
Lilie von Turku: Geschichte der Granitskulptur
Ursprung und Form
Die Lilie von Turku (Turun Lilja) ist eine moderne Freiplastik des finnischen Künstlers Wäinö Aaltonen. Zwischen 1924 und 1926 in der Steinmetzwerkstatt von J. E. Forsman in Helsinki gehauen, zeigt die Statue einen weiblichen Akt im klassischen Kontrapost, der sich aus einer gemeißelten Lilienblüte am Sockel erhebt.
Aaltonen fertigte die Skulptur aus rotem Vehmaa-Granit. Die groben kristallinen Einsprengsel im tiefroten Stein fangen das tief stehende Sonnenlicht ein, das vom nahen Fluss Aura herüberreflektiert wird, und heben sich markant von den sanft geschwungenen Konturen der Figur ab.
Von der französischen Lilie zum Stadtsymbol
Als Aaltonen die Skulptur schuf, hatte das Werk noch keinerlei Bezug zur Stadt Turku. Ursprünglich nannte der Bildhauer das Stück Ranskan Lilja (»Französische Lilie«). Als der Stadtrat 1927 den Ankauf beschloss, schlug Aaltonen vor, die Figur in Turun Lilja umzubenennen, um sie unmittelbar mit der lokalen Identität zu verknüpfen.
Die in den Sockel gemeißelte Lilienblüte erinnert an die heraldische Lilie im Stadtwappen von Turku. Dieses Motiv stammt von einem mittelalterlichen Siegel aus dem Jahr 1309, das den gotischen Buchstaben »A« zeigt, eingerahmt von Marienlilien zu Ehren der Schutzpatronin des Doms zu Turku. Das Denkmal wurde am 7. September 1928 im Runeberginpuisto enthüllt und ist das erste Kunstwerk im öffentlichen Raum, das von der Stadt Turku direkt in Auftrag gegeben und angekauft wurde.
Kulisse im Runeberginpuisto
Die Statue steht im Runeberginpuisto (Runeberg-Park), einer terrassierten Grünanlage am Fluss Aura direkt an der Aurabrücke (Auransilta). Der Park erstreckt sich auf dem ehemaligen Tullihuoneentori (Zollhausplatz), der nach dem Großen Brand von Turku angelegt wurde. Neben der Skulptur beherbergt das terrassierte Areal auch Finnlands größten einstämmigen Ahorn.
Das Denkmal fügt sich in Aaltonens enge Bindung an Turku ein, wo er lebte und wirkte. Seine Werke im öffentlichen Raum und das ihm gewidmete städtische Museum für Gegenwartskunst, das Wäinö-Aaltonen-Museum (WAM), reihen sich entlang desselben Flussufers aneinander.
Walpurgisnacht und studentische Rituale
Am 30. April ist die Lilie von Turku der zentrale Treffpunkt für die Feierlichkeiten zur Walpurgisnacht (Vappuaatto). Im Frühjahr 1929 riefen örtliche Studierende den Brauch ins Leben, der Statue eine Mütze aufzusetzen, als ganz bewusste Turkuer Antwort auf das Krönen der Havis Amanda in Helsinki.
In den späten 1960er-Jahren führten studentische Vereinigungen zusätzlich eine Waschzeremonie ein. Daraus entwickelte sich ein jährliches Spektakel: Zahnmedizinstudierende der Universität Turku schrubben die rote Granitfigur mit einer überdimensionalen Zahnbürste ab, bevor sie sie mit einer riesigen weißen Studentenmütze krönen.
FAQ
Aus welchem Material wurde die Lilie von Turku gehauen?
Die Skulptur wurde zwischen 1924 und 1926 in der Steinmetzwerkstatt von J. E. Forsman in Helsinki aus rotem Vehmaa-Granit gehauen.
Warum wurde die Skulptur von Französischer Lilie in Lilie von Turku umbenannt?
Wäinö Aaltonen schuf das Werk ursprünglich unter dem Titel Ranskan Lilja (Französische Lilie). Als die Stadt Turku es 1927 ankaufen wollte, schlug Aaltonen vor, es in Turun Lilja umzubenennen, um die gemeißelte Lilie mit der heraldischen Lilie im Stadtwappen von Turku aus dem Jahr 1309 zu verbinden.
Welche Tradition findet am Vorabend des 1. Mai an der Statue statt?
Jedes Jahr am 30. April versammeln sich Schaulustige an der Statue, während Zahnmedizinstudierende der Universität Turku die Granitfigur mit einer riesigen Zahnbürste schrubben und ihr eine überdimensionale weiße Studentenmütze aufsetzen.



