
Place Royale: Nantes’ monumentaler Hauptplatz
Die Place Royale glänzt mit imposanter Kulisse und wird von einem prunkvollen Brunnen dominiert, der die Flüsse und Mythen der Region feiert. Doch trotz ihres königlichen Namens stand hier nie die Statue eines Monarchen. Anders als die typischen königlichen Plätze Frankreichs krönt dieser monumentale Ort die Stadt Nantes einfach selbst.
Ein klassizistischer Stadtumbau
Der Platz wurde 1786 von Mathurin Crucy entworfen und 1790 auf den alten mittelalterlichen Stadtmauern errichtet. Die Place Royale war Teil eines großen Modernisierungsschubs, der Nantes breite, belebte Verkehrsachsen bescherte und den Wandel zur florierenden Hafen- und Industriestadt einläutete.
Der vollständig mit Granit gepflasterte Platz liegt an einem der tiefsten Punkte der Innenstadt und dient als Drehscheibe für gleich neun einmündende Straßen. Sein ungewöhnlicher Grundriss, eine Mischung aus Rechteck und einem halbkreisförmigen westlichen Abschluss, wird traditionell als „Ankleidespiegel“ (miroir de toilette) bezeichnet. Er bildet das Herzstück einer klassischen Flaniermeile, die historische Highlights wie die Rue Crébillon, die Passage Pommeraye und die Place Graslin miteinander verbindet.
Der monumentale Brunnen
In der Mitte des Platzes ragt ein gewaltiger, dreistufiger Brunnen aus Granit und Marmor empor. Das 1865 eingeweihte Werk von Henri-Théodore Driollet ist eine pompöse Hommage an die lokale See- und Industrieökonomie.
Gekrönt wird das Bauwerk von einer weißen Marmorstatue, die Nantes als gekrönte Allegorie mit Dreizack darstellt. Die sie umgebenden Bronzefiguren, geschaffen von Daniel Ducommun de Locle und Guillaume Grootaërs, verkörpern die Loire und vier ihrer Nebenflüsse (Erdre, Sèvre, Cher und Loiret). Acht Genien auf wasserspeienden Delphinen symbolisieren den lokalen Handel. Gegossen wurden die Bronzeelemente von Jean-Simon Voruz, der auch die Gusseisentreppe in der nahen Passage Pommeraye schuf. Das Rauschen und der feine Sprühnebel des Brunnens bilden einen herrlichen Kontrast zu den blassen, gleichförmigen klassizistischen Steinfassaden rund um den Platz.
Geschichte und heutige Nutzung
Der Platz wechselte im Takt der politischen Regimewechsel Frankreichs mehrfach seinen Namen: Er hieß unter anderem Place Impériale und Place de l'Égalité, bevor er 1852 dauerhaft zur Place Royale wurde. Nach schweren Bombardements im Zweiten Weltkrieg wurden die klassizistischen Fassaden und der Platz selbst zwischen 1945 und 1961 akribisch wiederaufgebaut.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts diente die Place Royale lange Zeit als dröhnender Kreisverkehr. Erst nach der vollständigen Umwandlung zur Fußgängerzone zwischen 2007 und 2011 wurde sie wieder zum zentralen Treffpunkt der Stadt für Events, Demos und entspannte Nachmittage. Gesäumt von Geschäften, Cafés und Restaurants bietet der Platz heute auch eine Bühne für zeitgenössische Kunstinstallationen, etwa im Rahmen des jährlichen Festivals Le Voyage à Nantes.
FAQ
Warum heißt der Platz Place Royale, wenn hier gar kein König steht?
Seinen endgültigen Namen Place Royale erhielt der Platz 1852, nachdem er Namenswechsel wie Place Impériale und Place de l'Égalité hinter sich hatte. Trotz der königlichen Bezeichnung zierte ihn nie ein französischer Monarch. Stattdessen steht im Zentrum eine allegorische Statue, die die Stadt Nantes selbst verkörpert.
Was bedeuten die Statuen auf dem Brunnen der Place Royale?
Die krönende Figur aus weißem Marmor stellt die Stadt Nantes dar. Die sie umgebenden Bronzefiguren symbolisieren die Loire und vier ihrer Nebenflüsse, während acht Genien auf wasserspeienden Delphinen für den lokalen Seehandel und die Industrie stehen.
Wann wurde die Place Royale in Nantes erbaut?
Der Platz wurde 1786 von Mathurin Crucy entworfen und 1790 auf ehemaligen mittelalterlichen Stadtmauern errichtet. Sein berühmter Brunnen im Zentrum folgte erst Jahrzehnte später und wurde 1865 eingeweiht.




