Aleksis-Kivi-Denkmal in Turku: Geschichte und Gestaltung - Turku
© raisin bun | CC BY-SA 2.0
Ziel

Aleksis-Kivi-Denkmal in Turku: Geschichte und Gestaltung

Turku, Finland

Das Aleksis-Kivi-Denkmal (Aleksis Kiven muistomerkki) in Turku ehrt Aleksis Kivi (1834–1872), der als finnischer Nationaldichter gilt. Direkt an der Flaniermeile der Itäinen Rantakatu vor dem Stadttheater Turku (Turun kaupunginteatteri) platziert, ist das Denkmal eine feste Größe in der Kunstlandschaft der Stadt. Das Werk gehört zur Kunstsammlung der Stadt Turku und dient als beliebter Treffpunkt ebenso wie als kultureller Anker am Ufer des Aurajoki.

Die vom renommierten Bildhauer Wäinö Aaltonen geschaffene Skulptur besteht aus einem etwa einen Meter hohen Porträtkopf aus dunkler Bronze, der auf einem gut zwei Meter hohen Sockel aus rau behauenem rotem Granit thront. Dieses Zusammenspiel traditioneller Materialien bildet einen reizvollen Kontrast zur geometrischen, modernistischen Glas- und Steinfassade des benachbarten Theaterbaus.

Das Porträt und seine makabren Ursprünge

Zu den bemerkenswertesten Aspekten des Aleksis-Kivi-Denkmals gehört die Art und Weise, wie Aaltonen das Gesicht des Schriftstellers rekonstruierte. Zu Kivis Lebzeiten entstand nämlich kein einziges beglaubigtes Foto. Wer ihn porträtieren wollte, war deshalb auf eine Skizze angewiesen, die sein Freund Ernst Albert Forssell an Kivis Sterbebett oder vor dem offenen Sarg gezeichnet hatte. Eine Zeichnung, die Albert Edelfelt später als Vorlage für eine berühmte Illustration nutzte.

Als damals hitzig darüber gestritten wurde, wie man Kivi am besten ein Denkmal setzen sollte, kochten die Gemüter über seine tatsächlichen Gesichtszüge derart hoch, dass einige Kritiker allen Ernstes vorschlugen, seine Leiche zu exhumieren und den Schädel zu vermessen. Statt sich auf eine starre anatomische Rekonstruktion zu versteifen, wählte Aaltonen eine idealisierte Darstellung, die vor allem die Seelen- und Gedankenwelt des Dichters einfangen sollte. Der Kopf in Turku ist eine abgewandelte Variante jenes Kopfes, den Aaltonen für sein überlebensgroßes, sitzendes Kivi-Denkmal schuf, das 1939 auf dem Bahnhofsplatz in Helsinki enthüllt wurde.

Entstehung und Wanderschaft durch Turku

Aaltonen vermachte das Gipsmodell von Kivis Kopf der Stadt Turku unter der Bedingung, dass die städtischen Behörden den Bronzeguss finanzieren. Gegossen wurde zwischen 1948 und 1949, bevor das Denkmal am 21. Mai 1949 feierlich enthüllt wurde.

Seinen ersten Platz fand es an der Yliopistonkatu vor dem Phoenix-Gebäude, das damals als Hauptgebäude der Universität Turku nahe dem Marktplatz diente. Als der Abriss des Phoenix-Baus beschlossene Sache war, zog die Skulptur vorübergehend zum Konzerthaus von Turku (Konserttitalo) um. Nach der Fertigstellung des modernistischen Stadttheaters am Aurajoki fand das Monument am 8. September 1962 schließlich seinen dauerhaften Platz am Flussufer direkt vor dem Theatereingang.

Kivis literarische Verbindung zu Turku

Obwohl Kivi den Großteil seines Lebens andernorts verbrachte, belegen historische Notizen in der Zeitung Suometar, dass er Turku im Oktober 1864 besuchte, bevor er nach Helsinki weiterreiste. Auch in seinem wegweisenden Roman Seitsemän veljestä (Die sieben Brüder) hat Turku einen denkwürdigen Auftritt: Darin sinniert der älteste Bruder Juhani über seinen Ausflug in die Stadt und warnt seine Brüder eindringlich davor, dass es dort von Eitelkeit, weltlichen Versuchungen und gepuderten Damen nur so wimmle.

Der Standort vor dem Stadttheater birgt noch eine weitere theatergeschichtliche Pointe: Zwischen 1972 und 1976 brachten die Regisseure Kalle Holmberg und Ralf Långbacka genau hier eine gefeierte Inszenierung der Sieben Brüder auf die Bühne. Mit Schauspielgrößen wie Esko Salminen, Vesa-Matti Loiri und Heikki Kinnunen lockte das Stück rund 350.000 Theaterbegeisterte aus ganz Finnland an.

Kulturmeile am Flussufer

Am östlichen Flussufer fügt sich das Aleksis-Kivi-Denkmal nahtlos in Turkus städtische Kulturmeile ein. Ganz in der Nähe des flussabwärts gelegenen Wäinö-Aaltonen-Kunstmuseums schlägt die Skulptur eine spürbare Brücke zwischen dem Vermächtnis des Künstlers, der Architektur der Nachkriegsmoderne und den literarischen Ursprüngen Finnlands.

FAQ

Wer hat das Aleksis-Kivi-Denkmal in Turku geschaffen?

Das Denkmal wurde vom Bildhauer Wäinö Aaltonen geschaffen. Der Bronzekopf ist eine abgewandelte Variante jenes Kopfes, den Aaltonen für sein 1939 in Helsinki enthülltes Sitzdenkmal von Aleksis Kivi gestaltete.

Wie wurde das Aussehen des Autors rekonstruiert, wenn keine Fotos von ihm existieren?

Da Aleksis Kivi zu Lebzeiten nie fotografiert wurde, orientierte sich Aaltonen an einer Skizze, die Kivis Freund Ernst Albert Forssell an dessen Sterbebett gezeichnet hatte und die Albert Edelfelt später zu einer Illustration ausarbeitete.

An welchen Orten in Turku stand das Denkmal im Laufe der Zeit?

Das Denkmal wurde 1949 zunächst in der Yliopistonkatu vor dem Phoenix-Gebäude der Universität Turku aufgestellt. Später stand es vorübergehend am Konzerthaus von Turku, bevor es im September 1962 vor dem Stadttheater Turku seinen heutigen Platz erhielt.

More places in Turku