La Tour LU: Historischer Keksturm in Nantes - Nantes
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La Tour LU: Historischer Keksturm in Nantes

Nantes, France

Was einst als riesiges, farbenfrohes Werbedenkmal für Butterkekse ins Auge stach, ist heute der Leuchtturm der kulturellen Renaissance von Nantes. Am Quai Ferdinand-Favre direkt am Canal Saint-Félix gelegen, blickt La Tour LU auf das mittelalterliche Château des Ducs de Bretagne ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs. Der Turm verbindet das industrielle Keks-Imperium des 19. Jahrhunderts sowohl physisch als auch symbolisch mit der heutigen Identität der Stadt als Mekka für kulturelle Umnutzung.

Der Aufstieg eines Keks-Imperiums

Das Unternehmen Lefèvre-Utile (LU) wurde 1846 von Jean-Romain Lefèvre und Pauline-Isabelle Utile als kleine Bäckerei gegründet. Bis 1885 hatte ihr Sohn Louis Lefèvre-Utile das Geschäft so weit vergrößert, dass er Land am Kai kaufte, um einen mechanisierten Fabrikkomplex zu errichten. Eine lokale Legende besagt, dass das Design des berühmten „Petit-Beurre“-Kekses von 1886 einen Kalender darstellt: vier Ecken für die Jahreszeiten, 52 gezackte Ränder für die Wochen und 24 Punkte in der Mitte für die Stunden des Tages.

Als die Fabrik weiter wuchs, beauftragte man zwischen 1905 und 1909 den Architekten Auguste Bluysen mit dem Bau zweier symmetrischer Türme. Sie sollten den Eingang einrahmen und als gigantische Werbetotems für die Marke dienen. Jahrzehntelang trug der Ostwind den süßen Duft frisch gebackener Butterkekse durch das Zentrum von Nantes.

Jugendstil-Architektur

Der erhaltene Turm ragt etwa 38 Meter in die Höhe und zeigt einen spektakulären Jugendstil mit Einflüssen der Beaux-Arts-Architektur. Strahlendes Gold, Karmesinrot und Königsblau bilden einen scharfen visuellen Kontrast zum rohen Backstein und den Metallstrukturen des Fabrikareals. Gekrönt wird das Gebäude von einer Kuppel mit einer Laterne, die wie eine Keksdose geformt ist. Diese aufwendige Spitze ist mit skulpturierten Adlern, sechs Sternzeichen und einer monumentalen geflügelten Figur der Pheme verziert, auch bekannt als La Renommée, die in eine Trompete bläst.

Abriss und Restaurierung

Beide ursprünglichen Türme wurden bei den Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs beschädigt. 1974 wurde der rechte Zwillingsturm im Zuge einer Umgestaltung des Stadtbilds abgerissen. 1986 zog die Keks-Produktion schließlich aus der Innenstadt ab und ließ die Fabrik leer zurück. Ende der 1980er und in den 1990er Jahren fand das Areal neues Leben als alternative Spielstätte für Straßentheatertruppen wie Royal de Luxe.

Der Architekt Jean-Marie Lépinay erkannte den historischen Wert des verbliebenen linken Turms und nutzte 1997 und 1998 Familienarchive sowie historische Fotografien, um die fehlende Kuppel und die Zierelemente akribisch zu rekonstruieren.

Le Lieu Unique und der Dachboden des Jahrhunderts

Nach der Restaurierung des Turms verwandelte der Architekt Patrick Bouchain den Fabrikkomplex in ein nationales, spartenübergreifendes Kulturzentrum, das im Jahr 2000 eröffnet wurde. In Anlehnung an die Wurzeln des Gebäudes nutzte man die alten Firmeninitialen neu und nannte den Ort „Le Lieu Unique“, der einzigartige Ort. Heute beherbergt das Innere von La Tour LU ein Museum mit einer Dauerausstellung auf fünf Etagen, die seine Geschichte erzählt. Eine Aussichtskuppel ist über 130 Stufen oder per Aufzug erreichbar und bietet einen grandiosen Panoramablick. Das angrenzende Kulturzentrum belebt das Gelände mit Veranstaltungssälen, Ausstellungsflächen, einem Restaurant, einer Buchhandlung und sogar einem türkischen Bad.

Eine überraschende Besonderheit des modernen Komplexes ist „Le Grenier du Siècle“ (der Dachboden des Jahrhunderts), eine Zeitkapsel, die in eine lichtdurchlässige Doppelwand eingebaut wurde. Sie wurde am 31. Dezember 1999 um Mitternacht versiegelt und enthält fast 16.000 persönliche Gegenstände, die von Einwohnern gespendet wurden, darunter das Originalrezept für den Petit-Beurre-Keks. Die versiegelte Wand soll am 1. Januar 2100 um Punkt 17:00 Uhr wieder geöffnet werden.

FAQ

Wofür steht das „LU“ in La Tour LU?

Die Initialen „LU“ standen ursprünglich für Lefèvre-Utile, die Gründer der Keksfabrik aus dem 19. Jahrhundert. Heute hat das moderne Kulturzentrum vor Ort das Kürzel neu interpretiert: Es steht nun für „Le Lieu Unique“.

Kann man La Tour LU von innen besichtigen?

Ja, das Innere von La Tour LU dient als Museum mit einer Dauerausstellung auf fünf Etagen über die Geschichte des Gebäudes. Zudem gibt es eine Aussichtskuppel, die du über 130 Stufen oder ganz bequem mit dem Aufzug erreichst.

Was ist mit dem zweiten LU-Turm passiert?

Die Fabrik besaß ursprünglich zwei symmetrische Türme, die vom Architekten Auguste Bluysen entworfen wurden. Beide wurden im Zweiten Weltkrieg beschädigt, und der rechte Turm wurde 1974 im Zuge von Stadterneuerungsmaßnahmen schließlich abgerissen.

Was befindet sich in der Zeitkapsel von Le Lieu Unique?

Die Zeitkapsel „Le Grenier du Siècle“ enthält fast 16.000 persönliche Gegenstände von Einwohnern aus Nantes, darunter das Originalrezept für den LU Petit-Beurre-Keks. Sie wurde 1999 versiegelt und soll am 1. Januar 2100 geöffnet werden.

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