
Casa Haartman: Klassizistische Künstlervilla in Naantali
Architektonische Harmonie an der Luostarinkatu
An der Luostarinkatu 3 im finnischen Naantali schmiegt sich die Casa Haartman an jenen geschichtsträchtigen Weg, der das moderne Stadtzentrum mit der mittelalterlichen Klosterkirche und den verträumten Holzhäusern der Altstadt verbindet. Der 1926 vollendete, zweigeschossige verputzte Backsteinbau gilt als eines der bemerkenswertesten Kulturdenkmäler des 20. Jahrhunderts. Architekt Erik Bryggman entwarf das Wohnhaus zwischen 1925 und 1926 und schöpfte dabei aus spannenden Quellen: dem nordischen Klassizismus der Zwanzigerjahre, von Gunnar Asplund geprägten schwedischen Entwürfen und der schlichten italienischen Landarchitektur (architettura minore). Nach außen hin gibt sich das Haus betont zurückhaltend, fast streng, an zwei Seiten eingefasst von einem leuchtend roten Holzzaun.
Gemeinschaftswerk und Handwerkskunst
In Auftrag gegeben wurde das Anwesen von Axel Haartman, Maler, Kunstkritiker und Museumsdirektor, und seiner Frau Hedvig. Bryggman war einst Haartmans Schüler an der Zeichenschule von Turku, und der Bauauftrag folgte kurz nachdem Haartman 1923 zum Direktor des Kunstmuseums Turku ernannt worden war. Mehr als vierzig Jahre lang lebte das Paar hier und betrachtete das harmonische Zusammenspiel aus Haus und Garten als Axels künstlerisches Lebenswerk.
Während Bryggman die äußere Hülle des Gebäudes entwarf, drückten die Haartmans dem Inneren ihren ganz eigenen Stempel auf. Axel gestaltete die Räume und malte dekorative Decken- und Wandfresken im Eingangsbereich und in der Bibliothek. Hedvig war ihm dabei nicht nur Muse und wichtigstes Modell, sondern webte und fertigte auch die Heimtextilien, Wandteppiche und getriebenen Metallarbeiten. Auch mehrere Möbelstücke stammen aus Axels Feder: Für den Esszimmerschrank und das Bibliotheksregal nahm er sich die historische Holzempore der Kirche von Pargas zum Vorbild. Gefertigt wurden sie vom dortigen Tischler Karl Kyrklund. Draußen umrahmt ein idyllischer Garten das Gebäude, in dem blühende Obstbäume, Saisonblumen und Staudenbeete gedeihen.
Erhalt und Kunstsammlungen
Hedvig Haartman verstarb 1967, Axel folgte ihr 1969. Beide ruhen gemeinsam auf Kimito (Kemiönsaari) unter einem Grabstein, den Axel selbst gestaltet hatte. Auf ihren Wunsch hin blieb das Anwesen völlig unverändert: Von 1970 bis 2017 bewahrte die Gedenkgesellschaft Hedvigs Minne („Hedvigs Gedächtnis“) das Haus in seinem Originalzustand. Wie in Axels Testament verfügt, diente das Atelier im Obergeschoss von den 1970er- bis in die 1990er-Jahre als Gästewohnung für Forschende.
2017 ging das Anwesen in den Besitz der Stiftung der Åbo Akademi (Stiftelsen för Åbo Akademi) über. Das Gebäude steht heute unter dem finnischen Denkmalschutzgesetz.
Museumsbetrieb
Als Museum öffnet die Casa Haartman vom Sommer bis in den Frühherbst saisonal ihre Türen. Zu sehen sind die original erhaltenen Wohnräume des Paares, das Atelier, die Bibliothek und persönliche Einrichtungsgegenstände. Die Sammlung vereint Axel Haartmans eigene Gemälde mit Werken bedeutender finnischer Kunstschaffender wie Helene Schjerfbeck, Fanny Churberg, Victor Westerholm und Wäinö Aaltonen. Wegen der kompakten Grundrisse und engen Treppen dürfen immer nur kleine Gruppen von maximal 15 Personen gleichzeitig ins Haus.
FAQ
Wer hat die Casa Haartman entworfen?
Die Casa Haartman wurde 1925 bis 1926 vom finnischen Architekten Erik Bryggman für seinen früheren Lehrer, den Maler und Museumsdirektor Axel Haartman, und dessen Frau Hedvig entworfen.
In welchem Architekturstil ist die Casa Haartman erbaut?
Das Haus ist im nordischen Klassizismus der 1920er-Jahre erbaut und verbindet Einflüsse der schwedischen Architektur, etwa von Gunnar Asplund, mit traditioneller italienischer Baukunst.
Welche Künstler sind in der Sammlung der Casa Haartman vertreten?
Neben Axel Haartmans eigenen Gemälden und Wandbildern umfasst die Sammlung Werke von Helene Schjerfbeck, Fanny Churberg, Victor Westerholm und Wäinö Aaltonen.
Wann ist das Museum geöffnet und was gilt für den Besuch?
Die Casa Haartman öffnet saisonal von Sommer bis Frühherbst. Wegen der schmalen Treppen und kompakten Räume ist der Einlass auf maximal 15 Personen gleichzeitig begrenzt.




