
Pudelma-Pavillon: Turkus geflochtenes Holzwahrzeichen
Ein ungeplanter Dauergast am Flussufer
Im Rathauspark von Turku (Kaupungintalon puisto), nahe der Aurakatu und der Uferpromenade des Aura-Flusses, spannt sich der Pudelma-Pavillon über gut 70 Quadratmeter. Sein Name ist ein Kofferwort aus den finnischen Begriffen puu (Holz) und kudelma (Geflecht). Eingeweiht zwischen August und September 2011, war das luftige Holzbauwerk eigentlich nur als kurzlebige Sommerinstallation gedacht, um Turkus Rolle als europäische Kulturhauptstadt zu feiern.
Eigentlich als flüchtiges Studierendenprojekt und saisonaler Treffpunkt gedacht, entwickelte sich der Pavillon zum absoluten Publikumsliebling bei Einheimischen und Reisenden gleichermaßen. Im folgenden Jahrzehnt prüfte die Stadtverwaltung von Turku immer wieder Pläne, die Konstruktion abzubauen oder zu versetzen, schob die Entscheidung aber stets vor sich her. So überdauerte der Pavillon sein Haltbarkeitsdatum bei weitem und mauserte sich zu einer festen Größe in der Skulpturenlandschaft am Fluss.
Digitales Handwerk und Holzbaukunst
Die Idee zum Pavillon entstand, als der finnische Architekt Eero Lundén während seines Studiums an der New Yorker Columbia University eine Gruppe US-Architekturstudierender überredete, ihr jährliches Auslandsprojekt nach Finnland zu verlegen, um dort die heimische Holzwirtschaft unter die Lupe zu nehmen. Daraus entwickelte sich ein Gemeinschaftsprojekt für Entwurf und Fertigung unter der Leitung von Lundén und dem Architekten Markus Wikar. Dozierende und Studierende der Columbia University, der Universität Oulu und der Aalto-Universität arbeiteten hierfür Hand in Hand, finanziell gefördert von der Stiftung Turku 2011 und der Stadtverwaltung.
Die Installation besteht aus 490 individuell dimensionierten Balken aus Kerto-Q-Holz. Die Bauteile mit Längen zwischen einem halben und zwei Metern wurden von CNC-Robotern im Technologiezentrum Woodpolis in Kuhmo gefräst. Trotz ihrer geschwungenen, digital modellierten Rundung steht die Kuppel rein unter Druckspannung, ganz ohne tragende Klebstoffe und praktisch schraubenlos. Die freitragende Konstruktion hält durch rund 1.000 Nut-und-Zapfen-Verbindungen: Jedes Holzelement greift direkt in vier Nachbarbalken und spannt das Geflecht durch reinen Eigendruck fest.
Internationale Anerkennung und Parkleben
2012 eroberte der Pavillon die internationale Bühne, als er in der Ausstellung New Forms in Wood auf der Architektur-Biennale in Venedig finnischen Erfindergeist im modernen Holzbau repräsentierte. Daheim am Aura-Fluss schlägt er gekonnt die Brücke zwischen Turkus historischen Stein- und Bronzemonumenten und experimentellem, zeitgenössischem Stadtdesign.
Heute dient Pudelma als frei zugänglicher Rastplatz und Treffpunkt im Rathauspark. Das multidirektionale Gitterwerk wirkt wie ein luftiges Blätterdach: Es filtert das Tageslicht in wandernde, geometrische Schattenmuster auf den Kieswegen darunter, lässt aber gleichzeitig freie Sicht auf das Rathaus und den Fluss. Hin und wieder verwandelt sich der Pavillon zudem in eine Freiluftbühne für Ausstellungen, Kultur-Pop-ups und temporäre Kunstinstallationen.
FAQ
Was bedeutet der Name Pudelma?
Der Name Pudelma ist ein Kofferwort aus zwei finnischen Begriffen: „puu“ für Holz und „kudelma“ für Geflecht.
Wie hält der Pudelma-Pavillon ganz ohne Klebstoff oder Schrauben zusammen?
Der Pavillon ist eine freitragende Kuppel, die rein durch Druckspannung stabil bleibt. Er hält durch etwa 1.000 robotergefräste Nut-und-Zapfen-Verbindungen zusammen, bei denen jedes Holzteil direkt mit vier benachbarten Balken verzahnt ist.
Warum wurde der Pavillon ursprünglich gebaut?
Er entstand 2011 als temporärer Sommerpavillon und studentisches Gemeinschaftsprojekt anlässlich von Turkus Jahr als europäische Kulturhauptstadt.
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