Kirche St. Maria Magdalena in Karlsbad - Karlovy-vary-1
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Ziel

Kirche St. Maria Magdalena in Karlsbad

Karlovy-vary-1, Czechia

Erhöht auf einer Terrasse direkt über der Sprudelkolonnade (Vřídelní kolónada) thront die Kirche St. Maria Magdalena (Kostel svaté Máří Magdalény) als eines der markantesten Wahrzeichen von Karlsbad. Kaum 100 Meter vom berühmten Geysir der Stadt entfernt, bildet das römisch-katholische Gotteshaus einen hochbarocken Anker aus dem 18. Jahrhundert über dem Tal der Teplá, ein eindrucksvoller Kontrast zu den Kolonnaden aus Neorenaissance und Belle Époque tief unten am Fluss.

Architektur und geothermische Baukunst

Entworfen vom gefeierten böhmischen Barockbaumeister Kilian Ignaz Dientzenhofer, entstand die Kirche zwischen 1733 und 1736, nachdem am 27. April 1733 der Grundstein gelegt worden war. Geweiht wurde das Bauwerk um 1736 bis 1737, und seit 2010 zählt es zum Nationalen Kulturdenkmal der Tschechischen Republik.

Eine monumentale Steinkirche auf steilem Fels unmittelbar über den kochenden unterirdischen Adern des Vřídlo-Geysirs zu errichten, war ein gewagtes statisches Unterfangen. Die Baumeister mussten ausgeklügelte Fundamente konstruieren, um das schwere Mauerwerk gegen die unterirdische Hitze und das Thermalwasser des Tals abzusichern. Das fertige Bauwerk besticht durch einen dynamischen elliptischen Grundriss, flankiert von fächerförmig angeordneten Kapellen und Nischen, gekrönt von einer grünen Zentralkuppel und zwei markanten Kirchtürmen.

Von mittelalterlichen Wurzeln zu barocker Pracht

Der heutige Bau ersetzte eine gotische Pfarrkirche aus dem 14. Jahrhundert, die 1518 im Renaissancestil umgestaltet worden war. Nachdem Stadtbrände, allen voran jener von 1604, und jahrzehntelanger Verfall der Bausubstanz schwer zugesetzt hatten, riss man die mittelalterliche Kirche in den 1730er-Jahren ab. Platz sollte her für ein repräsentatives Gotteshaus, das dem aufstrebenden Ruf Karlsbads als mondäne Kurstadt gerecht wurde.

Trotz des kompletten barocken Neubaus blieben Teile des Vorgängerbaus erhalten. Geschnitzte mittelalterliche Skulpturen, darunter eine gotische Madonna aus dem ursprünglichen Gotteshaus des 14. Jahrhunderts, sind bis heute im hochbarocken Innenraum neben späteren Ausstattungsstücken zu sehen.

Die unterirdische Krypta und der Aragonitaltar

Unter dem Kirchenschiff verbirgt sich eine weitläufige Krypta samt Beinhaus mit einer ganz eigenen Geschichte. Der mittelalterliche Friedhof, der die Kirche einst umgab, wurde 1784 im Zuge der josephinischen Reformen aus hygienischen Gründen aufgelassen. Man bettete die Gebeine sorgsam in die Gruft unter dem Kirchenboden um. Früher führte der Weg in diese Kammern durch eine Falltür, die unscheinbar unter einer verschiebbaren Steinplatte verborgen lag.

Im 18. Jahrhundert diente die Krypta kurzzeitig auch als Leichenhalle der Stadt. Dieses Kapitel endete jedoch rasch, als sich Kurgäste empörten: Leichenwagen, die Verstorbene direkt an ihren Quartiersfenstern vorbeirumpelten, störten die mondäne Kurruhe dann doch zu sehr. Die Behörden sahen sich gezwungen, das Totenhaus an einen unauffälligeren Ort zu verlegen.

Zu den außergewöhnlichsten Kunstwerken in der Krypta gehört der Heilige-Grab-Altar. Statt zu herkömmlichem Bruchstein griffen die Bildhauer zu den mineralischen Ablagerungen der hiesigen Thermalquellen: vřídlovec (Sprudelstein bzw. Aragonitsinter) und hrachovec (Erbsenstein bzw. Pisolith). Ein Werk, das Karlsbads kochende Unterwelt auf greifbare Weise mit der sakralen Kunst des Gotteshauses verschmilzt.

Kulturleben und Besichtigung

Die Kirche St. Maria Magdalena ist nach wie vor eine lebendige römisch-katholische Pfarrkirche, in der regelmäßig Messen gefeiert werden. Die elliptische Kuppel sorgt für eine bemerkenswerte Akustik, weshalb das Gotteshaus das ganze Jahr über als Bühne für Orgel- und Klassikkonzerte mit führenden tschechischen Solisten dient.

Die unterirdische Krypta und das Beinhaus kannst du im Rahmen von Führungen erkunden: Von Mai bis September finden sie täglich statt, während des Internationalen Filmfestivals von Karlsbad sogar abends. Außerhalb der Hauptsaison sind Besuche auf Voranmeldung möglich. Tickets und Führungen erhältst du am Informationsschalter in der benachbarten Sprudelkolonnade.

FAQ

Wer hat die Kirche St. Maria Magdalena in Karlsbad entworfen?

Die Kirche wurde von dem bedeutenden böhmischen Barockbaumeister Kilian Ignaz Dientzenhofer entworfen. Der Bau begann 1733 und war 1736 weitgehend abgeschlossen.

Was macht den Altar in der unterirdischen Krypta so besonders?

Der Heilige-Grab-Altar in der Krypta wurde aus mineralischen Ablagerungen der örtlichen Thermalquellen gehauen, genauer gesagt aus Sprudelstein (Aragonitsinter, tschechisch vřídlovec) und Erbsenstein (Pisolith, hrachovec). So fließt die Geologie des Tals unmittelbar in die sakrale Kunst ein.

Wie kannst du die Krypta und das Beinhaus besichtigen?

Führungen durch die Krypta finden von Mai bis September täglich statt. Während des Internationalen Filmfestivals von Karlsbad gibt es zusätzliche Abendführungen, und in der Nebensaison kannst du Besichtigungen auf Voranmeldung buchen. Tickets gibt es am Informationsschalter in der benachbarten Sprudelkolonnade.

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