Marktkolonnade: Karlovy Varys hölzernes Wahrzeichen - Karlovy-vary-1
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Marktkolonnade: Karlovy Varys hölzernes Wahrzeichen

Karlovy-vary-1, Czechia

Architektur und die filigrane „Holzspitze“

Die Marktkolonnade (Tržní kolonáda) liegt am Marktplatz (Tržiště) direkt am Ufer der Teplá, unmittelbar unterhalb des historischen Schlossturms von Karlovy Vary. Das Bauwerk wurde 1882 bis 1883 vom renommierten Wiener Architektenduo Ferdinand Fellner und Hermann Helmer entworfen und vom Wiener Zimmermeister Franz Oesterreicher gezimmert.

Der weiß gestrichene Holzbau im Schweizerhaus-Stil besticht durch offene Arkadengänge unter einem metallgedeckten Satteldach. Berühmt ist die Kolonnade für ihre reich durchbrochene Ornamentik, die man vor Ort gern als „hölzerne Spitze“ (dřevěná krajka) bezeichnet. Fällt das Sonnenlicht durch dieses kunstvolle Schnitzwerk, zeichnet es wandernde geometrische Schattenmuster auf den Boden der Promenade, im reizvollen Kontrast zum warmen Mineraldampf, der unablässig aus den Quellbecken emporsteigt.

Vom Provisorium zum Wahrzeichen

Auf dem Areal des in den 1870er-Jahren abgerissenen Rathauses errichtet, war die Kolonnade ursprünglich keineswegs für die Ewigkeit gedacht. 1883 ließ die Stadtverwaltung die hölzernen Arkaden als kostengünstiges Übergangsdach zimmern. Eigentlich sollten Kurgäste hier nur ein paar Jahre Schutz vor den Elementen finden, bis eine dauerhafte Steinkolonnade gebaut werden konnte.

Doch der luftige Entwurf begeisterte Besucher wie Stadtväter derart, dass man das Provisorium einfach stehen ließ und 1904 bis 1905 sogar leicht erweiterte. Über die Jahrzehnte forderten Feuchtigkeit, Witterung und der aufsteigende Mineraldampf allerdings ihren Tribut: Das Holz verfaulte unrettbar. Zwischen 1991 und 1993 ließ die Stadt das baufällige Original schließlich abtragen und für über 22 Millionen Kronen als detailgetreue Holzreplik neu aufbauen. So blieb der heißgeliebte „Behelfsschuppen“ dauerhaft erhalten.

Heilquellen und die Karls-Legende

Die Kolonnade beherbergt drei verschiedene Mineralquellen:

  • Karl-IV.-Quelle (Pramen Karla IV.): Sie tritt mit etwa 64 °C zutage und hieß früher Žrout („Der Fresser“). Über dem Quellbecken ist ein Bronzerelief des Bildhauers Adolf Zörkel aus dem Jahr 1939 eingelassen. Es zeigt die Karlsbader Gründungssage: Kaiser Karl IV. entdeckt die Thermalquellen des Tals, als sein Jagdhund bei der Hatz auf einen Hirsch in eine kochende Quelle stürzt.
  • Marktquelle (Tržní pramen): Schüttet rund 62 °C heißes Mineralwasser aus und entspringt geschützt in einer halbrunden Nische.
  • Untere Schlossquelle (Dolní zámecký pramen): Liefert Thermalwasser mit Temperaturen zwischen 55 °C und 64 °C.

Kurkultur und gesellschaftlicher Treffpunkt

Bis heute dient die Marktkolonnade als lebendige Trinkhalle. Kurgäste und Reisende widmen sich hier der traditionellen Trinkkur und füllen das heiße Thermalwasser mit den typischen Porzellanschnabeltassen direkt an den Brunnen ab. Neben dem Kurbetrieb bietet die gerundete Apsis um die Marktquelle eine exzellente natürliche Akustik. Sie verwandelt die Kolonnade regelmäßig in eine stimmungsvolle Bühne für sommerliche Kurkonzerte, Kammermusik und kulturelle Veranstaltungen.

Als architektonisches Bindeglied nimmt die Kolonnade einen zentralen Platz auf der städtischen Flaniermeile ein: Sie verbindet die modernistische Sprudelkolonnade (Vřídelní) mit der monumentalen steinernen Mühlbrunnkolonnade (Mlýnská). Bis heute gilt sie als eines der bemerkenswertesten Zeugnisse für das produktive Schaffen von Fellner und Helmer während des großen Kurort-Baubooms der späten Habsburgerzeit.

FAQ

Welche Mineralquellen befinden sich in der Marktkolonnade?

Die Marktkolonnade beherbergt drei Quellen: die Karl-IV.-Quelle (ca. 64 °C), die Marktquelle (ca. 62 °C) und die Untere Schlossquelle (ca. 55–64 °C).

Ist das heutige Bauwerk noch das Original aus dem 19. Jahrhundert?

Nein. Weil Witterung und Mineraldampf das Holz schwer zersetzt hatten, ließ die Stadt den Originalbau von 1883 abtragen und zwischen 1991 und 1993 eine originalgetreue Holzreplik errichten.

Wer hat die Marktkolonnade entworfen?

Sie wurde 1882–1883 von den Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer entworfen und von Zimmermeister Franz Oesterreicher erbaut.

Was zeigt das Bronzerelief im Inneren?

Das 1939 von Adolf Zörkel geschaffene Bronzerelief über der Karl-IV.-Quelle zeigt die Legende von Kaiser Karl IV., der die Thermalquellen entdeckte, nachdem sein Jagdhund bei der Hatz auf einen Hirsch in eine heiße Quelle gestürzt war.

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