Église Notre-Dame de la Dalbade: Toulouses Weiße Kirche
Toulouses „Weiße Kirche“ besteht bekanntermaßen aus rotem Backstein, und einst thronte über ihr ein Turmhelm, der die gesamte Stadt überragte, bis zu den frühen Morgenstunden eines Frühlingstages im Jahr 1926. Schau hinauf zur kunstvollen Fassade und dem historischen Portal der Église Notre-Dame de la Dalbade an der Rue de la Dalbade.
Die Ironie der Weißen Kirche
Obwohl ihr festungsartiges Äußeres unübersehbar aus rotem Backstein besteht, geht der Name der Kirche auf das lateinische „Santa Maria Dealbata“ zurück, was „Heilige Maria, die Weiße“ bedeutet. Dieser Beiname verweist auf die gekalkte Fassade des ursprünglichen frühchristlichen Oratoriums, das einst hier stand und dessen Gründung der Überlieferung nach im sechsten Jahrhundert durch den heiligen Germier erfolgte. Der historische Name „la blanche“ bildete zudem ein städtisches Pendant zu einer anderen Marienkirche im Zentrum von Toulouse: Notre-Dame de la Daurade, bekannt als „la dorée“ (die Vergoldete).
Nachdem eine verheerende Brandkatastrophe im Viertel das ursprüngliche Gebäude im Oktober 1442 vollständig zerstört hatte, begann um 1480 der Wiederaufbau. Man entschied sich für den südfranzösischen Gotikstil: wuchtige, strenge und wehrhafte Außenmauern statt der verspielten Strebepfeiler, die man aus Nordfrankreich kennt.
Ein Meisterwerk aus Keramik und Backstein
Das unverkennbare Markenzeichen des Baus ist sein Renaissanceportal aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, das dem berühmten Toulouser Architekten und Bildhauer Nicolas Bachelier zugeschrieben wird. Gekrönt wird es von einem spektakulären Tympanon aus glasierter Keramik, das die Krönung der Jungfrau Maria zeigt. Das 1878 vom Keramiker Gaston Virebent geschaffene Werk setzt mit seinen leuchtenden Blau-, Gold- und Türkistönen einen brillanten Kontrast zur schlichten roten Ziegelfassade.
Im Inneren empfängt dich ein weites, einschiffiges Langhaus ohne Querschiff. Der hohe Raum besticht durch weiß getünchte Wände, die durch große Buntglasfenster im Chor und eine markante Fensterrose über dem Haupteingang in stimmungsvolles Licht getaucht werden. Im Jahr 1886 wurde die Kirche offiziell als französisches Monument Historique unter Denkmalschutz gestellt.
Der dramatische Einsturz des Turms
Einst besaß die Kirche einen stolzen, 81 Meter hohen Turmhelm, der in den Jahren 1881 und 1882 auf das ursprüngliche Turmfundament von Bachelier aufgesetzt wurde. Bis zu seiner Zerstörung war dieser Turm der höchste Punkt der Toulouser Silhouette und überragte selbst den Glockenturm der Basilika Saint-Sernin bei Weitem.
In den frühen Morgenstunden des 11. April 1926 kam es zur Katastrophe. Gegen 3:15 Uhr stürzte der gewaltige Glockenturm völlig überraschend in sich zusammen. Das Unglück zertrümmerte Teile des Kirchengewölbes, zerstörte benachbarte Häuser an der Rue des Polinaires und kostete zwei Menschen das Leben. Ein in den 1930er-Jahren begonnener Ersatzturm wurde nie vollendet und in den 1960er-Jahren schließlich wieder abgetragen. Zurück blieb die wehrhafte, flache Dachlinie, die du heute siehst.
Ein Wahrzeichen des Viertels Carmes
Heute dient die Église Notre-Dame de la Dalbade als aktive katholische Pfarrkirche des Erzbistums Toulouse und steht Besuchern täglich offen. Sie liegt an der Rue de la Dalbade, einer geschichtsträchtigen Straße, die für die prächtigen Stadtpalais wohlhabender Färberwaid-Händler berühmt ist. Zwischen dem Ufer der Garonne und dem Place des Carmes gelegen, bleibt die Kirche ein architektonisches Herzstück des Carmes-Viertels.
FAQ
Warum wird die Église Notre-Dame de la Dalbade „Weiße Kirche“ genannt?
Der Name „Dalbade“ leitet sich vom lateinischen „Santa Maria Dealbata“ (Heilige Maria, die Weiße) ab. Er bezog sich auf die weiß gekalkte Fassade der ursprünglichen Kirche aus dem 6. Jahrhundert, die einst an dieser Stelle stand.
Was geschah mit dem Glockenturm der Église Notre-Dame de la Dalbade?
Ein 81 Meter hoher Turmhelm wurde 1882 fertiggestellt und machte die Kirche zum höchsten Bauwerk von Toulouse. Am 11. April 1926 stürzte er jedoch ein, zerstörte umliegende Häuser und hinterließ das Gebäude mit seiner heutigen flachen Dachlinie.
Kann man die Église Notre-Dame de la Dalbade von innen besichtigen?
Ja, das Gebäude dient als aktive katholische Pfarrkirche und ist täglich für die Öffentlichkeit zugänglich.
