
Place Marcou: Dreh- und Angelpunkt der Cité von Carcassonne
Dreh- und Angelpunkt der mittelalterlichen Festung
Die Place Marcou ist die wichtigste Kreuzung und der zentrale Freiplatz innerhalb der wehrhaften mittelalterlichen Cité von Carcassonne. Am Schnittpunkt bedeutender Gassen wie der Rue Saint-Sernin und der Rue du Plô verbindet der Platz die großen Wahrzeichen der Festung: die Porte Narbonnaise, das Château Comtal und die Basilika Saint-Nazaire.
Im Verteidigungsgefüge der mittelalterlichen Stadt markiert der Platz den architektonischen Übergang von den östlichen Wehrmauern und Eingangstoren zu den zivilen und geistlichen Vierteln im Inneren.
Von der Pfarrkirche zum offenen Platz
Auch wenn die Place Marcou die urige Atmosphäre eines jahrhundertealten Marktplatzes versprüht, ist ihre weite Fläche eine Errungenschaft der Moderne. Ursprünglich hieß das Areal Place Saint-Sernin und war von der gleichnamigen Pfarrkirche samt Friedhof besetzt. Im 18. Jahrhundert ließ Bischof Armand Bazin de Bezons den Friedhof aus Gründen der städtischen Hygiene vor die Wehrmauern verlegen.
Während der Französischen Revolution im Jahr 1793 fiel das Kirchengebäude der Spitzhacke zum Opfer und schuf Raum für einen öffentlichen Platz. Ein greifbares Relikt dieser sakralen Epoche gibt es aber noch: Am Südrand des Platzes hat das alte Pfarrhaus überlebt, das heute Teil eines Restaurants ist.
Wasserturm und Bürgerdenkmal aus dem 19. Jahrhundert
Trinkwasser war auf diesem Felssporn stets eine echte Herausforderung. Um der anhaltenden Knappheit ein Ende zu setzen, errichtete der Stadtarchitekt Léopold Petit 1872, während der Amtszeit von Bürgermeister Théophile Marcou, einen neugotischen Wasserturm mitten auf dem Platz. Er versorgte die Bewohner hinter den Mauern mit Wasser, das direkt aus dem Fluss Aude hinaufgepumpt wurde.
1892 entstand ganz in der Nähe an der Rue du Plô ein unterirdisches Reservoir, wodurch der zentrale Turm überflüssig wurde. Der neugotische Bau wurde 1901 abgerissen, um das Zentrum des Platzes wieder freizugeben. An seiner Stelle stiftete die Stadt einen steinernen Brunnen mit einer von Théophile Barrau geschaffenen Bronzebüste, die noch im selben Jahr zu Ehren Marcous eingeweiht wurde.
Théophile Marcou war ein radikaler republikanischer Anwalt, der unter dem Regime Napoleons III. ins spanische Exil geflohen war. Im September 1870 kehrte er nach Carcassonne zurück, um die Dritte Französische Republik auszurufen, bevor er später als Bürgermeister, Abgeordneter und Senator wirkte.
Heutiges Flair und kulinarischer Treffpunkt
Heute bildet die Place Marcou das gesellige und kulinarische Herz der Cité. Alte Platanen spannen ein schattiges Blätterdach über die Außenterrassen, malerisch eingerahmt von Gebäuden aus Naturstein und Fachwerk.
Der Platz dient als idealer Orientierungspunkt und willkommener Rastplatz für Spaziergänger. In den Brasserien und Cafés werden regionale Klassiker wie Cassoulet mit Entenconfit und weißen Bohnen serviert, während unter den Bäumen der Brunnen von 1901 leise vor sich hin plätschert.
FAQ
Wer war Théophile Marcou?
Théophile Marcou war ein radikaler republikanischer Anwalt, Journalist und Politiker, der unter Napoleon III. im spanischen Exil lebte. Im September 1870 kehrte er nach Carcassonne zurück, um die Dritte Französische Republik auszurufen, und wirkte später als Bürgermeister der Stadt sowie als Abgeordneter und Senator.
Was stand auf der Place Marcou, bevor sie ein offener Platz wurde?
Ursprünglich befanden sich hier die Pfarrkirche Saint-Sernin und ein Friedhof. Der Friedhof wurde im 18. Jahrhundert vor die Festungsmauern verlegt, und die Kirche wurde 1793 während der Französischen Revolution abgerissen.
Warum wurde mitten auf dem Platz ein Wasserturm errichtet?
Um den ständigen Trinkwassermangel in der hochgelegenen Festung zu beheben, baute Stadtarchitekt Léopold Petit 1872 einen neugotischen Wasserturm auf dem Platz, der Wasser aus dem Fluss Aude nach oben pumpte. Nachdem in der Rue du Plô ein unterirdisches Reservoir eröffnet worden war, wurde er 1901 wieder abgerissen.




