft von Adeligen, Monarchen und wohlhabenden Kurgästen anzukündigen.



