Basilika Saint-Nazaire: Das Juwel von Carcassonne - Carcassonne
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Basilika Saint-Nazaire: Das Juwel von Carcassonne

Carcassonne, France

Vor Ort nennt man sie ehrfürchtig „Le Joyau de la Cité“ (das Juwel der Festung): Die Basilika der Heiligen Nazarius und Celsus (Basilique des Saints Nazaire et Celse) ist eine römisch-katholische Basilica minor und ein französisches Nationaldenkmal. Im südlichen Viertel der befestigten Cité von Carcassonne unweit des Château Comtal gelegen, bildete das Gotteshaus über Jahrhunderte das geistliche Gegengewicht zu den wehrhaften Verteidigungsanlagen der Burg.

Heute fasziniert das Bauwerk vor allem durch seinen radikalen Stilmix: Hier prallen zwei völlig verschiedene Epochen der mittelalterlichen Architektur aufeinander, für die Ewigkeit in Stein gemeißelt.

Ein Zusammenprall der Epochen: Romanik trifft Gotik

Das unverwechselbare Markenzeichen der Basilika Saint-Nazaire ist das direkte Aufeinandertreffen eines romanischen Langhauses aus dem 11. und 12. Jahrhundert mit einem Chor und Querschiff im hochgotischen Rayonnant-Stil aus dem späten 13. bis frühen 14. Jahrhundert. Im Inneren schaffen schwere steinerne Tonnengewölbe auf abwechselnd runden und viereckigen Pfeilern eine geschlossene, dämmrige Atmosphäre. Doch dieser schwere romanische Raum weicht unvermittelt der lichten, schwindelerregend hohen Vierung der Gotik mit ihren filigranen Kreuzrippengewölben, schlanken Säulen und riesigen Fensterwänden.

Dieser markante Übergang war keineswegs geplant, sondern das zufällige Ergebnis versiegender Mittel. Die mittelalterlichen Baumeister ließen die ursprüngliche romanische Apsis abtragen, um an ihrer Stelle einen größeren, zeitgemäßen Bau der Gotik zu errichten. Doch die Arbeiten kamen zum Stillstand, noch bevor das westliche romanische Langhaus weichen konnte. So blieben die beiden gegensätzlichen Epochen Seite an Seite vereint.

Jahrhunderte des Bauens und Restaurierens

Bereits im 10. Jahrhundert als Kathedralkirche urkundlich erwähnt, begann die romanische Bauphase offiziell am 12. Juni 1096. Papst Urban II., der auf seiner Reise durch Südfrankreich zum Ersten Kreuzzug aufrief, segnete die von den Vizegrafen von Trencavel gestifteten Baustoffe. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts war der romanische Bau vollendet.

Nach dem Albigenserkreuzzug und dem Übergang Carcassonnes an die französische Krone leiteten Bischof Pierre de Rochefort und das Königshaus zwischen 1269 und den 1330er-Jahren einen monumentalen Neubau im Rayonnant-Stil ein, der die prestigeträchtigen Formen der Pariser Île-de-France in den Süden brachte.

Die Kirche diente bis 1801 als Bischofssitz der Diözese Carcassonne, bevor der Kathedralstatus an die Unterstadt überging. In den 1840er-Jahren leitete der Architekt Eugène Viollet-le-Duc im Rahmen seiner umfassenden Rettung der Cité auch die Restaurierung der Basilika. 1898 schließlich erhob Papst Leo XIII. das Gotteshaus in den Rang einer Basilica minor.

Meisterwerke mittelalterlicher Glasmalkunst

In der Basilika Saint-Nazaire finden sich einige der besterhaltenen mittelalterlichen Buntglasfenster Südfrankreichs aus der Zeit vom späten 13. bis zum frühen 16. Jahrhundert. Schlanke Lanzettfenster und gewaltige Rosetten tauchen Chor und Querhaus in leuchtendes, gefiltertes Licht.

Zu den bemerkenswertesten Werken zählen zwei theologische Bildfenster im Querschiff, die einander gegenüberstehen: Ein Fenster zeigt die Wurzel Jesse, den Stammbaum Christi, während das andere den Lebensbaum mit Szenen der Passion darstellt.

Die Pierre du Siège und Relikte des Krieges

Im südlichen Querhaus befindet sich die Pierre du Siège (der „Belagerungsstein“), ein Steinrelief aus dem 13. Jahrhundert. Die Bildtafel fängt die Belagerungskriege des Mittelalters mit drastischer Präzision ein: Armbrustschützen, Angreifer, die gegen die Zinnen anstürmen, und Verteidiger, die ein Trebuchet, ein schweres Katapult, abfeuern.

Historiker bringen dieses Relief mit der Belagerung von Toulouse im Jahr 1218 in Verbindung, bei der der Anführer des Kreuzzugs, Simon de Montfort, fiel. Nach seinem Tod wurde Montfort zunächst in der Basilika Saint-Nazaire beigesetzt, bevor man seine Gebeine drei Jahre später exhumierte und in die Nähe von Paris überführte.

Heutige Besuche und Gemeindeleben

Die Basilika Saint-Nazaire steht Besuchern das ganze Jahr über offen, sowohl als historisches Denkmal als auch als aktive Pfarrkirche der Diözese Carcassonne und Narbonne. Wer entlang der inneren Festungsmauern unterwegs ist, kann hier nicht nur Geschichte atmen, sondern auch gelebte Tradition erleben: Jeden Sonntag um 11:00 Uhr findet die reguläre heilige Messe statt.

FAQ

Warum vereint die Basilika Saint-Nazaire zwei unterschiedliche Baustile?

Der Stilmix entstand rein zufällig. Geistlichkeit und Krone ersetzten die ursprüngliche romanische Apsis zwischen 1269 und den 1330er-Jahren durch einen hoch aufragenden gotischen Chor und ein Querhaus im Rayonnant-Stil. Doch die Bauarbeiten wurden gestoppt, noch bevor das romanische Langhaus weichen konnte, und so blieben beide Stile für immer miteinander verbunden.

Was hat es mit der Pierre du Siège in der Kirche auf sich?

Die Pierre du Siège ist ein Steinrelief aus dem 13. Jahrhundert im südlichen Querschiff, das Kampfhandlungen des Mittelalters mit Armbrustschützen und einem Katapult detailreich darstellt. Das Werk wird allgemein mit der Belagerung von Toulouse im Jahr 1218 in Verbindung gebracht, bei der Kreuzzugsanführer Simon de Montfort starb. Er wurde anschließend vorübergehend in der Basilika beigesetzt.

Werden in der Basilika Saint-Nazaire noch Gottesdienste gefeiert?

Ja. Sie ist sowohl ein staatliches Baudenkmal als auch eine aktive Pfarrkirche der Diözese Carcassonne und Narbonne. Jeden Sonntag um 11:00 Uhr findet hier eine katholische Messe statt.

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